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Wenn Sex Arbeit heißt
Sex gegen Geld was für viele ein Skandal ist, ist für andere tägliche Realität. Prostitution ist für viele ein Job, wie jeder andere auch. Der Umstieg in einen bürgerlichen Beruf, wird von der Vergangenheit im Milieu jedoch erschwert. Welche Probleme es gibt und wie die Einrichtung SOPHIE hilft.
Von Doris Oberleiter
Mi, 10/10/2012 - 08:20
Verrucht, verkäuflich oder gar sittenwidrig Prostituierte haben hierzulande immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Dabei gibt es viele Frauen, die den Job freiwillig machen, weil sie kurzfristig nichts anderes finden und Geld brauchen oder schlicht und einfach, weil es ihnen Spaß macht. Die Frauen sehen ihren Beruf als Dienstleistung, so wie Jasmin, Prostituierte aus Österreich, auf der Konferenz der Europäischen Sexarbeiterinnen erklärt: Wir verkaufen ja nicht unseren Körper, denn den haben wir ja nachher immer noch. Wir verkaufen im Endeffekt unsere Zeit eine Dienstleistung. Das Bild vom Straßenstrich, Zuhältern und Zwang ist weit verbreitet, ein Teil davon ist leider auch Realität, aber es gibt auch diejenigen Sexarbeiterinnen, die sich freiwillig für die Prostitution entscheiden, erklärt Johanna Reithner, Mitarbeiterin der Einrichtung SOPHIE, die Prostituierten Sozialberatung, Rechtsberatung, Begleitung, und Beratung bei Umstiegswunsch und Karriereplanung bietet.
Raus aus dem Milieu
Mann zahlt Prostituierte für SexAuch wenn der Beruf freiwillig gewählt ist, bleibt es ein hart umkämpftes, anstrengendes, stressiges und leider oft auch gefährliches Gewerbe. Allein die rechtlichen Rahmenbedingungen (siehe unten) zu durchschauen, ist für viele eine große Herausforderung. Gerade Migrantinnen in Österreich wird ihr Anteil bei den Sexarbeiterinnen auf 80-90 Prozent geschätzt tun sich schwer.
Die rechtliche Lage ist aber nicht der einzige Grund, warum Frauen umsteigen wollen. Gesundheitliche Probleme, ein altersbedingter Ausstieg, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, finanzielle Engpässe, der Wunsch nach geregeltem Einkommen oder persönliche Veränderungen, wie die Geburt eines Kindes das alles können mögliche Gründe für den Wunsch nach dem Umstieg sein. Das ist von Fall zu Fall ganz verschieden, berichtet Reithner. Auch Gewalt kann ein Grund sein. So zum Beispiel im Fall von Elly Laban (Name geändert). Laut SOPHIE war die Asiatin, die schon seit 20 Jahren in Österreich lebt, schon länger an einer Veränderung interessiert. Ein brutaler Überfall hat sie in dieser Entscheidung bestätigt und angetrieben, ihr Ziel des Umstieges konsequent zu verfolgen. Mit Erfolg: Sie absolviert nun eine Ausbildung für die Arbeit im Pflegebereich.
So wie Frau Laban suchen immer mehr Sexarbeiterinnen die Einrichtung der Wiener Volkshilfe auf. Rund 370 Frauen haben sich hier im letzten Jahr beraten lassen, gut die Hälfte davon hat sich gezielt für Karriereplanung, Weiterbildung und Umstieg interessiert. Dabei ist Geduld gefragt, so ein Umstieg geht nämlich selten von heute auf morgen. Reithner: Viele Frauen arbeiten neben ihrer Ausbildung weiterhin als Prostituierte und haben Kinder, die sie betreuen müssen in solchen Fällen ist es alles andere als leicht.
Die Lücke im Lebenslauf
Wenn Sex Arbeit ist oder war, dann ist der Umstieg in einen bürgerlichen Beruf ein mit vielen Hindernissen gepflasterter Weg. Die wichtigsten Hürden sind folgende:
Finanzielle Situation: Früher war das gute Einkommen für viele Prostituierte der Grund weiterzumachen. Diese Zeiten sind laut Reithner vorbei: In der Sexarbeit wird immer weniger verdient. Was aus finanzieller Sicht aber sehr wohl eine schwierige Veränderung ist, ist die Art, wie man das Geld zur Verfügung hat: Als Sexarbeiterin kriegt man täglich Geld, in einem bürgerlichen Beruf, nur noch einmal im Monat. Damit müssen die Frauen erst umgehen lernen." Ein weiteres Problem: Zwischen den eigenen Unterhaltskosten, der Versorgung von Kindern oder Angehörigen im Herkunftsland und Strafen, die immer wieder anfallen, bleibt während der Sexarbeit nichts zum Sparen übrig. Ganz im Gegenteil: Viele Frauen sind verschuldet. Die Finanzierung einer Ausbildung und der Übergangszeit wird somit zur Herausforderung.
