"sich fallen lassen ( können)"

Zum Thema "sich fallen lassen" ein paar Gedanken ... gut, dass ich sie nicht weggeschoben habe, wie @Mitglied #310861 geschrieben hat :)

"sich fallen lassen können"...ist auch so eine unglücksselige Bezeichnung.

Warum das? Ich finde das Bild, das hinter dem Begriff steht, toll!

Sich fallen lassen bedingt ja irgendwie die Hoffnung, dass man nicht hart aufschlägt, wenn man den Boden erreicht, sondern dass da jemand ist, der einen nicht nur auffangen will, sondern auch auffangen kann. Das heißt, da ist grundsätzlich Vertrauen nötig, nicht nur, was die Zuneigung angeht, sondern auch Vertrauen in die Fähigkeiten der anderen involvierten Person. Für mich muss das nicht das "grenzenlose" Vertrauen sein, aber doch ein tiefgehendes Vertrauen - wobei ich ein solches relativ schnell schenke und glücklicherweise auch noch nicht wirklich böse enttäuscht worden bin.

Zum anderen Bedeutet "sich fallen lassen", dass man loslässt, dass man die Sicherungen kappt, die einen vielleicht noch irgendwie halten können. Und in der sich daraus ergebenden Freiheit, dem "freien Fall" sozusagen, passieren ganz unsagbare, tiefgreifende Dinge.

Sich nicht "fallen lassen können" beruht meist auf schlechte Erfahrungen/ Bestrafungen/ Androhung von Liebesentzug, usw. in der Kindheit. Da soll es nicht wundern, dass man mit Aufforderungen, die Kontrolle über sich jemandem anderes zu überlassen, sehr vorsichtig und sparsam umgeht. Für mich grundsätzlich gesehen nicht einmal eine schlechte Eigenschaft, die vor so manch herber Enttäuschung oder weiterer Traumatisierung schützen kann.

Hat aber nichts mit "hemmungslosem" Sex zu tun, sondern mit der Öffnung des Ichs.

Ja, "nicht schlecht" wie Du schreibst, weil es eine Schutzfunktion ist. Allerdings geht in meinen Augen so auch viel Verloren - allerdings ist denen, die sich nicht fallen lassen können, dieser Verlust nicht gegenwärtig, da sie die andere Seite nicht kennen.

Meine Mutter hat kurz vor ihrem Tod gesagt, dass sie das Gefühl hatte, uns Kindern vor allem in den frühen Jahren keine gute Mutter gewesen zu sein. Ich bin froh, dass ich das noch richtig stellen konnte und scheinbar hat sie ihre Sache schon gut gemacht, denn ich habe keine Hemmungen, alle Sicherungen loszulassen, mich vollständig fallen zu lassen. Und ich möchte die Erfahrungen nicht missen!
 
Zum Thema "sich fallen lassen" ein paar Gedanken ... gut, dass ich sie nicht weggeschoben habe, wie @Mitglied #310861 geschrieben hat :)
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:vorsichtig: Hast den letzten Absatz überlesen?

Ich weiß es klingt paradox, aber wenn Mensch, vor lauter Gedanken im Kopf, ohne Schlaftabletten nicht mehr schlafen kann, wird Mensch gerne eins dieser Werkzeuge probieren. Wählen und tun, muss sowieso jeder selber.
 
Welche Assoziationen oder Gefühle / Empfindungen/ Erfahrungen habt ihr zu " sich fallen lassen können"?
Danke für die coole Frage.
So leicht ist die gar nicht zu beantworten.
Und ich glaube es gibt mehrere Antworten als bloss eine..wobei es schwierig ist eine oft irrationale Empfindung in Worte zu fassen.

Und ich glaube "sich fallen lassen" hat viele Gesichter..

Ich kann mich fallen lassen aus dem tiefen Wunsch nach Nähe zu jemandem, aus dem instinktiven Bauchwissen "angenommen zu sein",oder schlichtweg aus Geilheit.

"Sich vertraut fühlen" ist wichtig.
Sei es dass die emotionale Basis passt oder man einfach ein sexuelles perfect match ist.

Ich genieße Sex in ganz viel Facetten, aber mit Abstand am geilsten ist es wenn man auf jemanden trifft der sich "vertraut" anfühlt.

Das kann durch Zeit kommen die man sich kennt, und manchmal trifft man auf jemanden da brennt die Luft von der ersten Sekunde.
 
