A
Gast
(Gelöschter Account)
1) Ich habe einen Vergleich mit den 70-er Jahren gezogen, obwohl ich sie selbst nicht erlebt habe. Aber diese "sexuelle Revolution" der 70-er war wirklich ein Riesenschritt aus der prüden Nachkriegszeit.
2) Heute sehe ich eben einen Trend zurück in die Prüderie. Die Menschen sind ängstlicher geworden.
3) Mehr Toleranz gibt es der Homosexualität und speziellen Vorlieben ( Fetisch/ Bdsm/ Swingen, u.ä.) gegenüber ...
4) aber Polyamorie oder gar Polygamie als etablierte gesellschaftliche Beziehungsform, gleichwertig der Mono-Ehe, ist eine Utopie geblieben. Das Vielehe-Verbot ist Konsens.
Ich könnte nicht einmal für mich sagen, ob ich dafür oder dagegen wäre, das Verbot aufzuheben. Da gäbe es viel zu überdenken. Vor allem aus materieller Sicht, weniger wegen der Polyamorie. Diese kann ja auch ohne Heirat funktionieren.
5) Eigentlich könnte man mich eher für ein generelles Ehe-Verbot begeistern. Aber das ist auch wieder utopisch.
1) da gings nicht nur um Prüderie, sondern um den wirtschaftlichen Aspekt. Wirtschaftswunder und gefestigte Rollenbilder. Wirtschaftlich gins bergauf. Gerade die 50er hatten ja die klare Teilung der Aufgaben zwischen Mann (der Macher und Ernährer) und die Frau (Gattin, Mutter, Erzieherin). Monogamie war insbesondere in den frühen Nachkriegsjahren Usus um wieder Kinder zu zeugen. Es ging den Meisten immer besser. Die sogenannte sexuelle Revolution wurde als Trotzreaktion der konservativen Eltern gesehen. Kinder, die nicht diesem streng alten und konservativen Lebensstil folgen wollten. Nicht zu vergessen, es gab immer mehr Student*innen, die begonnen hatten in WGs zu leben, dadurch entstanden die bekannten Kommunen - einerseits aus der finanziellen Notwendigkeit, aber eben auch aus der prüden und konservativen Erziehung auszubrechen. Die Pille wurde frei verfügbar. Was für ein Fortschritt. In den 80er wurde HIV bekannt und die Angst ging umher. Monogamie schien für die Meisten der einzige Schutz gegen HIV zu sein, denn man ging davon aus, HIV würden nur lasterhafte Personen und Schwule bekommen. Jetzt weiß man mehr, dass es mehrere Arten der Übertragung gibt und das HIV keinen Unterschied macht, welche sexuelle Orientierung man hat oder welche Beziehungsform man pflegt.
2) Ja, diese Beobachtung habe ich auch. Aber was macht Angst oder besser gefragt: Wer schürt Angst? Jeder weiß, wie man sich vor sexuell übertragbare Krankheiten schützt und diese Ängstlichkeit wird von konservativen und rechtsgerichteten Parteien geschürt. Es werden alte Rollenbilder und Familienkonstrukte propagiert um vermeintliche Sicherheit vor dem Fremden zu suggerieren. Hier spielen viele Faktoren mit. Einerseits Ehe-für-alle und andererseits Vater-Mutter-Kind. Das ist nicht grad leicht.
3) Da ich viele schwule Freunde habe und auch einige Zeit in der SM-Szene unterwegs bin, kann ich das nicht bestätigen. Toleranz oder Intoleranz ist keine Frage der sexuellen Orientierung.
4) Wir entscheiden doch als Gesellschaft, was utopisch ist und bleibt und wir können auch unsere Haltung dazu ändern. Eine Gesellschaft ändert sich. Durch Globalisierung und die Möglichkeit, fundierte Informationen zu allen möglichen Themen zu recherchieren, sollte es kein Problem sein, auch diese Form von Beziehungen zu legalisieren - also der Ehe gleich zu stellen - wenn man denn unbedingt heiraten will.
5) Wäre einer Überlegung wert ...
