Es gibt bestimmt eine ganze Menge Beziehungen, wo sich das alles so abspielt, wie Du es schreibst. Es gibt bestimmt aber auch eine ganze Menge (und ich behaupte einmal: nicht weniger), wo entweder nur
einer der beiden das so sieht, oder wo er sich die Situation schönredet. Und das ist in meinen Augen die Gefahr bei solchen Betrachtungen: jemand liest das, fühlt sich seelenverstanden und seelenversteht dabei seine Partnerin sicherheitshalber gleich mit.
Zum Beispiel werden für viele Frauen die Kinder zum Mittelpunkt ihres Denkens. Der Partner akzeptiert das, sieht in seiner Frau in Hinkunft mehr die Mutter, wird sich aber nicht zum Zölibat verurteilen lassen
Das gibt es, zweifellos. In meinem näheren Bekanntenkreis ist eine Frau meines Jahrgangs, die nach beiden ihrer Kinder 3 Jahre lang absolut keinen Sex haben wollte. Gar keinen. Nach allem, was ich von den beiden weiss und wie ich ihren Umgang miteinander kenne, ist es für mich absolut nicht vorstellbar, dass er sich wo anders amüsiert hat (egal ob pay oder nicht). Einfach ist das für den Mann sicherlich nicht. Klar war in dem Fall aber jedenfalls, dass sie das unter keinen Umständen akzeptiert hätte, es wäre für sie ein sofortiger Trennungsgrund gewesen.
In anderen Familien mag das anders aussehen: manche Frauen sind, auch da kenne ich ein Beispiel, wenn auch nicht ganz so nahe, tatsächlich nicht einmal unglücklich über solche Alternativangebote. Vielleicht gibt es aber auch welche, die sich - eventuell kinderbdingt nach einer gewissen Auszeit - sehr wohl ein aufregenderes Sexleben wünschen würden, dann aber nichts mehr vorfinden, was wiederbelebt werden könnte? Die dann annehmen, dass
ihr Partner die Lust verloren hat und sich notgedrungen damit arrangieren, während er sich der heldenhaften Illusion hingibt, ihr geradezu einen Gefallen zu tun?
Probleme entstehen in dem Bereich nicht durch Handlungen, sondern häufig dadurch, dass einer für den anderen mitdenken möchte. Für mich besteht der Sinn einer Lebenspartnerschaft gerade darin, dass das
nicht erforderlich ist, dass ich meine Wahrheiten und Probleme meinem Partner zumuten, ihn damit konfrontieren und
gemeinsam eine Lösung suchen kann. Wenn ich das bei meiner eigenen Frau nicht schaffe, weshalb ist sie es denn dann überhaupt?
Andere Männer kennen ihre Frau vielleicht schon seit der Schule - sie ist ihnen zur Schwester geworden. Wieder andere sind ständig beruflich außer Haus und haben sich mit der Partnerin auf eine offene Beziehung arrangiert: [...]
Wenn das ein Arrangement ist, von dem beide wissen: klar, sofort. Ich bin der letzte, der sich gegen offene Beziehungen stellt, habe das auch schon selbst gelebt. Aber wenn ich mir überlege, dass ich - zufällig - meine Freundin mit einem anderen erwische, und sie meint "aber Schatz, Du hattest in letzter Zeit immer so viel um die Ohren, da war es doch auch für Dich viel angenehmer so, nicht wahr?", dann wird sie feststellen, dass ihre Annahme vom Grunde her falsch gewesen ist.
Andere Männer haben so starke Triebe, dass ihre Frau überfordert wäre. [Bei wieder anderen] war ihre Frau vielleicht froh, dass der Mann nur mehr heimlich Paysex konsumiert
Anderer Text, selbes Stück.
Eine Steigerung gab es in der chinesischen Kultur, da hat die Frau die SW für ihren Mann ausgesucht und bezahlt
Das ist dann ja auch geradzu zwingend ehrlich. Und, Hand aufs Herz: ich wäre sehr froh um eine Partnerin, die mich liebt, zu mir steht und sexuell so ausgehungert ist, dass ich ihrer alleine nicht Herr werden kann. Na, dann werden wir gemeinsam eine Lösung dafür finden, und die kann eventuell ganz ähnlich aussehen.
Es ist also nicht traurig, wenn sich ein Paar arrangiert hat und dabei SW eine Rolle spielt.
Definitiv nicht, nein. Sehr häufig (jedenfalls gewinnt man hier und anderenorts durch Mitlesen diesen Eindruck) arrangiert sich aber halt nur einer der beiden. Dann sind solche Geschichten mit sehr, sehr viel Vorsicht zu genießen.