Hi!
Lady Katarina, nimm das bitte nicht persönlich, es haben da auch andere in dieses Horn gestoßen. Aber hier kann ich leider am leichtesten einhaken.
zuerst mal zum Nick von "Der Kleine Krüppel". Ich finde diesen Nick überhaupt nicht gut - auch nicht zum Provozieren (egal ob positiv oder negativ).
Wenn ein Nicht-Behinderter einen Behinderten oder wie auch immer man den Umstand political correct bezeichnen möchte, als Krüppel bezeichnet, der sollte damit rechnen, dass ihr/ihm dann ein 100 kg Rollstuhl + Körpergewicht über die Zehen rollt und als "Entschuldigung" noch mal zurückgeschoben wird - über die Zehen - und dann noch mal lustvoll darüber nach vorne weg gerollert wird.
Allerdings, wenn ein Behinderter einen anderen als Krüppel bezeichnet ist das eine ehrenvolle Akzeptanz auf Augenhöhe.
Wie sich jemand selbst bezeichnet, sollte doch jedem selbst überlassen sein. Behinderte werden schon genug bevormundet. Es muss nicht auch noch hier der Fall sein.
Ausspruch einer schwerst behinderten SMlerin, die in der Szene bekannt ist:
Wenn dir jemand begegnet, der "an den Rollstuhl gefesselt ist", befreie ihn nicht, sondern frage zuerst, ob der/die das nicht gerade als sehr genussvoll empfindet.
Um das als Vergleich näher zu bringen, wenn man einem SMler der sich mit dem Thema gerade in der Outing-Phase befindet erklärt er wäre pervers, der schlägt demjenigen die DSM-IV um die Ohren, dass es nur so klescht.
http://www.datenschlag.org/txt/dsmiv
Sagt bei einem Stammtsich ein SMler zum anderen: "Mei, du bist so pervers!" bekommt er sehr wahrscheinlich zur Antwort: "Jo! Äh! Klass! Geil!"
Wenn mir heute ein Nicht-SMler erklärt: "Das ist pervers!" oder "Du bist pervers!" kommt die Antwort von mir: "Erklärst du mir bitte, was für dich pervers ist?" und so kann ich den Gesprächspartner eher auf die Partner-Ebene holen, ohne dass sich zwei Menschen auf einer giftigen Ebene bewegen, wo einer dem anderen sagt was Sache ist.
So sehe ich das auch bei Behinderten/Menschen mit Handycap.
Woher ich die Situation so gut kenne?
Erstens war ich mit der besagten SMlerin lange Zeit befreundet und kenne daher doch ein klein wenig auch die sexuellen Sorgen, Nöte, Komplexe, allgemeinen und besonderen Problem und nicht zuletzt waren Behinderte sogar meine Chefs in einem Unternehmen von Behinderten für Behinderte. Und, mir wurde damals auch gesagt:
"Bist hoid a a Krüppe!" und es war für mich kein Grund beleidigt zu sein, sonder es wurde mir die Ehere zuteil, eine von ihnen zu sein.
Soviel dazu.
Und dann noch: den passenden Partner zu finden mit dem auch der Sex klappt ist für niemanden einfach. Behindert zu sein reduziert das Problem nicht. Dann auch noch Mann zu sein, macht es noch sehr viel weniger leicht.
Aber, ich kenne persönlich Rollifahrer die mit nicht behinderten Frauen zusammen leben und ein erfülltes Sexualleben haben. Ich kenne auch Frauen, die sich Hals über Kopf in behinderte Männer verliebt haben, sogar in einer SM-Konstellation er Top - sie Sub, aber letztendlich vom Behinderten eigentlich verscheucht wurden, weil das nötige Vertrauen des Behindert zu sich selbst gefehlt hat und damit auch in die Beziehung und in die Partnerin.
Diese Problematik ist eine sehr, sehr umfangreiche und für alle Beteiligten nicht einfach. Und aus meiner Sicht, so wie hier häufig mit den (sexuellen)-Gefühlen anderer umgegangen wird, die Würde anderer Menschen herab gezogen wird, versucht wird andere zu bevormunden, ist das kein Thema, das hier ernsthaft besprochen werden kann.
Ich kann den Autor des Themas sehr gut verstehen, dass er sich zurück gezogen hat.
LG
Toeris