Ich erzähle jetzt einfach mal in einem recht unsortierten Gedankenschwall, was mich dazu bewegt, hier das zu tun, was ich hier eben so tue.
Ich bin ein ganz archetypischer hetero-mann: trotz massiver sportlicher defizite doch recht muskulös, von kopf bis fuß in einem der steinzeit entfleuchten ganzkörperpelz, adrette frisur und ein gepflegter und doch markanter bart. die letzten 20 jahre bin ich ohne "verschnaufpause" permanent in einer festen beziehung gewesen*, die längste davon dauerte beinahe 15 jahre (*die drei damen haben sich in den umbruchzeiten quasi an der türschwelle zum schichtwechsel zugenickt). Ich hatte die eine oder andere Affäre, war mit einer Partnerin kurzzeitig quasi stammgast in einem Swingerclub, hatte meine erfahrungen mit partnertausch, cuckolding, den heimlichen versauten-wir-vögeln-die-ganze-nacht-treffen mit dem einen und/oder anderen befreundeten pärchen, ich habe für sex direkt und indirekt bezahlt, kurz: mein bisheriges hetero-only-sexualleben ist als zusammenfassung doch sehr umfassend und befriedigend gewesen.
Das "aber", das jetzt ganz obligatorisch kommen muss war für mich recht schwer zu entdecken. Aus erfahrung weiß ich, dass sich viele beim lesen des nächsten abschnitts ein sarkastischen "ooch, der aaarme" nicht verkneifen können werden. Die Frauen, weil sie die Problematik per se nicht verstehen können (sind ja auch mädls, deren wahrnehmung zur sexualität NATÜRLICH weiblich ist), und die Männer weil sie - wie ich auch - in einer indoktrinierten "deal with it" welt leben und empathie unter männern nur sehr bedingt tatsächlich existiert (naja, wir sind halt bilogisches verbrauchsmaterial).
Als Mann hat man de facto keinerlei entscheidungsgewalt, wann man sex hat. Ist die partnerin aus egal welchen gründen unlustig, wird das natürlich akzeptiert. Ist sie lustvoll, hat man natürlich auf anhieb zu funktionieren und steht unter passivem leistungsdruck.
Aus der gelegentlichen unlustigkeit wird ein gefestigter dauerzustand. Während man Anfangs noch tatsächlich mit sinnlichen Massagen punkten kann und mit einem romantischen abend doch noch leben in die bude bringt, sieht man sich früher oder später als selbstverständlicher privatmasseur und freizeitbespaßer der immer seltener einen obligatorischen mitleidsfick bekommt, der qualitativ natürlich dermaßen sinnlos ist, dass man sich lieber einen runterholt - immerhin ist die mir heilige freiwilligkeit in dieser situation ernsthaft zu hinterfragen.
Wenn man die Partnerin damit nicht hinterm Ofen hervorlocken kann, dann vielleicht mit einem optischen Stilwechsel: a fesche wäsch' statt der pragmatischen boxershorts. Wie hier schon jemand erwähnt hat, ist das angebot für männliche reizwäsche doch recht... begrenzt. Entweder ist es lächerlich, erinnert viel mehr an die outfits der blue oyster bar aus der police academy oder ist schlichtweg einfach nicht... sexy. Damit wird's also nix. Die offenen und klärenden gespräche fühlen sich in erster instanz zwar erleichternd an, auf lange sicht waren sie allerdings genauso fruchtlos. man probierts mit spiel- und werkzeugen und beim gemeinsamen shoppen genießt man die vorfreude auf die kommenden experimente. naja, gute 2/3 der erworbenen utensilien wurden nie ausgepackt, der rest wurde als "eh ganz nett aber eigentlich a schas" nach einmaliger verwendung in der einen schublade "archiviert". Treue sollte ja groß geschrieben werden, darum behilft man sich halt mit männlichem spielzeug. jeder der sich diesbezüglich schon mal umgesehen hat: auch hier gibt's eine nicht zu übersehende diskrepanz bezüglich des angebots für mädls... und für jungs. Überzogen teuer, nicht zielführend oder einfach a festes klumpat (oder eine beliebige kombination daraus). Bevor man vom hobeln noch blasen auf den händen bekommt (und, ganz ehrlich, a bissl a feuchte muschi spüren wär zwischenzeitlich schon wieder mal ganz ok. oder ein blowjob. meinetwegen auch handarbeit, hauptsache ich muss es mir nicht alleine in der morgendlichen hektik selber machen - außerdem kenne ich pornhub schon auswendig), begibt man sich gezielt auf die suche nach einer klar definierten affäre, weil ein wöchentlicher besuch im rotlichtlokal der wahl ist halt finanziell auch nicht direkt ein gangbarer weg. Also: singlebörsen, seitensprungportale etc.
Liebe männer... lassts die finger davon, weil DAS ist ein tiefschlag ins eigene selbstwertgefühl. ich hab mir ja schon gedacht, dass das eher trostlos sein wird und mir deshalb den spaß gemacht und konkret zahlen notiert: aktiv eingehende kontaktaufnahmen: 0. aktiv gesendete, individuell geschriebene ernsthafte nachrichten: 150. Antworten: 18. davon werbebots: 12. von den verbleibenden 6 waren ganze 4 mehr oder weniger nette "nein danke" dabei (ja, darüber freut man sich sogar), eine dame ist mitten in der konversation verschollen und die andere war so dermaßen unfähig, ein gespräch zu führen dass mir selber die lust vergangen ist.
also wenn mich die singles nicht wollen, die eigene frau nicht mehr attraktiv genug findet um mir wenigstens einen runterzuholen und man in seinem ganzen leben nicht ein einziges mal ohne selbst aktiv zu werden bei einer dame so aufgefallen ist, dass SIE den ersten schritt machen würde.. naja, dann sind die gemeinsamkeite mit brad pitt vielleicht doch nicht so groß - dafür die mit quasimodo.
aber auch DAS ist kein problem, wenn ich so schon schiach bin, aber zumindest mein schwanz ist überall positiv angekommen. Gott segne die glory holes!!
naja, meine native wissenschaftliche neugierde hat mich dann doch dazu überredet, einmal die andere seite auszuprobieren. die damen sind ja geteilter meinung, wie leicht/schwer/ansträngend/geil/ekelhaft es ist, einen mann oral zu befriedigen - empirische tatsachen müssen her, außerdem ist es eh an der zeit gewesen, der dortigen community etwas zurückzugeben.
an diesem abend habe ich nicht einen oder zwei schwänze gelutscht, es waren gleich mal 6. es hat mehr spaß gemacht, als ich erwartet hatte, aber... was diesen abend so besonders gemacht hat war das gefühl, sexuell gewollt zu werden und ein "boa woa des geil" durch die wand zu hören.
man kommt dort früher oder später mit den gestalten auch zum erweiterten smalltalk, eines führt zum anderen und irgendwann war ich dann tatsächlich in damenklamotten dort. das war dann auch das erste mal, dass ich so wirklich aufs ganze gegangen bin. ich habe erlebt, wie gierig ein mann sein kann, wie schön es ist, mit einfachen berührungen deutliche reaktionen zu bekommen. sich einfach nur passiv vögeln zu lassen - ohne leistungsdruck: da sein reicht! - und die genugtuung, einem menschen mit überdruck so einfach etwas gutes tun zu können. ich habe in meiner "sissy" rolle noch nie einen orgasmus gehabt und vermutlich werde ich das auch nie. aber von diesen "halb-geouteten schwuchteln" in einem schmierigen sexkino habe ich etwas bekommen, was ich in 20 jahren von keiner frau bekommen habe: das gefühl, sexuell interessant zu sein.
was deine wahrnehmung betrifft, dass es hier im EF so viele "defekte y chromosomen" gibt... hier im EF bin ich ein schwanzgeiler DWT, eine sissy, eine schwulette, was auch immer. Im realen leben bin ich der eingangs erwähnte archetypische hetero-mann in hemd und anzug, in einer festen beziehung mit einer süßen, heißen partnerin und einem doch ganz ordentlichen sexualleben. als mann finde ich andere männer nicht attraktiv, ich habe männern gegenüber keinerlei sexuelle gedanken. und das wird auch so bleiben. ich werde keine transe, kein 24/7 DWT. ich bin in meiner selbstauffassung weder schwul noch bi.
außer ich ziehe einen sexy damenschlüpfer und highheels an, dann schalte ich in einen anderen modus. in einen modus, in dem ich mich fallen lassen kann und passiv sein darf. in einen modus, der es mir erlaubt, meine indoktrinierten gesellschaftlichen grenzen zu sprengen und sex ganz allgemein neu entdecken und völlig anders erleben zu können.
oder ganz abstrakt formuliert: ich bin nicht schwul, aber wenn ich einen BH trage liebe ich es schwänze zu lutschen.