Die bäuerliche Dorfgemeinschaft war früher ein hartes Stück Brot und ist es heute noch in den hinteren Ecken des Planeten. Bei der Vereinigung der Männer und Frauen ging und geht es darum, die Dorfsippe durch Nachwuchs am Leben zu halten. Um diesen großzuhecken, ist es besser, dass Mann und Frau eng und ausnahmslos zusammenstehen, und zwar mindestens bis der Nachwuchs flügge ist. Fremdgeherei führt im Dorf zu gefährlichen Verwerfungen, und nach jenem anstrengenden, besten Teil des Lebens ist dann eh nicht mehr viel los mit spätem Dolce Vita. - also durchgehende Monogamie als Dorfmoral. Die Religion, jedenfalls die, die über die primitive Naturgötzenanbetung hinausgeht, hat diese Moral dann okkupiert, mit Gottes Strafe bewehrt und zum Beispiel 10 Gebote verfasst. Du sollst nicht Ehebrechen.
In der modernen bürgerlichen Gesellschaft wurde diese Moral teilweise obsolet - gesellschaftliche Absicherung von Kindern, Geschiedenen und Alten. Höhepunkt um 1970, als eine recht hohe Zivilisiertheit herrschte - und die Leute es sich witzigerweise leisten konnten, ungestraft ihren animalischen Trieben nachzugehen. Schöner Hintertreppenwitz das. Das wirkt glücklicherweise bis heute und in dieses Forum nach, aber mit gegenwärtiger zivilisatorischer Abwärtsentwicklung und Verrohung feiern die alten Ideale wieder Renaissance - Ehe, Eigenheim, ordentliche Kinder und der ganze Scheiß, umgeben von einer modernen SOMFI-Alarmanlage.