Aus anderem Thema her ergab sich jetzt dieses Thema was mich schon sehr interessiert und wo ich bis heute nicht drauf kam, WARUM es so ist.
Also hier:
Frau lernt einen Mann kennen. Irgendwas muß da sein, was die beide zu einander hinzieht. Sie bleiben zusammen und kaum ist die erste Verliebtheit weg, schon beginnt die Umerzieherei.
Aus meiner Erfahrung her sind es meist die Frauen die die Männer "erziehen" versuchen. Manche sehr subtil, manche mit der Holzhammermethode.
Abgesehen davon daß die meisten Männer es sich gefallen lassen frage ich mich warum Frau den Mann umändern will in dem sie sich doch so wie er war verliebt hat?
WARUM sollte es eigentlich die Frau sein, die das schafft?
Da sind ja zwei. Und der Mann hilft da ganz ausgezeichnet mit.
Hier im Folgenden ein Versuch einer ERklärung


WER BIST DU?
Manchmal habe ich das Gefühl, daß niemand mehr vertrauenswürdig wäre. Ich weiß nicht, ob es an mir liegt und ich mir immer die falschen Leute aussuche, oder ob sich die Leute schließlich als anders entpuppen, als ich sie zunächst einschätzte
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Eine Version von Giovanni Pappinis Erzählung Wer bist du?
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Wie immer war Sinclair auch an diesem Tag morgens um sieben aufgestanden. Wie jeden Tag schlurfte er in seinen Pantoffeln ins Bad, duschte, rasierte und parfümierte sich. Er kleidete sich wie immer nach der neuesten Mode und ging zum Briefkasten, um nach der Post zu schauen. Dort erwartete ihn die erste Überraschung des Tages: der Briefkasten war leer!
Während der letzten Jahre hatte seine Korrespondenz beständig zugenommen und war zum wichtigen Faktor seiner Kommunikation mit der Aussenwelt geworden. Ein wenig verstimmt über die Nachricht, keine Nachrichten bekommen zu haben, nahm er sein übliches Frühstück, Müsli und Milch (ärztlich verordnet), zu sich und verließ das Haus.
Alles war wie immer: Die gleichen Autos fuhren auf denselben Straßen und verursachten denselben, immer gleich lästigen Großstadtlärm. Als er den Platz überquerte, stieß er fas mit Professer Exer zusammen, einem alten Bekannten, mit dem er viele Stunden über so manches müßige metaphysische Problem diskutiert hatte. Er hob die Hand zum Gruß, aber der Professor schien ihn nicht zu erkennen. Er rief ihn beim Namen, aber da war der Herr Professor bereits zu weit weg, so dass Sinclair vermutete, er habe ihn wohl nicht gehört. Der Tag hatte schlecht begonnen, und er schien sich angesichts der drohenden Langeweile in seiner Seele noch zu verschlimmern. Sinclair beschloss, nach Hause zurückzukehren, dort seine Lektüre und Forschungsarbeit fortzusetzen und auf die vielen Briefe zu warten, die sicherlich am nächsten Tag kommen würden, da sie heute ausgeblieben waren.
In dieser Nacht schlief er nicht gut und wachte zeitig auf. Er stieg aus dem Bett und begann schon während des Frühstücks aus dem Fenster nach dem Briefträger zu spähen. Schließlich sah er ihn um die Ecke kommen, und sein Herz tat einen Freudensprung. Der Briefträger jedoch ging an seinem Haus vorbei, ohne innezuhalten. Sinclair lief hinunter und rief hinter ihm her, ob denn keine Post für ihn gekommen sei, doch der Briefträger versicherte ihm, daß er nichts für ihn dabeihabe und daß es auch weder einen Poststreik gebe noch Verteilungsprobleme in der Stadt.
Statt ihn zu beruhigen, wühlte ihn das nur noch mehr auf. Irgend etwas war geschehen, und er mußte herausfinden, was es war. Er zog sein Jackett an und machte sich auf den Weg zum Haus seines Freundes Mario.
