In diesem thread werden die typischen Klischees reichlichst bedient.
Aber so einfach ist die Welt nicht.
Es gibt nicht "die SW". Dazu ist die Szene zu vielfältig , die Motive der Frauen zu unterschiedlich, die Karrieren zu verschieden.
Natürlich gibts die 65jährige, die seelisch kaputt und finanziell abgebrannt am Strassenstrich ihr Dasein fristet und genauso gibts die Akademikerin, die aus Geilheit den Job ausübt. Aber beides sind Extreme, nicht repräsentativ und verdecken die wirklichen Bedürfnisse der Frauen: Anerkennung und nicht Mitleid, Wertschätzung und nicht Verachtung.
Und wieso können wir nicht akzeptieren, dass SW normale Frauen sind, mit normalen Bedürfnissen und dem Anspruch geliebt zu werden so wie jede andere Frau auch. Und ausgenützt können wir Männer von jeder Frau werden, genauso wie eine Frau von jedem Mann ausgenützt werden kann, der Beruf der SW tut dabei absolut nichts zur Sache.
Im übrigen sollten sich jene, die SW ehrliche Gefühle absprechen, vor Augen halten: Ein Grossteil der SW nimmt Treue ausserordentlich ernst und steht zu ihren Partnern, wie man es nur selten findet.
Die Frage: "Würdest du deiner Frau, Tochter zu dem Beruf als SW raten" kommt bei diesen Diskussionen so sicher wie das Amen im Gebet.

Und meine Antwort dazu: Nein, ich würde ihnen nicht dazu raten, dazu ist die gesellschaftliche Ausgrenzung einfach zu gross, aber ich würde sie auf ihrem Weg unterstützen und ihnen keine Steine in den Weg legen.
Denn was ist so schlimm an diesem Beruf: Der (intime) Kontakt zu Männern? Dass sie von ihnen berührt werden, dass der mit Gummi umhüllte Schwanz in ihre Vagina eindringt?
Was soll da der Mann/die Frau des Altenpflegers/in sagen: Mir graust vor dir, du hast das Erbrochene und die Scheisse deiner Pfleglinge geputzt und bist mit ihr in Berührung gekommen?
Was sagt die Frau des Urologen/Gynäkologen: Du hast die Schamlippen deiner Patientin mit den Fingern gespreizt und einen Katheter eingeführt, die Brüste auf Knoten untersucht, die Scheide betatscht und den Muttermund angesehen?
Was sagt der Mann der Physiotherapeutin: Du hast den entblössten Körper deines Klienten massiert?
Die Beispiele klingen weit hergeholt, sind sie aber nicht: Sie erscheinen nur so abstrus weil sie gesellschaftlich akzeptiert sind, dem Grunde nach unterscheiden sie sich nicht wesentlich von dem Tätigkeitsumfang einer SW. Und solange wir nicht bereit sind alle Menschen - egal welchen Beruf sie ausüben - zu achten, werden wir diese abstrusen Unterscheidungen weiter treffen, denn es tut unserem Ego gut, eine Gruppe von Menschen zu haben, auf die wir herabblicken können.