Das Wunschkonzert

Mitglied #696624

Crazy, hot Mini-Me
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Eins vorweg: Als ich mich in die spannende und vielfältige Welt des PaySex begab, war mir das Ausmaß und die Tiefe menschlichen Verhaltens und Erfahrungen nicht bewusst. Ich habe viel darüber gelesen und viele Geschichten gehört, aber erst die eigene Erfahrung macht die Komplexität von PaySex wirklich begreifbar.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich das Glück, überwiegend sehr positive Erfahrungen zu sammeln. Ich habe interessante Menschen und großartige Kolleginnen kennengelernt, deren Erfahrungen und auch Warnungen mir geholfen haben, mich klar zu positionieren, sowohl mit dem, was ich mache, als auch damit, wie ich es mache.

Und die wenigen schlechten Erfahrungen? Tja … auch die gab und gibt es.

Diese negativen Erfahrungen bestanden vor allem aus den nicht erfüllbaren Erwartungen mancher Herren, und den Reaktionen, die auf ein Nein folgten.

Der Durchschnittsfreier wünscht sich eine Sexarbeiterin, die alle Stückerl spielt. Sie soll am besten alle Körperöffnungen ohne Schutz zur Verfügung stellen, und selbstverständlich soll sie alle Vorlieben und Fetische bedienen, die ein Mann (Freier) eben haben kann. Also eine Dienstleisterin, die alles kann, dabei aber einem enorm hohen Risiko von Gewalt, Betrug und Anfeindungen ausgesetzt ist.

Und sollte besagte Sexarbeiterin nicht alle Stückerl auf der Klaviatur des Sex beherrschen, kann es mitunter sehr ungemütlich werden. Die angenehmste Reaktion wäre noch Ignoranz. Meist folgen jedoch Beleidigungen und Beschimpfungen wie: „Du bist eine Nutte, also hast du zu funktionieren.“ Ganz egal, ob sie ausschließlich Safersex anbietet, keinen Analverkehr macht oder ganz andere Präferenzen hat als jene, die der Freier sich wünscht. Und oft geht es diesen Männern gar nicht darum, all das tatsächlich auszuprobieren, sondern allein darum, die Möglichkeit dazu zu haben.

Ich finde diese Gedankengänge schräg und befremdlich. Denn das Portfolio an Leistungen einer Sexarbeiterin unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem anderer Branchen.

Wenn eine Tischlerei sich auf italienische, rustikale Möbel spezialisiert hat, wird sie vermutlich keine Spanplattenmöbel à la Ikea anbieten. Mir wäre keine Tischlerei bekannt, die von potenziellen Kunden derart beleidigt worden wäre, weil sie keine günstigen Möbel herstellt.

Oder nehmen wir Anwaltskanzleien, die sich auf Zivilrecht spezialisiert haben und eine Anfrage zum Strafrecht ablehnen würden. Ich kann mir auch hier kaum vorstellen, dass man der Kanzlei mangelnde Kompetenz vorwirft oder sie beleidigt, nur weil sie sich auf ein anderes Rechtsgebiet spezialisiert hat.

Diese Beispiele ließen sich auf unzählige Branchen und Dienstleistungen übertragen.

Daher frage ich mich schon, warum gerade im PaySex die eierlegende Wollmilchsau gesucht wird, Spezialisierungen offenbar weniger oft akzeptiert werden und eine Sexarbeiterin, die nicht genau das anbietet, was ein potenzieller Freier möchte, mit Beleidigungen und Herabwürdigungen rechnen muss?

PS.: Falls es in der falschen Rubrik gelandet ist, sorry, ich hab keinen allgemeinen PaySex-Talk-Bereich gefunden.
 
Jaja, der Mythos von der schlampigen Hure ...

Kleiner Hint, die Damen gehen öfter zum Arzt, als so mancher Freier oder Dame, die sich in einer Dorfdisco oder Bar abschleppen lässt. Aber ok, ein Wenig Vorurteile schieben, tut halt dem eigenen Ego gut um SA herabzuwürdigen.
Schau, da hast du leider schon einen der Gründe warum das so ist.
Auch wenn hier im Forum alle immer so liberal tun und ihre Töchter zum Praktikum ins Bordell schicken würden (weil es ja ein Beruf wie jeder andere ist), hat Prostitution in der Gesellschaft immer noch einen schlechten Ruf. Nicht umsonst ist die Bezeichnung "Hurensohn" eine Beleidigung.

Männer die so agieren sind entweder dämlich, weil sie die Konditionen vorher nicht gelesen oder schon wieder vergessen haben, oder noch immer so in patriarchalischen Strukturen gefangen sind, dass sie Frauen allgemein als minderwertig betrachten, Prostituierte sowieso. Und dann noch die "Kunde ist König/Kaiser"- Fraktion, die denken ihnen steht alles zu, solange sie dafür bezahlen und die Männer die glauben - Die bekomm ich eh überredet.
Die sind dann natürlich alle so schockiert und enttäuscht, dass die Frau eben nicht nach ihrer Nase tanzt, dass der kleine Junge dann beleidigen muß.
 