Dort angekommen, ließ er sich vom Hausdiener anmelden und wartete im Wohnzimmer auf seinen Freund, der auch bald eintrat. Mit offenen Armen ging er auf den Hausherrn zu, aber der fragte nur: Entschuldigen Sie, kennen wir uns?
Sinclair hielt es für einen Witz, lachte gezwungen und bat um ein Glas Wein. Mit den verheerenden Ergebnis, daß der Hausherr seinen Diener rief und ihm befahl, den Fremden vor die Tür zu setzen, welcher angesichts der Lage die Beherrschung verlor und zu schreien und zu schimpfen begann, was dem kräftigen Angestellten nur noch mehr Grund bot, ihn gewaltsam auf die Straße zu befördern
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Auf dem Heimweg begegnete Sinclair noch anderen Nachbarn, die ihn ignorierten oder ihn wie einen Fremden behandelten.
Ein Gedanke setzte sich in ihm fest: Man hatte sich gegen ihn verschworen, und er hatte irgendeinen seltsamen Fehler begangen, so daß ihn nun ablehnte, wer vor wenigen Stunden noch große Stücke auf ihn gehalten hatte. Doch so viel er auch darüber nachgrübelte, er konnte sich an nichts erinnern, das als Beleidigung hätte gelten können, und schon gar nicht an etwas, das eine ganze Stadt gegen ihn hätte aufbringen können.
Zwei Tage lang blieb er zu Hause, wartete auf die Post, die nicht kam, oder wünschte sich den Besuch seiner Freunde herbei, die, weil sie ihn vermissten, vorbeikommen würden, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Aber nichts dergleichen geschah: Kein Mensch näherte sich seinem Haus. Die Reinemachefrau blieb aus, ohne sich abzumelden, und das Telefon klingelte nicht mehr.
Etwas wagemutig geworden durch ein Glas zuviel, beschloß Sinclair, in die Bar zu gehen, in der er sich sonst mit seinen Freunden traf, um die alltäglichen Nichtigkeiten zu besprechen. Kaum war er eingetreten, sah er sie wie üblich an ihrem Stammtisch in der Ecke sitzen. Der dicke Hans erzählte denselben alten Witz wie immer, und alle amüsierten sich wie gewöhnlich. Sinclair nahm sich einen Stuhl und setzte sich dazu. Sofort trat eisiges Schweigen ein, das deutlich machte, wie unerwünscht der letzte Ankömmling in der Runde war. Sinclair hielt es nicht mehr aus.
Darf man wissen, was ihr alle plötzlich gegen mich habt? Wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann sagt es mir, und wir regeln das, aber hört auf, mich wie Luft zu behandeln, das macht mich noch wahnsinnig.
Die anderen schauten sich an, manche amüsiert, andere verärgert. Einer tippte sich zur Diagnose des Hinzukömmlings an die Stirn. Sinclair bat weiter um eine Erklärung, dann flehte er, und zuletzt fiel er auf die Knie und bettelte darum, man möge ihm sagen, was er denn verbrochen habe, daß man ihm das antat.
Nur einer war bereit, das Wort an ihn zu richten.
Guter Mann, niemand von uns kennt sie, also können sie uns auch nichts angetan haben. Wir wissen noch nicht einmal, wer sie sind.
Tränen stiegen ihm in die Augen, er verließ das Lokal und schleppte seine sterbliche Hülle nach Hause. Ihm war, als wöge jeder seiner Füße mehr als eine Tonne.
Zu Hause angekommen, warf er sich auf sein Bett. Ohne zu wissen, wie ihm geschah, war er zu einem Unbekannten geworden, zu einem Abwesenden. Aus den Adressbüchern seiner Briefpartner radiert wie auch aus dem Gedächtnis seiner Bekannten, und erste recht aus den Herzen seiner Freunde. In seinem Geist machte sich schlagartig ein Gedanke breit: die Frage, die sich die anderen stellten und die auch er selbst sich allmählich zu stellen begann: Wer bist du?