Im worst case birgt ein "sich fallen lassen" eben das Risiko, möglicherweise etwas zu tun oder zuzulassen, was man normalerweise nicht von sich selbst kennt oder nicht gegenwärtig ist und bereits der Gedanke daran ein deutliches Unwohlsein als Warnsignal der Psyche erzeugt. Da kann schon mal was aus dem irgendwann mal ins Unterbewusstsein verdrängtes und längst überwunden geglaubtes wieder hochsprudeln und alte Wunden aufreißen oder neue Traumatas/ Angststörungen/ Panikattacken erzeugen. Das was tief im Unbewussten der menschlichen Seele schlummern kann ist nicht zu unterschätzen. Nicht selten entstehen ein Leben lang anhaltende Belastungen.

Deshalb grenze ich das auch zu "Entspanntheit"/ "Vertrautheit", u.ä. klar ab. "Sich fallen lassen" hat viele Gesichter. Gute und böse.
 
Fallenlassen hat nicht zwangsläufig etwas mit der Liebe zu einem Menschen zu tun aber sicher mit Liebe.
Sehr wohl denke ich, dass es leichter ist, wenn man Urvertrauen entwickeln durfte.
Sich fallen lassen ist Entspannung für mich, ist ein Loslassen, ein "ganz bei sich sein".
Dazu ist Sicherheit wichtig. Sicherheit in sich Selbst.
So sein zu dürfen und angenommen zu werden wie man eben ist.

Ein nur nehmen zu dürfen ohne mit dem Gefühl des sich revanchierens zu müssen. Ein Geben ohne zwangsläufig sofort Gegenleistung zu erwarten, absichtslos.

Danke Mended für dieses tolle Thema.
 
Hi,

Fallenlassen hat nicht zwangsläufig etwas mit der Liebe zu einem Menschen zu tun aber sicher mit Liebe.
Sehr wohl denke ich, dass es leichter ist, wenn man Urvertrauen entwickeln durfte.
Sich fallen lassen ist Entspannung für mich, ist ein Loslassen, ein "ganz bei sich sein".
Dazu ist Sicherheit wichtig. Sicherheit in sich Selbst.
So sein zu dürfen und angenommen zu werden wie man eben ist.

das geht gut, wenn ich alleine bin. Ich brauch da keinen anderen dafür.


Ein nur nehmen zu dürfen ohne mit dem Gefühl des sich revanchierens zu müssen. Ein Geben ohne zwangsläufig sofort Gegenleistung zu erwarten, absichtslos.

Das gibt es nicht. Wenn Du etwas vorbehaltlos gibst, hast Du ein gutes Gefühl, was Belohnung genug ist, damit es nicht mehr vorbehaltlos ist.

LG Tom
 
weil es Dich ein bisserl glücklich macht ....
Danke dir, für deine tollen Denkanstöße!
Wie kann das egoistisch sein, wenn ich anderen was Gutes tue? Bin ich denn nicht erst in der Lage, anderen etwas Gutes zu tun, wenn ich selber weiß was mich glücklich macht? Verhält es sich nicht vielmehr so, wenn ich erfüllt bin mit glücklich sein, kann ich auch anderen Menschen es zugestehen und bin ihnen ihr Glück nicht neidig?
Jetzt verstehe ich was du mit vorbehaltlos meinen könntest: Wenn ich in der Früh aufwache und meine Intention für den neuen Tag formuliere: "Es ist heute meine Absicht, das zu suchen, was mich glücklich macht." Dann mache ich das mit der Absicht mich wohlzufühlen. Denn wenn ich mich wohlfühle, bin ich in perfekter Übereinstimmung mit meinen Interessen und umfassenderen Intentionen. Meinst du, kann der Mensch das "Glück" herbeilocken?
Der Feldherr und der Staatsmann schaffen ebensowenig wie der geschickteste Spieler den Glücksfall, aber sie bereiten ihn vor, suchen ihn herbeizulocken und scheinen ihn fast zu bestimmen.
Jean de La Bruyère (1645 - 1696), bedeutender Vertreter der französischen Moralisten und Aphoristiker

Wenn ich nach Gründen suche, um glücklich zu sein, fange ich an am positiven "Tau" zu ziehen, und ein positiver Gedanke nach dem anderen wird zu mir kommen.
Man muß nicht glauben, was man sieht – geschweige, was man hört. – Wenn zwei Menschen in einer verschiedenen Lage sich befinden, müssen sie niemals über ihre sinnlichen Eindrücke streiten. Ein Wächter auf einer Sternenwarte kann einem im dritten Stock viel erzählen. Dieser muß nicht so dumm sein und ihm seine gesunden Augen absprechen: Komm herunter, so wirst du überzeugt sein, daß du nichts gesehen hast. Ein Mann in einer tiefen Grube kann am hellen Mittag Sterne sehen.
Johann Georg Hamann (1730 - 1788), auch »Magus im Norden« genannt, wegen seiner dunkel-prophetischen, in eigenwilligen Wendungen und Anspielungen schwelgenden Schreibweise, deutscher Philosoph und Schriftsteller, Gegner der Aufklärung, aber von größtem Einfluss auf Sturm und Drang

Quelle: Hamann, Briefe. An Immanuel Kant, 27. Juli 1759

Dieses "absichtslos" wird erst ungut, wenn ich es an Erwartungen knüpfe, dann kann es ganz schnell passieren, dass ich enttäuscht werde.
Demnach würde es mehr Sinn ergeben, wenn ich mir sage: mein Leben ist nicht vom glücklich sein abhängig, so etwas wäre unrealistisch. Sondern vielmehr müsste ich mir sagen: ich achte bewusst auf die Momente im Leben an denen das Glück sich mir offenbart. Das können so banale Dinge sein, wie der Hunde freut sich wenn ich heimkomme, auch wenn ich nur 5 Minuten weg war.
 
das geht gut, wenn ich alleine bin. Ich brauch da keinen anderen dafür.

Das "alleine fallen lassen" ist für mich etwas ganz anderes ...

So, wie @Mitglied #265988 das beschrieben hat, ist ihr (und auch mein) Fallenlassen als zwischenmenschliche Interaktion definiert, da braucht es andere Personen dazu.

Wenn Du etwas vorbehaltlos gibst, hast Du ein gutes Gefühl, was Belohnung genug ist

Das ist wiederum ein anderes Thema und ich kann Deiner Interpretation da auch nicht ganz zustimmen. Denn ich würde da die Frage der Kausalität stellen. In diesem Fall:

Ein Geben ohne zwangsläufig sofort Gegenleistung zu erwarten, absichtslos

... wenn ich gebe, weil ich will, dass es mir dadurch besser geht - ja, dann ist es nicht absichtslos, denn der Grund, die Ursache des Gebens ist das bessere Gefühl für mich selbst.

Wenn ich aber absichtslos gebe, um einem anderen Menschen etwas Gutes zu tun und ich mich dadurch evt. auch besser fühle, dann ist das aber nur die Wirkung und steht in der Kausalitätskette hinten angereiht.

Dieses "absichtslos" wird erst ungut, wenn ich es an Erwartungen knüpfe

@Mitglied #492266 ... Möglicherweise meintest Du das selbe, was ich oben versucht habe zu formulieren :-)
 
Selbstverständlich geht es mir gut wenn ich jemandem etwas Gutes tu.
Ich gebe gerne, ohne Gegenleistung zu erwarten. Das schöne Gefühl des Gebens ist für mich "Lohn" genug.
Da könnte man natürlich unterstellen dass das nicht absichtslos war.
Somit hat Tom schon Recht und ich hätte das "absichtslos" weglassen sollen.
Aber für mich ist das ein wichtiger Zusatz.
 
Hi,

So, wie @Mitglied #265988 das beschrieben hat, ist ihr (und auch mein) Fallenlassen als zwischenmenschliche Interaktion definiert, da braucht es andere Personen dazu.

das kann ich nicht.


Das ist wiederum ein anderes Thema und ich kann Deiner Interpretation da auch nicht ganz zustimmen. Denn ich würde da die Frage der Kausalität stellen. In diesem Fall:

Aber wer und wie beurteilt man das? Und wozu?


Also - um mal weniger abstrakt zu sein - wenn ich einem Obdachlosen 5 Euro gebe damit der sich Bier kaufen kann, ist doch vollkommen egal, ob ich das tue damit ich mich besser fühle oder ob ich es tue, damit er sich besser fühlt.

Wenn ich einer alten Person über die Straße helfe ist es egal, ob ich das mache, damit es mir besser geht, oder damit es ihr besser geht.

Hauptsache ich mache es!


Eine außenstehende Person kann gar nicht abschätzen warum ich es tue, im Zweifel wird dann halt oft gesagt "Der tut das nicht für die anderen sondern für sich, dass er besser da steht, ...", wobei das egal ist, weil Hauptsache einer tut was, schmälert meiner Ansicht nicht die Tat, wenn man auch was davon hat ...


Schlussendlich weiß man es selbst ja nicht, wenn man anderen Gutes tut ist man selbst glücklich, es werden entsprechend Hormone und Botenstoffe ausgeschüttet, die das Belohnungszentrum im Hirn stimulieren, niemand kann also sicher sagen, dass er nicht "nur" konditioniert ist, Gutes zu tun.

Aber wie immer, ist doch egal, Hauptsache man tut Gutes ....


LG Tom
 
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