1934–2025
Brigitte Bardot ist tot
Sie wurde vergöttert und begehrt, zählte zu den schönsten Frauen der Welt und nahm sich selten ein Blatt vor den Mund. Die frühere französische Schauspielerin, Sängerin und Aktivistin Brigitte Bardot starb nun mit 91 Jahren, wie ihre Stiftung am Sonntag mitteilte. Bardot wurde in den 1950er und 1960er Jahren mit einer Reihe von Filmen weltberühmt. Zu den bekanntesten zählen „Und immer lockt das Weib“, „Die Wahrheit“ und „Viva Maria!“.
„Die Stiftung Brigitte Bardot gibt mit unsäglicher Trauer den Tod ihrer Gründerin und Präsidentin, Madame Brigitte Bardot, bekannt“, hieß es in einer Mitteilung der Stiftung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Bardot sei am Sonntag auf ihrem Anwesen La Madrague im südfranzösischen Saint-Tropez gestorben.
Wie Bardot erst vor einem Jahr anlässlich ihres 90. Geburtstag gegenüber „Le Monde“ sagte, habe sie sich seit ihren Zwanzigern innerlich nicht verändert – auch wenn ihre lange Mähne grau geworden sei, sie sich nicht mehr bücken könne und an Krücken gehen müsse. Doch sie habe noch immer dieselbe Geisteshaltung wie früher.
Weder habe sie ihre Meinungen über die Welt geändert, noch ihre besondere Sichtweise auf die Dinge. „Wenn man sich beschwert, ärgert es alle, und den Schmerz lindert es auch nicht. Deshalb beschwere ich mich nie und lebe normal wie damals, als ich jünger war, nur eben mit Behinderungen", so die frühere Schauspielerin gegenüber „Le Monde“.
Legendäre Rolle als Femme fatale
95 Minuten hatten gereicht, um 1956 aus ihr einen Weltstar zu machen. In dem Film „Und immer lockt das Weib“ unter der Regie von Roger Vadim, mit dem sie später verheiratet war, spielte sie Juliette, eine junge Frau, die nach Freiheit dürstet und von drei Männern begehrt wird. Zum Zeitpunkt des Castings war Bardot erst Anfang 20, noch brünett, hatte aber bereits in zehn Filmen mitgewirkt.
Für Vadim färbte sie sich die Haare blond, tanzte den Mambo und rekelte sich im Sand von Saint-Tropez. Ihre Rolle als verführerische Frau machte sie über Nacht zur weltweiten Sensation – und zum Sexsymbol. Zum ersten Mal im Kino brachte eine Frau ihre körperlichen Wünsche zum Ausdruck. Ihre Auftritte lösten Hysterie und Massenaufläufe aus.
Der Film war ein Schlag ins Gesicht für ganz Frankreich, einige Szenen wurden sogar zensiert. Dennoch wurde „BB“, wie sie bis zuletzt in Frankreich genannt wurde, von Männern begehrt und von Frauen bewundert. Sie selbst habe „Und immer lockt das Weib“ einfach nur lustig gefunden, sagte Bardot Jahre später der Zeitung „La Croix“. Den Mambo habe sie völlig improvisiert.
Versuche als Sängerin
Mit Filmen wie „Die Wahrheit“, „Die Verachtung“ und „Viva Maria!“ schrieb sie weitere Filmgeschichte. Bardot, die aus einem konservativen Elternhaus stammte, erschuf mit ihrer selbstbestimmten Weiblichkeit und Erotik ein neues Frauenbild: Weibliche Schönheit durfte sexy und selbstbewusst sein.
Auch als Sängerin probierte sich Bardot aus, insbesondere mit romantischen, teils frechen Chansons, die auf ihr provokantes Wesen zugeschnitten waren. Bekannt ist vor allem „Harley Davidson“ (1967) aus der Feder von Serge Gainsbourg. Sie hätte als erste auch Gainsbourgs „Je t’aime … moi non plus“ singen sollen, zog jedoch aus privaten Gründen ihre Zustimmung zur Veröffentlichung der bereits fertig produzierten Aufnahme zurück, sodass der Titel 1969 zunächst in einer Neuaufnahme mit Jane Birkin herauskam. Die Fassung mit Bardot wurde erst 1986 veröffentlicht.