Konnte er diese Frage wirklich beantworten? Er kannte seinen Namen, seine Adresse, seine Kragenweite, seine Ausweisnummer und ein paar andere Daten, die ihn nach außen hin definierten. Aber war das schon alles? Wer war er wirklich in seinem tiefsten Innern? All die Vorlieben und Aktivitäten, die Neigungen und Ideen, waren das wirklich seine eigenen? Oder waren sie, wie vieles andere auch, der Versuch, diejenigen nicht zu enttäuschen, die erwarteten, daß er der war, der er immer gewesen war? Da begann es ihm zu dämmern: ein Unbekannter zu sein befreite ihn davon, etwas Bestimmtes sein zu müssen. Er konnte sein, wie er wollte, an der Reaktion der anderen auf ihn war sowieso nicht zu rütteln. Zum ersten mal seit Tagen hatte er einen beruhigenden Gedanken: Er befand sich in einer Situation, die es ihm erlaubte, aus freien Stücken zu handeln, ohne auf die Bestätigung der Außenwelt zu warten.
Er atmete tief und spürte die Luft wie neu in seine Lungen dringen. Er merkte, wie das Blut durch seine Adern lief, spürte den Herzschlag und war überrascht, daß er zum ersten Mal nicht zitterte.
Jetzt, wo er schließlich und endlich wußte, daß er allein war, daß er es immer gewesen war, daß er niemanden hatte außer sich selbst, jetzt konnte er lachen oder weinen. Aber für sich selbst, nicht für die anderen. Endlich hatte er begriffen:
Daß seine Existenz nicht von anderen abhing.
Er hatte entdeckt, daß es nötig gewesen war, alleine zu sein, um sich selbst zu begegnen.
Er schlief einen tiefen und ruhigen Schlaf und träumte süß.
Um zehn Uhr früh wachter er auf und bemerkte, daß um diese Zeit ein Sonnenstrahl durchs Fenster fiel, der sein Zimmer in ein zauberhaftes Licht tauchte.
Ohne zu baden, ging er die Treppe hinunter, summte ein ihm völlig unbekanntes Lied vor sich hin und fand unter seiner Tür eine riesige Menge an ihn adressierter Briefe.
Die Reinemachefrau war in der Küche und grüßte ihn, als wäre nie etwas gewesen.
Abends, in der Bar, schien sich keiner mehr an diese seltsam verrückte Nacht zu erinnern. Jedenfalls machte niemand auch nur die geringste Bemerkung in dieser Richtung.
Alles ging wieder seinen normalen Gang, bis auf ihn, ihn, der zum Glück nie wieder jemanden brauchte, der ihn ansah, um zu wissen, daß er lebendig war, ihn, der nie wieder die Außenwelt darum bitten mußte, in zu definieren, ihn, der nie wieder Angst vor Zurückweisung hatte.
Alles war wie immer, nur daß dieser Mann nie wieder vergaß, wer er war.
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Tja, wenn man sich selbst nicht bewußt macht, wie sehr man vom Blick der anderen abhängig ist, zittert man aus Angst davor, von ihnen im Stich gelassen zu werden, was man, genau wie jeder von uns, gelernt hat zu fürchten.
Und der Preis dafür, sich nicht fürchten zu müssen, ist, sich anzupassen, ist, das zu sein, was die anderen, die uns ja so sehr lieben, uns zwingen zu sein, zu tun und zu denken.
Wenn einem das Glück widerführe wie dem Mann in der Geschichte von Papini und einem die Außenwelt in einem bestimmten Moment den Rücken zukehrt, bleibt einem nichts anderes übrig, als einzusehen, wie müßig dieser Kampf ist.
Aber wenn das nicht passiert, wenn man das Pech hat, akzeptiert und wohlgelitten zu sein, dann ist man verlassen vom eigenen Bewußtsein über die eigene Freiheit, ist gezwungen, sich zu entscheiden zwischen Gehorsamkeit und Einsamkeit; ist gefangen darin, etwas zu sein, was man sein muß, oder für niemanden etwas zu sein.
Und von da an könnte man sein, aber nur allein, und ganz allein für sich.