Dass besonders im Chinapuff gelogen wird, dass sich die Balken biegen, überrascht wohl keinen, der einschlägig unterwegs ist. Ich erlaube mir ein paar allgemeine Überlegungen nach wesentlichen Punkten aufgeschlüsselt, sowie ein kürzlich erlebtes Schmankerl, und lege sie hier ab. Weil sie hier hereinpassen …
Alter: Bekanntermaßen ist beim Alter zu lügen chinesischer Volkssport No. 1. Das berührt mich allerdings nicht weiter. Erstens ist die Frage nach dem Alter uncharmant und, zweitens, irrelevant. Entweder passt das Ausg´schau der Therapeutin oder eben nicht. Danach richtet sich dann ein weiterer Verbleib.
Bildtreue: Auch das berührt mich nicht weiter. Jeder der schon mehr als dreimal in einem Chinapuff war und noch immer erwartet, dass die Modelle aus den Anzeigen auch vor Ort anzutreffen sind, benötigt sowieso einen Sachwalter.
Anwesenheit: Hier beginnt es auch für mich haarig zu werden. Jemand, der nach einer längeren Anreise die Versprochene nicht vor Ort vorfindet, ist zu Recht sauer.
Ich habe mir das vorher Anrufen im Milieu schon lange abgewöhnt. Ist mir bei einem Studiobesuch nach einer bestimmten Betreuerin – nennen wir sie Nana -, so frage ich zunächst nach Nana. Taucht diese auch sofort auf und erscheint einsatzbereit, so ist alles Paletti.
Heißt es, Nana käme gleich und ich solle nur ablegen und zunächst einmal duschen, so bleibe ich angezogen, bis Nana auch tatsächlich erscheint. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nana nach 5 Minuten erscheint, ist gleich groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass Nana nach 20 Minuten erscheint, ist gleich groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass Nana überhaupt nicht erscheint. Erscheint sie nicht innerhalb von 10 Minuten, empfehle ich mich, auch wenn mich eine Kollegin dann anjammert: „Ich machen auch gut! Ich machen auch gut!“
Anwesend (und dann doch nicht nicht … ): Diese war ein für mich neues Erlebnis. Vor kurzem fragte ich hier nach Luschi. Die erschien auch sofort und brachte mich in eines der hinteren Zimmer. Sie meinte, ich solle nur ablegen und duschen; sie käme gleich. Ich duschte also und platzierte mich auf die Massageliege. 15 Minuten nach meiner Ankunft erschien sie wieder, entschuldigte sich, trocknete mich ab und legte Massageöl auf. Dann entschuldigte sie sich wieder. 30 Minuten nach meiner Ankunft war sie noch immer nicht zurückgekehrt. Ich nahm also ein frisches Handtuch, entfernte das Massageöl und zog mich wieder an. Als ich auch in meine Schuhe geschlüpft war, erschien sie wieder. Großes Bahöl ihrerseits. Eine Kollegin wäre an diesem Tag nicht zur Arbeit erschienen (und sie meinte also, zwei Kunden gleichzeitig versorgen zu können/müssen), blah, blah, blah … Bald mischten sich auch die anderen Kolleginnen und die Betreiberin ein. Ich wandte mich aber entschieden zum Gehen. Die Betreiberin meinte dann, ich wäre ja schon so lange nicht mehr da gewesen, und da wäre es schade, dass ich wieder gehen würde. Die Ironie dieses Kommentars habe ich ihr nicht mehr erklärt. Negativ: Aus dem erhofften Wellness-Nachmittag wurde nichts. Positiv: Eine Erfahrung reicher und eine gratis Dusche an einem schon recht warmen und schwülen Frühlingsnachmittag.