Manipulation, böse, verachtenswert, 'wers nötig hat' - das scheinen die meisten Reaktionen von (vor allem) weiblicher Seite zu sein. Seltsamerweise hatten die meisten Weibchen, mit denen ich mich mal über die Geschichte von Casanova (bzw. auch Don Juan) unterhalten habe, von selbigem ein sehr positiv-verklärtes Bild ... nicht selten fiel dann ein Seitenhieb à la "ja, von so dem könntest du ruhig auch ein wenig mehr haben" auf den Lebensgefährten. Dabei war Casanova doch gewissermaßen der berühmteste Verführer/PickUpper aller Zeiten ...
PickUp - so, wie ich es kennengelernt habe - ist nicht, eine Reihe plumper Anmachsprüche auswendig zu lernen, und sie so lange bei verschiedenen Opfern auszuprobieren, bis mal einer funktioniert. Ein PickUpper ist - auch wenn er sich vielleicht selber so bezeichnet - keiner, der die Frauen mit NLP oder Trance-Techniken manipuliert, damit sie ihm ins Bett folgen. Dummerweise hat die Szene (ich nehm an, vor allem durch die Serie "The Pickup Artist" auf MTV) in letzter sehr großen Zuwachs bekommen von der Sorte, die niemand braucht

- vor sich hinpubertierende Jugendliche, die eben hoffen, mit ein paar Sprücherln schnell zum Stich zu kommen. Wie in jeder Szene/Subkultur gibts halt auch die schwarzen Schafe, und das sind dann eben genau die, die von Szenefremden hergenommen werden für "ihr seid doch alle so ..."-Thesen.
PickUp gibt natürlich auch Tipps zu so banalen Themen wie Gesprächseinstieg, Rhetorik, Gestik, Kleidung (ist das allein eigentlich bereits Manipulation? Werbung, die uns Sachen optimal präsentiert, wird ja nicht mehr so als störend und manipulativ empfunden

). Ja liebe Damen, es gibt Männer, die damit Probleme haben - die meisten von uns sind schon damit überfordert, einen zu den Schuhen passenden Gürtel auszuwählen - uns bringts ja keiner bei

. Der wichtigste Teil ist aber die Änderung der Einstellung zu einem selbst, falls da was im Argen liegt - eben eine positive Grundeinstellung zu sich selbst zu finden, das Selbstvertrauen zu stärken und Spaß am Leben zu haben. Man lernt aber keinen Zauberblick, bei dem die Mädels sofort komplett willenlos und einem hörig werden (glaube ich jedenfalls. oder ich bin einfach noch nicht gut genug dafür

).
Das PU-Credo (auch wenn das die oben erwähnten schwarzen Schafe sicher anders sehen) ist immer noch "Lass die Frau besser zurück, als du sie vorgefunden hast". Wenn ich mit PUA-Freunden ausgehe, dann wird da keine Stricherlliste geführt, wer wie viele Telefonnummern abstaubt. Es interessiert kein Schwein, wer wie lange zum ersten Kuss braucht. Wichtig ist's, den Abend über Spaß zu haben - das gilt für uns genauso wie für die Leute, die wir kennenlernen. Wir können uns im Gespräch vielleicht ein bisschen besser verkaufen, wir haben genug Selbstbewusstsein, uns aus einer Traube hübscher Mädels die Fescheste mit einem simplen "Hey, du hast eine tolle Ausstrahlung - ich will dich kennenlernen" herauszupicken, und wir gehen selten allein nach Hause - daran kann ich persönlich aber eigentlich überhaupt nichts Verdammenswürdiges entdecken

.
Das weiter oben im Thread erwähnte Buch von Neill Strauss kann ich übrigens nur wärmstens empfehlen. Es ist natürlich kein "so werde ich zum perfekten Aufreißer"-Schinken, beleuchtet aber die PickUp-Szene in den USA, stellt die bekanntesten "Gurus" vor und führt einem vor Augen, dass man es mit Manipulation und Machtspielchen auf keinen Fall übertreiben sollte.
Edit: Huh. Das ist ja ein langer Text geworden *staun*
