Unglaublich spannender Thread und interessante postings. Wie bei einem Puzzlespiel fügen sich Inhalte zu einem Bild ...
.....Ich hab in der Vergangenheit in sexueller Hinsicht immer mehr zu mir selbst gefunden und habe Bedenken
dahingehend, dass ich auf gewisse Dinge zukünftig nicht mehr verzichten kann und habe gleichzeitig aber auch Angst davor, gewisse Seiten von mir wieder jemanden zu zeigen.
Angst vor Verlust (der eigenen Selbstbestimmung)? Angst, verletzt zu werden oder etwas zu verlieren. Enttäuschungen oder enttäuschte Erwartungen zu erleben?
Hmmm... Jeder Mensch ist psychisch das Ergebnis der Einflüsse seines Umfeldes. Man ist, was man ist. ....
....Ergänzen wir die Umfeldeinflüsse noch um die gemachten Erfahrungen und das ureigene Ich .....
JEIN. ..Man kann an sich arbeiten.
Ich habe nicht die Angst so nicht angenommen zu werden, sondern mich so zu zeigen und mich in dieser Offenheit wieder sehr verletzbar zu machen.
Aber das ist ein aktuelles Gefühl, welches sich bestimmt wieder legen wird.
Fast alle Gefühle legen sich wieder - außer wir nähren sie mit unseren Gedanken.

Den ersten Satz,
@Mitglied #427072 , solltest du selbst nochmals genau lesen. Besteht da nicht ein Widerspruch in sich?
.... Angst kommt von Ungewissem und der ohnmacht Lösungen zu finden. Daran kann man aber mit dem Verstand arbeiten....
Diese Ohnmacht ist allerdings auch in den meisten Fällen erlernt. Ja, man kann mit Verstandeskraft Ängste verlernen, besiegen, überwinden, kontrollieren - aber trotzdem muss der Weg vom Verstand ins Unbewusste genommen werden, damit der Angstauslöser das Angstgefühl nicht mehr aktivieren kann.
.... Muss nur wieder lernen den Mut dafür zu haben.
Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben?!
Angst ist ein wichtiger Faktor in meinem Leben. Die Angst schützt mich vor unüberlegten Handlungen und veranlasst und zwingt mich, mich mit der angstauslösenden Sache intensiv auseinanderzusetzen und nach Abwägung der Für und Wider eine Entscheidung zu treffen.
Erfahrungen und Lernen, auch mit Angstbesetzung, ermöglichen es uns zu überleben. Die Helden ohne Ängste, haben meist kein langes Leben.
wer sich einmal in seiner Hingabe oder danach fallen oder alleingelassen gefühlt hat oder auch alleingelassen wurde , ist ein gebranntes Kind .... und danach ebendort wieder einzusteigen kann nur insofern einen Sinn für Herz und Verstand ergeben , als man daraus gelernt hat und deshalb einige Möglichkeiten zum Gestalten in der Hand hält .
Die Angst wird vielleicht in so einem Fall Begleiter sein , aber sie ist auch sinnvoll , um sensibel zu sein für die inneren Alarmglocken , wenn die Schutzfunktionen ausfallen .
Und diese Angst macht kritischer und wachsamer als ohne die vorherige Erfahrung
Was für eine schöne Zusammenfassung!
klingt wie ein Leben mit angezogener Handbremse...
Siehe Vorsicht und Umsicht! Es ist schon sinnvoll, in bestimmten Lebenssituationen die Bremse zu ziehen. Allerdings - pathologisch werden Ängste dort, wo sie die ganze Fahrt bremsen. Bis eben die Bremse durchglüht - und dann: Psychiater, Psychotherapeut....
es gibt eben zum thema risiko, spontanität, impulsivität etc. unterschiedliche typen und verhaltensweisen. aber auch das ist m.e. eher "antrainiert" und veränderbar. aus der eigenen erfahrung gesprochen.
.... Aber vielleicht geht die Aussage sinngemäß eher in Richtung:
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste...?
Letztendlich hat ja jede Aktion auch eine Reaktion- sprich eine Konsequenz. Dieser Konsequenzen des Handelns muss man sich , will man Verletzungen vermeiden, bewusst sein.