Denn das Portfolio an Leistungen einer Sexarbeiterin unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem anderer Branchen.
Den Satz verstehe ich nicht. Um bei deinen folgenden Beispielen mit der Tischlerei und der Anwaltskanzlei zu bleiben: deren Portfolio unterscheidet sich grundlegend voneinander. Das eine ist verarbeitendes Gewerbe, das Güter des Such- und Vergleichskauf anbietet, das andere Beratung in juristischen Belangen. Viel mehr Unterschied geht wohl kaum.

Immer dann, wenn zwei Wirtschaftsakteure aufeinandertreffen und der eine gegenüber dem anderen über eine gewisse Marktmacht verfügt, wird derjenige mit der Marktmacht versuchen diese durchzusetzen und die Vertragsbedingungen zu diktieren. Das führt zwar im normalen Geschäftsalltag selten zu Beleidigungen aber mitunter zu unschönen Konditionen für die eine Vertragspartei. Offenbar glauben einige Männer, sie hätten gegenüber Sexdienstleistern eine gewisse Marktmacht, die sie durchsetzen können. Wenn sie realisieren, dass dem doch nicht so ist, reagieren sie ungehalten.

Der Gedanke, den vorallem eine Kollegin von dir hier immer wieder äußert, nämlich dass man sich im Geschäftsleben immer mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet, ist schlicht naiv.
 
Zuletzt bearbeitet:
Offenbar glauben einige Männer, sie hätten gegenüber Sexdienstleistern eine gewisse Marktmacht, die sie durchsetzen können. Wenn sie realisieren, dass dem doch nicht so ist, reagieren sie ungehalten.
Richtig, aber wieso müssen Sexarbeiterinnen mit Beleidigungen rechnen, wenn besagte Herren ihre Marktmacht nicht durchsetzen können und beispielsweise andere Branchen nicht?
 
Richtig, aber wieso müssen Sexarbeiterinnen mit Beleidigungen rechnen, wenn besagte Herren ihre Marktmacht nicht durchsetzen können und beispielsweise andere Branchen nicht?
Da musst du diese Männer fragen.
In anderen Branchen gibt es zwar keine Beleidigung dafür andere unschöne Begegnungen. Wie bereits geschrieben Respekt und Begegnung auf Augenhöhe sind zwar wünschenswert aber leider nicht immer gegeben, egal welche Branche.
 
Richtig, aber wieso müssen Sexarbeiterinnen mit Beleidigungen rechnen, wenn besagte Herren ihre Marktmacht nicht durchsetzen können und beispielsweise andere Branchen nicht?
Weil sie sie als Ware sehen und nicht sls Mensch.(also nicht alle aber sehr viele halt noch)

Die Hure hat das zu machen, kann eh nichts anderes. Blablabla.... .
 
Mir wäre keine Tischlerei bekannt, die von potenziellen Kunden derart beleidigt worden wäre, weil sie keine günstigen Möbel herstellt.

Diese Beispiele ließen sich auf unzählige Branchen und Dienstleistungen übertragen.
...und findet auch in unzähligen anderen Branchen genauso statt!
Weder du noch ich haben jemals in einer Tischlerei gearbeitet. Ich bin mir aber sicher dass es GENUG Kunden gibt die Qualitätsmöbel und österreichische Handwerkskunst wollen, dann aber schimpfen und fluchend rausrennen wenn sie merken dass das halt das fünffache von einem Ikea Regal kostet.
Ich habe in Fleischereien gearbeitet und ich kann dir sagen da wird man genauso beschimpft von vielen Kunden. Weil man den Lieblingsleberkäse gerade nicht da hat, weil die Halal-Auswahl zu klein ist, weil die Rechnung teurer ist als erwartet, weil das Schnitzel nicht dem XXL Schnitzel im Restaurant gleich kommt... Alles Mögliche!

Und überall wird's so sein dass manche Kunden ihren Unmut höflich und korrekt äußern und man vielleicht Erklärungen, Lösungen oder Kompromisse finden kann, andere sieht man nie wieder und wieder andere äußern ihren Unmut eher unkorrekt, unfreundlich oder direkt beleidigend. Oder schreiben bitterböse und teilweise erfundene oder übertriebene Online Kritiken.

Daher frage ich mich schon, warum gerade im PaySex die eierlegende Wollmilchsau gesucht wird, Spezialisierungen offenbar weniger oft akzeptiert werden und eine Sexarbeiterin, die nicht genau das anbietet, was ein potenzieller Freier möchte, mit Beleidigungen und Herabwürdigungen rechnen muss?
Wie gesagt: ist bei weitem nicht nur im Pay6 so. Ich glaube gar nicht dass es dort schlimmer ist als anderswo.
Es wird sich halt schlimmer anfühlen weil man persönlich und direkt in der Kritik ist.

