Die ersten 8-9 Jahre war das Verhältnis zu meiner Schwiegermutter eher ein distanziertes und kühles. Sie mochte mich nicht besonders weil sie dachte dass ich ein arroganter Sprücheklopfer ohne ernster Absichten zu ihrer Tochter bin. Dann wurde sie fast von heute auf morgen ein Pflegefall weil aufgrund einer Ostheoporose ihre beiden Hüftgelenke ihren Dienst versagten. Einer raschen operativen Versorgung stand eine weitere ihr bis dato unbekannten Erkrankung im Wege welche bei einer Voruntersuchung für die OP entdeckt wurde. Diese Erkrankung galt es zuerst in den Griff zu bekommen bevor die chirurgischen Eingriffe in den Hüften erfolgen konnten. Wie erwähnt, fast von heute auf morgen ein Pflegefall, nahezu unbeweglich, angewiesen auf einen Rollator für den Toilettengang und das mit Anfang 60.
Sie verlor rasch ihre Lebensfreude und Lebensenergie.
Obwohl sie mich nicht mochte, übernahm ich ohne großer Worte die Versorgung für sie zB. den täglichen Einkauf, zahlreiche Arztbesuche, klitzekleine Spaziergänge uvm. Zudem hatte ich die Gabe sie aufzumuntern, ihr Lebensmut zuzusprechen, ihr ihren Platz im Leben zu zeigen.
Die OPs kamen nach 3 Jahren weil Corona dazwischenfunkte. Während ihrer Abwesenheit weil sie im KH und 6 Wochen auf Reha war, sanierte ich ihr komplettes Haus innen, machte es wieder wohnlich und heimelig.
Seit dieser Zeit war das Eis gebrochen, plötzlich war ich ihr Lieblingsschwiegersohn wo sie erkannte dass ich gar nicht so bin für das was sie mich früher hielt.
Grad gestern am hl. Abend als wir gemütlich zusammensaßen sagte sie mir dass sie mich total gerne mag und sie mich seinerzeit völlig falsch eingeschätzt hatte, ich der Mann bin auf den sie sich verlassen kann, sie das Gefühl hat dass ich der richtige Mann für ihre Tochter bin, seit mittlerweile 16 Jahren.