glaubst Du, dass diese Kunden, die beleidigen, die sind, die das wollen?
Ja, ich denke, fast alle Kunden verbindet der Wunsch nach gutem Service. Die Unterschiede zeigen sich erst im Umgang mit Frustration: Manche akzeptieren ein Nein, andere reagieren mit Wut oder Respektlosigkeit.
Ob ein solches Verhalten dem persönlichen Charakter geschuldet ist oder Ausdruck einer grundsätzlich frauenverachtenden beziehungsweise sexarbeiterfeindlichen Einstellung oder beides .. schwer zu sagen.
Kann ich nicht sagen. Der, der Analverkehr will und wenn er ihn nicht bekommt beleidigt, wird vermutlich einer sein, der auch den Anwalt beleidigt.
Interessante Frage.
Ich habe kürzlich im Zug im "Speckgürtel" rund um Wien einen Disput zwischen einem Fahrgast und einem Schaffner erlebt, der eskaliert ist. Der Fahrgast beschimpfte den Schaffner auf primitivste Weise – war aber gut gekleidet und vermutlich durchaus gut situiert – wieder einmal ein Beleg darauf, dass gutes Benehmen und sozialer Status keineswegs zwangsläufig miteinander einhergehen.
Vielleicht ein Choleriker, der gelegentlich die Beherrschung verliert. Es könnte aber sein, dass er sich ein solches Verhalten gegenüber einem Zahnarzt oder Anwalt zweimal überlegen würde – sei es aus grösserem Respekt vor dem Prestige dieser Berufen und/oder weil er den Wert dieser Dienstleistung höher einschätzt – nach dem Motto: „Ein guter Zahnarzt ist schwer zu finden, Huren gibt es dagegen wie Sand am Meer.“
Beschimpfungen wegen nicht angebotener Leistungen ?
Beschimpfungen und Drohungen weil jemand seinen Willen nicht erfüllt sieht, sind wirklich ein Extrem
und kommen meiner Erfahrung nach glücklicherweise eher selten vor.
Häufiger sind Problematiken wie Preisverhandlungen, Unzuverlässigkeit oder der Versuch, nach und nach Grenzen auszuloten und immer extremere Wünsche einzubringen.
Wenn die Prostituierte vaginale und orale Penetration zulässt, anale nicht, um ein angeführtes Beispiel zu nennen, dann will sie nicht, weil die Fähigkeit dazu hat sie.
Das kommt einer persönlichen Ablehnung des Freiers gleich.
Das halte ich für eine problematische Sichtweise.
Jede SW entscheidet selbst, welche Leistungen sie anbieten möchte und welche nicht. Es geht dabei nicht nur um Selbstständigkeit im Sinne einer beruflichen Entscheidung, sondern auch um die Wahrung der eigenen, körperlichen Grenzen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Einen Service, den man nicht gerne anbietet, erbringt man in der Regel auch nicht mit derselben Qualität oder Überzeugung. Deshalb ist es für beide Seiten sinnvoller, wenn eine SW nur das anbietet, womit sie sich tatsächlich wohlfühlt.
Das ist auch keine persönliche Ablehnung eines Kunden. Die angebotenen Leistungen gelten grundsätzlich für alle Kunden und werden oft bereits in der Anzeige kommuniziert. Ein nicht angebotener Service bedeutet also nicht, dass der Kunde als Person zurückgewiesen wird.
Würde man diese Argumentation konsequent weiterführen, müsste eine SW letztlich jeden Kundenwunsch erfüllen. Genau das wäre aber der falsche Ansatz. Nicht der Kunde bestimmt die persönlichen Grenzen der SW, sondern sie selbst – und diese Grenzen sollten respektiert werden. Eine sexuelle Dienstleistung bedeutet nicht grenzenlose Verfügbarkeit.
wo liegt Dein Verständnisdefizit? Es ist eine unqualifizierte Arbeit. Jede Frau kann sie machen. Wenn sie will. Das unterscheidet sie von der Tätigkeit von Ärzten, Anwälten, Tischlern, ....
Es mag eine Tätigkeit ohne formale Qualifikationshürden sein, dennoch halte ich sie für durchaus anspruchsvoll.
Abgesehen von der Intimität befindet man sich in einer Situation ständiger Aufmerksamkeit und Bewertung durch eine Person, von der man zu Beginn nicht weiss, mit welcher Haltung sie einem begegnet – ob mit Respekt oder mit einer inneren Abwertung, wie sie etwa in manchen Beiträgen im Freierforum sichtbar wird.
Hinzu kommt die Herausforderung, den eigenen Stolz und das eigene Ego im Gleichgewicht zu halten: Man muss mit einer ungewöhnlich intensiven Form von Intimität umgehen können – mit Menschen, zu denen man für kurze Zeit eine starke körperliche Nähe aufbaut und die man danach möglicherweise nie wieder sieht. Gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, mit den extremen Gegensätzen dieser Tätigkeit umzugehen: mit Ablehnung, (anfänglicher) Bewunderung und schwindendem Interesse.