Ist man es/etwas gewohnt, geht es intuitiv bzw unterbewusst das Risiko ab zu schätzen....
Nachsatz: bzw so wie du sagtest, wieder die selben Konsequenzen wie beim letztmaligen Erleben dieser Situation fürchtet... Nur meist kann man daraus lernen und es steuern/beinflussen.
ich habe eben gemerkt das wenn man es einfach nur jedem anderen rechtmachen will und man dabei selbst auf der Strecke bleibt, einfach doch irgendwanneinmal zerbricht - ....
Selbstvertrauen und Selbstwertgefühle haben sehr viel mit Ängsten zu tun. Insbesondere, weil das Thema des threads ist, in Angelegenheiten Erotik und Sexualität.
Die Konfrontation mit dem Angstauslöser, bewusstes Desensibilisieren ...
die balance zwischen dem ich und du ist m.e. enorm wichtig. dann kann man dieses gleichgewicht auch lange halten. dominiert eines der beiden, dann geraten die zahnräder recht schnell aus dem lager.
Das Ich entsteht am Du (den vielen Dus). Wenn sich das Ich aber, aus welchen Gründen immer, über die Lernphase hinaus über das DU erfährt und erlebt, dann krachen irgendwann die Lager. Das stimmt.
Back to Topic: Wenn ich "Begierde/Lust Angst" lese, fallen mir viele dinge im BDSM Bereich ein, wo Angst ja auch oft gewollt ist.
...
Viel suchen "den Kick" beim Bungee, Klettern, schnell fahren, etc... Sie begehren diesen Angst-Zustand herbei und es bereitet ihn große Lust sich darin zu befinden....
Angstlust.
Ja... ist gar nicht einfach das Thema, da jeder "Risiko", "Angst", "Panik" ähnlich, aber doch ganz anders interpretiert....
Stimmt - da scheiden sich auch die fachlich versierten Geister.
... quasi die angst vor der angst ...
Ja.
Ganz ohne Angst - diese lange Liste von Inhalten, erscheinen mir relevant - aber sicher nicht einfach zu lesen.
Puzzle-Spiel am Weg zum Verständnis von Angst und Furcht.
Nach meinem Verständnis trennen sich Angst und Furcht klar - Furcht kann man mit akutem und bestimmbaren "Hier und Jetzt" von Angst, die sich immer auf ein "Dort, dann und eine Möglichkeit" bezieht, abgrenzen.
Übrigens ist Schüchternheit auch eine Ausdrucksform von Angst.

Angst ist das Ergebnis von Lernprozessen und Erfahrungen des Ich. Und dieses wiederum das Ergebnis von Erziehung, Lernen, ERfahrungen, Umwelt.... Das Ich ist jedoch nur EIN Teil des ganzen Menschen.
Furcht ist eine biologisch fixierte Fähigkeit. Angst eine psychisch/psychosoziale erlernte Fähigkeit. Sinnvoll, mit dem Hang pathologisch zu werden. Viele unserer Ängste haben wir von Eltern und anderen Bezugspersonen einfach geerbt. Wir nehmen sie als Teil unseres Ego-Seins wahr - dabei sind sie das ganz und gar nicht.
Ich empfinde das als sehr tröstlich - denn es sagt mir auch, dass es einen Weg in die eigene individuelle Befreiung geben kann.
Ach ja - die eigenen Erfahrungen? Viele. Viele, interessanterweise bei mir im Verhältnis zum anderen Geschlecht und Sexualität, davon durch Ängste und angstbesetzte Verhalten zu Hemmnissen und schmerzvollen Erfahrungen geworden.
Ja - und vergessen möchte ich keinesfalls, zu erwähnen, dass (gerade zur Zeit wieder!) Ängste erzeugt und geschürt werden. Macht und Kapital braucht unfreie, durch Ängste gefesselte Menschen.
Kein Zufall, dass autoritäre und totale Systeme, die Sexualität in der Gesellschaft unter Kontrolle bringen wollen....
Falls es jemanden nicht zu lange war, bis hierher zu gelangen:


