damals hatte der Staat (oder das was von ihm übrig war) das alleinige Monopol (Reichsfunk) auf die Medien … da gabs nicht viel Information .
Also davon einmal abgesehen - glaubst Du im Ernst, dass die Menschen damals keine anderen Sorgen gehabt haben?
In einer Atmosphäre der späten Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, welche erfüllt war von tiefer Demütigung in Folge der Kriegsniederlage, von daraus entstandenem neuen Hass gegen das feindliche Ausland, von nahezu unlösbaren wirtschaftlichen Problemen, von großer persönlicher Armut und Chancenlosigkeit, hat es wahrscheinlich keiner großen Anstrengung bedurft, die Bevölkerung noch mehr gegeneinander auszuspielen, denn Neid, Habgier und Rachegelüste sind ein guter Nährboden für die Saat des Bösen. Und Sämänner hat es ja mit Hitler und seinen Gefolgsleuten ausreichend gegeben.
Mein Bemühen geht in die Richtung, die Menschen der damaligen Zeit und ihr Handeln zu verstehen, auch dann noch wenigstens zu verstehen versuchen, wenn es in Dimensionen geht, welche das Verstehen verdammt schwer machen. Das hindert mich nicht daran, Schuld zu erkennen, zu verurteilen und Verantwortung zuzuweisen. Es verpflichtet mich aber dazu, Zusammenhänge zu erkennen, zum Beispiel mit Entwicklungen politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Natur, welche einerseits das Geschehen nicht relativieren und verharmlosen, anderseits aber trotzdem aufzeigen, dass der Nationalsozialismus nicht über Nacht vom Himmel gefallen ist (sinniger wäre wohl ..... aus der Hölle emporgestiegen ist), genau so wie der Antisemitismus ja nicht eine Erfindung der Nationalsozialisten gewesen ist. Das war doch eine Strömung, welche sich über Jahrzehnte entwickelt hat, von allen damaligen politischen Kräften zumindest durch Wegschauen toleriert, wenn nicht sogar gefördert.
Gleiches gilt auch für das damalige Österreich. Wenn alles, was uns aus dieser Zeit in Erinnerung bleiben darf, der Jubel auf dem Heldenplatz ist, dann sind wir traurige Nachfrager. Tun wir doch nicht so, als ob erstens die damalige Bevölkerung geschlossen "heim ins Reich" gedrängt hätte, und als ob zweitens die Menschen damals in Österreich in einem Paradies gelebt hätten. Sie haben doch auch in den 20 Jahren von Kriegsende bis zum Anschluss so gut wie nichts von ihrem Leben gehabt, sind von ihren Politikern kreuz und quer geführt worden, von Deutschösterreich über Wirtschaftskrise und Ständestaat bis zum Bürgerkrieg. Soll man ihnen übel nehmen, dass sie sich von einem Anschluss an Deutschland wenigstens eine leichte Verbesserung erhofft haben?
Man muss versuchen, zu verstehen.