In anderen Branchen (zB meine Fleischer Erfahrungen) ist man halt nicht so persönlich in der Kritik. Ich kann halt nur die Produkte bestellen die wir im Sortiment haben... Und dass da wenig Halal Auswahl dabei ist, das ist nicht meine Schuld. Da prallt Kritik leichter an einem ab als Filialleiter.

Das einzige was man da machen kann ist schon im Vorfeld möglichst klar zu kommunizieren was es gibt und wo die Grenzen sind. Und dann zu hoffen dass Kunden das begreifen und respektieren. Die Idioten die trotzdem genau jetzt genau das erwarten was es halt nicht gibt und die dann wütend reagieren... Die hat man überall!
 
Den Satz verstehe ich nicht.
Ich hätts so verstanden, dass man einen Leistungskatalog bzw. Spezialisierungen dort wie da recht klar definieren und abgrenzen kann.
Was auch heißt, dass man auch definieren kann, was bspw. nicht im Leistungsspektrum zu finden ist, und dass es in anderen Branchen leichter ist sich darauf zu berufen, dass der Kunde bei einem anderen Anbieter besser aufgehoben wäre.
 
Eins vorweg: Als ich mich in die spannende und vielfältige Welt des PaySex begab, war mir das Ausmaß und die Tiefe menschlichen Verhaltens und Erfahrungen nicht bewusst. Ich habe viel darüber gelesen und viele Geschichten gehört, aber erst die eigene Erfahrung macht die Komplexität von PaySex wirklich begreifbar.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich das Glück, überwiegend sehr positive Erfahrungen zu sammeln. Ich habe interessante Menschen und großartige Kolleginnen kennengelernt, deren Erfahrungen und auch Warnungen mir geholfen haben, mich klar zu positionieren, sowohl mit dem, was ich mache, als auch damit, wie ich es mache.

Und die wenigen schlechten Erfahrungen? Tja … auch die gab und gibt es.

Diese negativen Erfahrungen bestanden vor allem aus den nicht erfüllbaren Erwartungen mancher Herren, und den Reaktionen, die auf ein Nein folgten.

Der Durchschnittsfreier wünscht sich eine Sexarbeiterin, die alle Stückerl spielt. Sie soll am besten alle Körperöffnungen ohne Schutz zur Verfügung stellen, und selbstverständlich soll sie alle Vorlieben und Fetische bedienen, die ein Mann (Freier) eben haben kann. Also eine Dienstleisterin, die alles kann, dabei aber einem enorm hohen Risiko von Gewalt, Betrug und Anfeindungen ausgesetzt ist.

Und sollte besagte Sexarbeiterin nicht alle Stückerl auf der Klaviatur des Sex beherrschen, kann es mitunter sehr ungemütlich werden. Die angenehmste Reaktion wäre noch Ignoranz. Meist folgen jedoch Beleidigungen und Beschimpfungen wie: „Du bist eine Nutte, also hast du zu funktionieren.“ Ganz egal, ob sie ausschließlich Safersex anbietet, keinen Analverkehr macht oder ganz andere Präferenzen hat als jene, die der Freier sich wünscht. Und oft geht es diesen Männern gar nicht darum, all das tatsächlich auszuprobieren, sondern allein darum, die Möglichkeit dazu zu haben.

Ich finde diese Gedankengänge schräg und befremdlich. Denn das Portfolio an Leistungen einer Sexarbeiterin unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem anderer Branchen.

Wenn eine Tischlerei sich auf italienische, rustikale Möbel spezialisiert hat, wird sie vermutlich keine Spanplattenmöbel à la Ikea anbieten. Mir wäre keine Tischlerei bekannt, die von potenziellen Kunden derart beleidigt worden wäre, weil sie keine günstigen Möbel herstellt.

Oder nehmen wir Anwaltskanzleien, die sich auf Zivilrecht spezialisiert haben und eine Anfrage zum Strafrecht ablehnen würden. Ich kann mir auch hier kaum vorstellen, dass man der Kanzlei mangelnde Kompetenz vorwirft oder sie beleidigt, nur weil sie sich auf ein anderes Rechtsgebiet spezialisiert hat.

Diese Beispiele ließen sich auf unzählige Branchen und Dienstleistungen übertragen.

Daher frage ich mich schon, warum gerade im PaySex die eierlegende Wollmilchsau gesucht wird, Spezialisierungen offenbar weniger oft akzeptiert werden und eine Sexarbeiterin, die nicht genau das anbietet, was ein potenzieller Freier möchte, mit Beleidigungen und Herabwürdigungen rechnen muss?

PS.: Falls es in der falschen Rubrik gelandet ist, sorry, ich hab keinen allgemeinen PaySex-Talk-Bereich gefunden.

Das ist nicht nur im PaySex Bereich so, sondern generell in Dienstleistungsberufen.
Die eierlegende Wollmilchsau wird genauso von den Patienten in der Pflege gesucht, was man da alles tun, können und sein muss kann sich jemand, der dort nicht arbeitet gar nicht vorstellen.

Das sind einfach die Abgründe der Menschheit in solchen Berufen....
 
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