Persönliche Umstände: Manche Prostituierte haben ihre gesamten sozialen Kontakte im selben Milieu, was einen Umstieg zusätzlich erschwert. Manche Frauen sind so tief drinnen ein Umstieg bedeutet, dass das gesamte Umfeld verlorengeht, das hält viele Frauen ab, den Schritt zu wagen, so Johanna Reithner.
Migrantinnen & Arbeitsrecht: Bei dem hohen Migrantinnen-Anteil stellt sich auch immer die Frage, ob die Frauen aus rechtlicher Sicht überhaupt in einem unselbstständigen Angestelltenverhältnis arbeiten dürfen. Rumäninnen und Bulgarinnen haben zum Beispiel noch keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Reithner: Für Migrantinnen ist neben sprachlichen Barrieren auch schwer, das österreichische Arbeitsrecht zu verstehen. Auch hier setzt die Arbeit von SOPHIE an und versucht zu helfen.
Mangelnde Qualifikationen & Lebenslauflücken: Im Lebenslauf hinzuschreiben: 5-jährige Tätigkeit als Prostituierte, ist wohl für jeden undenkbar. Das passt in unserer Gesellschaft einfach nicht, damit wäre eine Stigmatisierung programmiert und es würde auch die Gefahr von Übergriffen bestehen, so Reithner. Also wird im Lebenslauf versucht, Lücken zu umschreiben: Haushaltsführung oder Pflege von Angehörigen sind eine beliebte Wahl. In vielen Fällen ist es nicht so, dass da gar keine Arbeitserfahrung wäre, meint Reithner, oft sind es unterbrochene Karrieren, wo immer wieder was schief gegangen ist, und die Frauen wieder in der Prostitution gelandet sind. Einige Frauen und Mädchen bringen eine Matura oder Berufserfahrung aus ihrem Herkunftsland und dann darf auch nicht vergessen werden, dass auch die Tätigkeit als Sexarbeiterin Kompetenzen fördert, die in vielen Berufen gefragt sind: Selbstdisziplin, Belastbarkeit, Verhandlungsgeschick, soziale Kompetenzen das sind nur Beispiele aus einer Reihe von Qualitäten, die eine Sexarbeiterin mitbringt."
Stigmatisierung in der Gesellschaft: Eine große Last für viele Prostituierte, ist das Doppelleben, das sie führen. Angehörige, Kinder und Freunde wissen oft nicht, wie Tochter, Mutter oder Freundin ihr Geld verdient. Beim Umstieg in einen anderen Beruf plagt viele Frauen die Angst, erkannt zu werden, zum Beispiel von ehemaligen Freiern.
Wo der Hahn nicht kräht
Haben sich Frauen durch die vielen Hindernisse und über die vielen Hürden gekämpft, Ausbildungen absolviert, Hilfen beantragt, die Bürokratie bewältigt, wartet auf viele gerade wegen der mangelnden Qualifikationen ein so genannter Bad-Job, in dem viel Arbeit abverlangt, aber wenig bezahlt wird. Johanna Reithner kennt die typischen Jobs von Umsteigerinnen: Gastronomie, Hotelerie, als Putzfrau oder Stubenmädchen. Überall dort, wo der Hahn nicht so laut nach durchgängigen Lebensläufen und Berufserfahrung kräht, haben Umsteigerinnen die größten Chancen. Etwas bessere Aussichten haben all jene, die eine Matura haben. Viele Frauen gehen in den Pflegebereich, weiß Reithner.
Egal in welchem Job die ehemaligen Sexarbeiterinnen landen, eines haben die Umsteigerinnen gemeinsam: Einen starken Willen und viel Durchhaltevermögen zwei gute Eigenschaften, um auch in einem Leben, in dem Sex keine Arbeit mehr ist, erfolgreich zu sein
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