Hmm ...
Da denke ich doch, dass das ein wesentlich komplexeres Thema ist, als man vermuten könnte. Das Stichwort hierzu lautet wohl eindeutig "Lebenserfahrung".
Man überlege den Unterschied in der persönlichen Entwicklung eines Menschen unter folgenden Umständen (hier sehr stark vereinfacht wiedergegeben):
- Aufgewachsen in konservativen Umfeld, Mami und Papi haben sich immer lieb gehabt und nie fremdgeäugelt, alles ist Friede, Freude, Eierkuchen, Sex ist pfui (hat schon der Hr. Pfarrer jeden Sonntag von der Kanzel gepredigt) und nur zum Kinderkriegen da.
-> Ergibt einen ganz lieben Menschen, der immer an das Gute glaubt, und drauf hofft irgendwann sein 100%-Soulmate zu finden. Gar nicht so selten klappt das auch und alle sind glücklich und zufrieden.
- Aufgewachsen in konservativen Umfeld, Mami und Papi haben sich NICHT immer lieb gehabt aber dennoch (aus Respekt voreinander) nie fremdgeäugelt. Sex ist pfui (hat schon der Hr. Pfarrer jeden Sonntag von der Kanzel gepredigt) und nur zum Kinderkriegen da.
-> Ergibt einen ganz lieben Menschen, der weiss, dass nicht alle Menschen nur Gutes im Sinn haben. Hat auch ein wenig Egoismus gelernt, was ja per se nichts schlechtes ist.
- Aufgewachsen in konservativen Umfeld, Mami und Papi haben sich NICHT immer lieb gehabt und auch schon mal fremdgeäugelt. Sex ist pfui (hat schon der Hr. Pfarrer jeden Sonntag von der Kanzel gepredigt) und nur zum Kinderkriegen da.
-> Ergibt einen nicht ganz so lieben Menschen, der weiss, dass nicht alle Menschen nur Gutes im Sinn haben, hat schon ein wenig mehr Egoismus gelernt, und weiß auch, was ihm Spass macht und wie man sich seinen Spass holen kann.
- Aufgewachsen in liberalen Umfeld, Mami und Papi haben sich immer lieb gehabt und nie fremdgeäugelt, alles ist Friede, Freude, Eierkuchen, Sex ist NICHT pfui (weil der Kirche steht man kritisch gegenüber) und kann grossen Spass machen.
-> Ergibt einen ganz lieben Menschen, der immer an das Gute glaubt, und auch drauf hofft irgendwann sein 100%-Soulmate zu finden. Aber bis dahin kann man ja seinen Spass haben, oder?
- Aufgewachsen in liberalen Umfeld, Mami und Papi haben sich NICHT immer lieb gehabt und durchaus fremdgeäugelt. Sex ist NICHT pfui (weil der Kirche steht man kritisch gegenüber) und kann grossen Spass machen.
-> Ergibt einen nicht ganz so lieben Menschen, der gern an das Gute glauben möchte, aber auch weiß wie realitätsfern das in der Regel ist. Also holt man sich zuerst mal seinen eigenen Spass, ohne zu bemerken, dass man damit zart besaiteteren Personen damit wehtun kann ...
Und so ließe sich das wohl bis ins unendliche fortführen. Dabei ist noch nichtmal der Umstand berücksichtigt, wie sich die Gesellschaft veränderte, seit mit der Pille (u.a.) der Frau endlich die Möglichkeit zur sexuellen Freiheit gegeben wurde.
Was ich damit ausdrücken will - die Summe der Lebenserfahrungen und der -umstände macht es aus, ob man wagt, so zu leben wie es einem gefällt - oder so zu leben, wie man konditioniert ist.
Genauso ließe sich darüber diskutieren, warum die Wörter "Nutte" und "Schlampe" so negativ impressioniert sind. Im englischen ist das Wort "Bitch" (für Schlampe) durchaus nicht so negativ behaftet wie im deutschen Sprachraum. Genauso gut könnte ja "Nutte" auch nur eine Berufsbezeichnung sein, oder?