Skandalöse Memoiren
Beziehungen und Affären werden Bardot mit vielen Männern nachgesagt. Verheiratet war sie viermal. Bestätigt ist außerdem ihre Beziehung mit ihrem Filmpartner Jean-Louis Trintignant, ebenso mit Songschreiber Gainsbourg. 1960 brachte Bardot im Alter von 25 Jahren ihren einzigen Sohn Nicolas zur Welt. Für die Schauspielerin ein Alptraum, wie sie in ihren 1996 veröffentlichten Memoiren „Initiales B. B.“ beschrieb.
Als man ihr das Baby auf den Bauch gelegt und gesagt habe, dass es ein Bub sei, habe sie es weggestoßen. Sie habe ihn als „krebsartigen Tumor“ gesehen und hätte lieber einen kleinen Hund zur Welt gebracht, schrieb Bardot. Sie habe eigentlich abtreiben wollen – wie schon bei ihren beiden vorherigen Schwangerschaften. Doch diesmal habe kein Arzt eingewilligt, und der Vater des Kindes, der Schauspieler Jacques Charrier, habe keinen Schwangerschaftsabbruch gewollt, der damals in Frankreich noch strafrechtlich verfolgt wurde.
ertraut. Später hatte die Schauspielerin erklärt, sie habe ihren Sohn nicht großziehen können, da sie selbst Halt gesucht habe. Sie habe eine Schulter gebraucht, eine Wurzel, wie sie in dem Dokumentarfilm „Brigitte Bardot, confidentiel“ (dt.: „Brigitte Bardot, vertraulich“) zitiert wird. In jungen Jahren unternahm Bardot mehrere Suizidversuche.
Engagement für Tierschutz und Le Pen
1973, auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, zog sich Bardot nach über 40 Filmen und zahlreichen Liedern radikal aus der Öffentlichkeit zurück und flüchtete in ihre Villa La Madrague in Saint-Tropez. Sie war noch keine 40. Ihre Entscheidung begründete sie damit, dass das Leben, das sie führte, sinnlos und oberflächlich gewesen sei. „Es war ein Martyrium“, schrieb sie in ihrer Autobiografie „Tränen des Kampfes“ (2018).
Mit derselben Kompromisslosigkeit, die ihre Karriere geprägt hatte, widmete sie sich dem Kampf gegen Robbenjagd, Tierversuche und grausame Schlachtmethoden. 1986 gründete sie die Tierschutzorganisation Fondation Brigitte Bardot, die bis heute aktiv ist. Dafür verkaufte sie sogar einen Großteil ihres Besitzes. Als Feministin aber bezeichnete sich Bardot nie. Sie habe mit Bewegung nichts am Hut, sagte sie gegenüber „La Croix“.
Neben ihrem Engagement für den Tierschutz sorgte die frühere Schauspielerin immer wieder mit politischen Aussagen für Aufsehen. Ihre Sympathien für die extreme Rechte und ihre teils rassistischen Äußerungen brachten ihr mehrfach Verurteilungen ein. Sie rief zur Wahl der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen auf und äußerte sich kritisch gegenüber Migrantinnen und Migranten sowie zum islamischen Schächten.
Kein Blatt vor dem Mund
Bis zu ihrem Tode war sie mit Bernard d’Ormale, einem ehemaligen Berater des rechtsextremen Front National (FN) verheiratet. Ihre teils radikalen Ansichten stießen stets auf breite Kritik, doch Bardot betonte immer wieder, dass sie sage, was sie denke – unabhängig davon, ob es anderen gefalle oder nicht.
Der französische Präsident Emmanuel Macron würdigte Bardot am Sonntag als „eine Legende des Jahrhunderts“. Sie habe ein Leben in Freiheit verkörpert, schrieb er auf der Plattform X. „Französische Existenz, universeller Glanz. Sie hat uns berührt“.