Glücklich mit dir selbst – oder nur gut im Ignorieren?

Ich bin nicht immer glücklich und das ist mMn. auch kein natürlicher Zustand.
ganz ehrlich: Ich hab Angst vor Menschen, die immer glücklich sind - das fühlt sich nicht normal an!

Den so mein lebensbegleiternde Spruch - in der Unzufriedenheit liegt der Fortschritt - und dann entsteht wiederum im Fortschritt ein Gefühl von glücklich sein. Tja die Kunst darin ist es, diese Fortschritte zu erkennen, reflektieren und wahrnehmen. Je besser das klappt, entsteht eine tiefgründige Zufriedenheit.
Das klingt schon fast wie ein allgemeingültiges Gesetz. Ich feier das irgendwie, wenn man nach einer Theorie lebt, die so abseits von "Normalität" ist, aber trotzdem funktioniert. Die einzige Frage, die ich dazu hätte: Muss Fortschritt wirklich immer aus Unzufriedenheit entstehen?
Weil meiner Meinung nach entwickeln sich ja viele auch zum Beispiel aus Liebe, Begeisterung oder Neugier - dann wäre der Motor nicht Unzufriedenheit, sondern Freude.

Ich versuch mich mal etwas philosophischer und hoffe das ich nicht komplett verkacke und @Mitglied #490845 oder @Mitglied #565215 mir den Kopf abreissen:
Statt "in der Unzufriedenheit liegt der Fortschritt" könnte man auch sagen: "Entwicklung entsteht oft aus einer Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte"

Ach.. und mir gefällt besonders der Gedanke, von jedem Menschen etwas lernen zu wollen. Das wirkt auf mich sehr demütig und gleichzeitig offen fürs Leben. Vielleicht ist genau das ja auch eine Form von Weiterentwicklung, ohne ständig einem größeren Ziel hinterherzulaufen.
 
Glück sind nur Momente, die man meistens erst im Nachhinein wahrnimmt und hineininterpretiert nach dem Motto: “Da war ich glücklich.” Ein ganz normaler Mechanismus im Gehirn, der das meiste Negative wegfiltert. Zeit wird in der Rückschau ohnehin relativ. Es ist vollkommen egal, ob man eine oder drei Wochen auf Urlaub war – die Erinnerungen sind im Nachhinein oft die gleichen. Deshalb halte ich nicht viel vom Begriff Glück.

Zufriedenheit ist eine andere Kategorie. Sie impliziert nämlich, mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Das ist heutzutage fast schon purer Anarchismus, denn an zufriedenen Menschen verdienen große Konzerne kein Geld. Deshalb wird man ständig mit Menschen und Dingen konfrontiert, die es angeblich besser haben als man selbst.

Ich bin in einem Alter (52), in dem mir Statussymbole und das, was andere besitzen, weitgehend egal geworden sind. Aber bin ich deshalb mit mir selbst vollkommen zufrieden? Nein, denn dann würde ich aufhören, mich weiterzuentwickeln, und das wäre für mich nicht wünschenswert.

Das Leben ist Veränderung. Wer älter wird, erlebt viele Veränderungen, ob man sie will oder nicht. Wichtig ist, wie man damit umgeht. Denn dass Dinge passieren, hat man oft nicht in der eigenen Hand. Aber die Dinge, die man beeinflussen kann, sollte man so gestalten, wie man es selbst möchte und sich vorstellt.
 
Eine wirklich sehr gute Frage....

Ich selber brauche nicht viel um Glücklich zu sein - bzw. wenn ich ehrlich bin, dann bin ich mit dem glücklich so wie es eben ist.
Ich bin verheiratet und habe die Liebe meines Lebens gefunden.
Eine PErson, die mich so akzeptiert, wie ich bin.
Mit all meinen Kanten und Ecken - das ist mir mehr wert, als alles andere.
Das macht mich glücklich - einen Mensch an meiner Seite zu haben, der mich so sieht wie ich bin.

In unserer heutigen Zeit ist leider viel nur noch auf Oberflächelichkeit aufgebaut.
Wir versuchten ständig uns zu übertrumpfen.
Wollen der beste sein
Wollen imponieren
Wollen für alle ein Idol ein
Wollen...wollen...wollen
Dabei vergessen wir dass hier und jetzt - und verlaufen uns in etwas, dass eigentlich niemand braucht- aber scheinbar jeder haben will:
Der perfekte Mann/Frau - und damit meine ich das ganze in oberflächerlicherweise gesehen.
Was für mich perfekt sein kann, ist für jemanden anderen ein NoGo
Perfektion hat keinen fixen Standpunkt
Es fängt in unseren Köpfen an, was wir als "Perfekt" sehen....
Mir gefällt, dass du Glück nicht über Erfolg oder Perfektion definierst, sondern über das Gefühl, angenommen zu werden.
Nur eine klitzekleine Frage hätte ich: Glaubst du, dass du auch ohne diese Beziehung mit dir selbst zufrieden wärst, oder ist gerade diese Erfahrung der Grund dafür, dass du heute so auf das Leben blickst?
 
Das wirkt auf mich sehr demütig und gleichzeitig offen fürs Leben.
Ich komme aus einer Welt, in der Betroffene (mit Behinderungen) immer schön demütig sein müssen. Demütig gegenüber Behörden, dass sie ihre Pflicht erledigen, gutgemeinte Pädagogen, die einem einreden, was man denn nicht alles kann, Ärzte und Therapeuten, die einem nur als Krankengeschichte wahrnehmen, Medien, die Glorifizieren und Herabwürdigen in einem Atemzug und Behindertenaktivisten, die sich auch lieber einen Arm abbeißen würden, anstatt mit Nicht-Behinderten zu arbeiten.

Nein, Demut ist Kapitulation vor der Eigenermächtigung. Auch davon hab ich mich vor Jahren befreit. Demut hat nichts mit Dankesagen zu tun. Wir alle leben doch in einem System aus Nehmen und Geben und einer Form der gegenseitigen Abhängigkeit (ich habe einen Arbeitgeber und ich bin Arbeitgeberin). Die Quintessenz ist die Freiwilligkeit und nicht die Notdürftigkeit. Es gibt ja auch den Unterschied zwischen MitLEID und MitGEFÜHL. Auch das lernt man schnell.
 
ich hatte das Gefühl, dass hinter der Gelassenheit auch Verletzung steht.
Ja, und? Ich lehne mich mal aus dem Fenster: 99,999999 % der User hier und Rest der Welt haben Verletzungen in irgendeiner Form erlebt. Die Frage ist doch, was ich damit mache: Ich resigniere nicht, ich schau schon hin, aber Vieles kümmert mich einfach nicht mehr.
 
Glück sind nur Momente, die man meistens erst im Nachhinein wahrnimmt und hineininterpretiert nach dem Motto: “Da war ich glücklich.” Ein ganz normaler Mechanismus im Gehirn, der das meiste Negative wegfiltert. Zeit wird in der Rückschau ohnehin relativ. Es ist vollkommen egal, ob man eine oder drei Wochen auf Urlaub war – die Erinnerungen sind im Nachhinein oft die gleichen. Deshalb halte ich nicht viel vom Begriff Glück.

Zufriedenheit ist eine andere Kategorie. Sie impliziert nämlich, mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Das ist heutzutage fast schon purer Anarchismus, denn an zufriedenen Menschen verdienen große Konzerne kein Geld. Deshalb wird man ständig mit Menschen und Dingen konfrontiert, die es angeblich besser haben als man selbst.

Ich bin in einem Alter (52), in dem mir Statussymbole und das, was andere besitzen, weitgehend egal geworden sind. Aber bin ich deshalb mit mir selbst vollkommen zufrieden? Nein, denn dann würde ich aufhören, mich weiterzuentwickeln, und das wäre für mich nicht wünschenswert.

Das Leben ist Veränderung. Wer älter wird, erlebt viele Veränderungen, ob man sie will oder nicht. Wichtig ist, wie man damit umgeht. Denn dass Dinge passieren, hat man oft nicht in der eigenen Hand. Aber die Dinge, die man beeinflussen kann, sollte man so gestalten, wie man es selbst möchte und sich vorstellt.
Verdammt, das nenn ich mal einen reflektierten Text! Echt stark! Wenn du jetzt noch ein oder zwei Beispiele hättest, würde ich mir mein Popcorn schnappen und begeistert weiterlesen!
Ich frage mich nur, ob man Glück nicht auch im Moment bewusst erleben kann, ohne das man es erst später "erkennt"?
 
Ja, und? Ich lehne mich mal aus dem Fenster: 99,999999 % der User hier und Rest der Welt haben Verletzungen in irgendeiner Form erlebt. Die Frage ist doch, was ich damit mache: Ich resigniere nicht, ich schau schon hin, aber Vieles kümmert mich einfach nicht mehr.
Alles okay! Du hast recht - ich hab mich ein wenig in deinen Worten gesehen und etwas falsches reininterpretiert. Sorry!

Zurück zur Schokolade! :hurra:
 
ganz ehrlich: Ich hab Angst vor Menschen, die immer glücklich sind - das fühlt sich nicht normal an!


Das klingt schon fast wie ein allgemeingültiges Gesetz. Ich feier das irgendwie, wenn man nach einer Theorie lebt, die so abseits von "Normalität" ist, aber trotzdem funktioniert. Die einzige Frage, die ich dazu hätte: Muss Fortschritt wirklich immer aus Unzufriedenheit entstehen?
Muss nicht. Ich habe nur gelernt, Unzufriedenheit muss nicht etwas schlechtes sein. Und dann lächelt man, worüber man einmal unzufrieden war. Entweder aus dem Grund, sich weiterentwickelt zu haben oder weil man es nicht beeinflussen kann
 
Wenn man einen glücklichen Moment erlebt, ist er doch oft auch mit Wehmut verbunden, weil man weiß, dass dieser Moment endlich ist. Zumindest ab einem gewissen Alter ist einem das bewusst. Als junger Mensch ist Zeit noch kein wirklicher Maßstab und man lebt in der eigenen Wahrnehmung noch ewig.

Ich habe bisher ein durchaus interessantes Leben gelebt. Vor 16 Jahren habe ich zufällig meine Jugendliebe wiedergetroffen. Viele Jahre zuvor haben wir uns mit 17 nach nur sechs Monaten Beziehung getrennt. Als wir uns wieder getroffen haben, war uns beiden eigentlich beim ersten treffen klar, dass wir uns scheiden lassen und zusammenziehen, obwohl wir damit eine Patchworkfamilie mit sechs Kindern gegründet hatten.

Die Jahre danach waren die schwersten unseres Lebens. Wir hatten unzählige Sorgen, Probleme und Ängste, aber wir haben keinen einzigen Tag bereut. Rückblickend würde ich heute sagen, es waren die glücklichsten Jahre unseres Lebens. Wenn ich allerdings nicht seit über 30 Jahren Tagebuch führen würde und dort nachlesen könnte, wie viele Sorgen uns damals beschäftigt haben, würde man kaum glauben, dass wir in dieser Zeit glücklich waren. Aber wir waren es, aber ich glaube nicht das wir es gewusst haben.
 
Hi,

Ich freue mich immer, wenn Menschen sagen können: "Ich bin angekommen." Das wirkt auf mich nicht wie Stillstand, sondern nach einem Ort, den man sich über viele Jahre erarbeitet hat.

das sollte jeder mit 18 erreicht haben. Es ist eine Selbstzufriedenheit, ein "sich selbst nicht so wichtig nehmen", die Erkenntnis, dass man selbst nicht essentiell für die Welt ist. Ich nenne es "erwachsen geworden sein".


ganz ehrlich: Ich hab Angst vor Menschen, die immer glücklich sind - das fühlt sich nicht normal an

Es reicht doch schon, nicht unglücklich zu sein, oder? Wenn man sich an den kleinen Dingen im Leben freuen kann, das Schöne sieht und das weniger Schöne gelassen nimmt. Wie viel mehr Glück kann man haben?

LG Tom
 
Hi,



das sollte jeder mit 18 erreicht haben. Es ist eine Selbstzufriedenheit, ein "sich selbst nicht so wichtig nehmen", die Erkenntnis, dass man selbst nicht essentiell für die Welt ist. Ich nenne es "erwachsen geworden sein".




Es reicht doch schon, nicht unglücklich zu sein, oder? Wenn man sich an den kleinen Dingen im Leben freuen kann, das Schöne sieht und das weniger Schöne gelassen nimmt. Wie viel mehr Glück kann man haben?

LG Tom
Vielen Dank für deinen konstruktiven Beitrag! Schön, dass es dich gibt! Danke!
 
das sollte jeder mit 18 erreicht haben. Es ist eine Selbstzufriedenheit, ein "sich selbst nicht so wichtig nehmen", die Erkenntnis, dass man selbst nicht essentiell für die Welt ist. Ich nenne es "erwachsen geworden sein".
Das wäre wünschenswert, aber auch da lehne ich mich aus dem Fenster, die meisten Erwachsenen erreichen diesen Zustand nie! Erwachsenwerden hat selten was mit Alter zu tun, sondern mit der Reife, die man nur erreicht, wenn man entsprechend Erfahrung und Vorbilder hat, die einem ins Erwachsenwerden begleiten.

Ich arbeite mit Jugendliche und die Mehrheit werden wohl sicher noch etliche Jahre brauchen, um anzukommen. Leider hat sich in den letzten Jahren Vieles verschoben.
 
das sollte jeder mit 18 erreicht haben.
Wie soll das denn funktionieren? Mit 18 sind viele noch in der Schule oder in der Ausbildung. Ich denke, "ankommen" ist hier eher in dem Sinne gemeint, dass man auf einem gewissen Level der Sicherheit und der Zufriedenheit ist. Nach dem Motto: so darf es gerne bleiben, bzw. es muss nicht mehr mit so viel Volldampf weiter gehen.
 
Solltest Du von Dir auf alle schließen, bist Du mit großer Wahrscheinlichkeit der einzige Mensch in Mitteleuropa, der diesen Zustand mit 18 erreicht hat.
Aber wenn ich das einem zutraue, dann dir. :undweg:

Um die famose Einzigartigkeit von @Mitglied #469517 noch zu unterstreichen gestatte ich mir, auch alle anderen Kontinente mit einzubeziehen.
 
Glück sind nur Momente, die man meistens erst im Nachhinein wahrnimmt und hineininterpretiert nach dem Motto: “Da war ich glücklich.” Ein ganz normaler Mechanismus im Gehirn, der das meiste Negative wegfiltert. Zeit wird in der Rückschau ohnehin relativ. Es ist vollkommen egal, ob man eine oder drei Wochen auf Urlaub war – die Erinnerungen sind im Nachhinein oft die gleichen. Deshalb halte ich nicht viel vom Begriff Glück.

Zufriedenheit ist eine andere Kategorie. Sie impliziert nämlich, mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Das ist heutzutage fast schon purer Anarchismus, denn an zufriedenen Menschen verdienen große Konzerne kein Geld. Deshalb wird man ständig mit Menschen und Dingen konfrontiert, die es angeblich besser haben als man selbst.

Ich bin in einem Alter (52), in dem mir Statussymbole und das, was andere besitzen, weitgehend egal geworden sind. Aber bin ich deshalb mit mir selbst vollkommen zufrieden? Nein, denn dann würde ich aufhören, mich weiterzuentwickeln, und das wäre für mich nicht wünschenswert.

Das Leben ist Veränderung. Wer älter wird, erlebt viele Veränderungen, ob man sie will oder nicht. Wichtig ist, wie man damit umgeht. Denn dass Dinge passieren, hat man oft nicht in der eigenen Hand. Aber die Dinge, die man beeinflussen kann, sollte man so gestalten, wie man es selbst möchte und sich vorstellt.
Sehr treffend beschrieben....Chapeau!
 
Es reicht doch schon, nicht unglücklich zu sein, oder? Wenn man sich an den kleinen Dingen im Leben freuen kann, das Schöne sieht und das weniger Schöne gelassen nimmt. Wie viel mehr Glück kann man haben?
Schon Mal Heroin probiert?
Wenn nicht... Geht da wohl theoretisch noch was. Also rein von der Hirnchemie her. :unsure:
Es ist eine Selbstzufriedenheit, ein "sich selbst nicht so wichtig nehmen", die Erkenntnis, dass man selbst nicht essentiell für die Welt ist.
Das hört sich jetzt weder glücklich noch produktiv an. Sondern einfach nihilistisch. Und ich weiß nicht ob das so die positivste Einstellung aller Einstellungen ist.

Ich geb mich gern der Illusion hin dass das was ich tue zumindest für irgendwem bedeutsam und positiv ist. Gibt ein gewisses Gefühl von Sinnhaftigkeit.
 
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