1. Der Mensch findet andere Menschen prinzipiell eklig. Das ist doch einmal unbestritten, denn sonst würden wir uns ständig infizieren oder verunreinigen. Dieser Ekel ist sinnvoll. 2. Zur Fortpflanzung muss ein Mensch aber sehr intim mit einem anderen werden, er muss diesen Ekel also überwinden. Das schafft das erotische Begehren. Wenn dieses Begehren weniger stark ausgeprägt ist, bleiben Bereiche, wo man sich immer noch vorm anderen ekelt. Je stärker das Begehren, desto stärker wird EKel in Lust verwandelt. Vollkommenes Begehren bedeutet dann ein entsprechendes Überwinden des Ekels. 3. Konklusion: Die Lust an intimen Tätigkeiten des anderen wie z.B. seiner Urinierens ist bereits in der prinzipiellen Liebesfähigkeit bzw. Fähigkeit an einem anderen Körper Lust und Gefallen zu finden, enthalten. Diese Lustfähigkeit kann sich nicht anders als evolutionär ausgebildet haben, weil wir eben evolutionär enstanden sind. Gesteigerte Lustfähigkeit am Körper des anderen führt zu einem stärkeren Sexualbedürfnis resp. einer höheren Kopulationsbereitschaft, was logisch ist, weil salopp: Wir ficken lieber, was sehr schön ist, als was nur schön ist. Das führt zu höherer Nachkommenschaft, was wiederum die höhere Lustfähigkeit weitergibt. Darum trägt der Mensch die Fähigkeit das Ausscheiden des Geliebten schön zu empfinden in sich, als nämlich noch im Übrigen der Mensch freilich nur an Empfindungen ausbilden kann, wozu er genetisch befähigt ist. Das kann man beim besten Willen nicht bestreiten.
"Du vermischt biologische und linguistische Logik." Diesen Satz verstehe ich nicht, das bekenne ich gerade heraus. Ein "Logos" ist - man möchte es mir glauben, denn ich spreche Griechisch - ein Stück Sprache, ein Wort, ein Satz im "logischen" Sinne. Jede Logik ist also linguistisch. Im allerweitesten Sinne ist Logik meinetwegen allgemein die Vernunftbegabung des Menschen, aber diese ist sprachlich gebunden und verwirklicht.
Ein evolutionäres Nebenprodukt ist etwas, das selbst keinen evolutionären Vorteil bietet, aber so eng mit etwas Vorteilhaften zusammenhängt, dass es sich nicht "rauszüchtet". Also z.B. - ein sehr bedeutsames Beispiel übrigens - unsere Hände sind eigentlich nicht für das entstanden, was wir damit machen, sondern als Kletterwerkzeuge. Als sich die Wälder zurückzogen, drangen die Primaten in die Savanne vor. Dort brauchten sie diese Hände eigentlich nicht mehr, sondern wären mit - salopp - vier Hufen weit besser dran gewesen, zumal wenn der Löwe kommt. Allerdings durch spezifische Charkteristika, die mit den Eigenschaften eines Klettersäugetiers zusammenhängen, also z.B. dass sie ihre Hände VOR dem Gesicht haben, also sehen und so eine Hand-Augen-Koordination entwickeln, verfügten sie bereits über ein ausreichend leistungsstarkes Gehirn, um nun ihre Hände für andere Dinge einzusetzen. Die Hände also waren zwar ein Nebenprodukt der Evolution, allerdings wurden sie nicht mehr zurück zu Gehwerkzeugen selektiert, sondern entwickelten sich zu noch feineren Greifwerkzeugen, weil die Fähigkeit Werkzeuge zu führen die Fähigkeit der schnelleren Fortbewegung evolutionär ausstach. Ein anderer Typus von Nebenprodukt ist Homosexualität. Normalerweise müsste sich das ja nach schon einer Generation komplett rauszüchten, passiert aber nicht, weil der Mensch an sich nicht auf das andere Geschlecht fixiert ist, sondern auf bestimmte sexuelle Reize. Jeder Mensch trägt nun einen Hormoncocktail in sich aus SOWOHL weiblichen wie männlichen Hormonen, zudem verfügt er über ein - geistiges - ganz allgemeines ästhetisches Empfinden. Darum gibt es Homosexualität, weil z.B. ein Mann einen anderen 1. sexuell anziehend finden kann - vor allem wenn er etwas androgyn ist - 2. ganz allgemein ästhetisch schön empfinden kann und 3. weil er sich in einen anderen Mann verlieben kann, weil wir Menschen die Fähigkeit haben, nicht nur Körper zu lieben, sondern auch einen Charakter, ein anderes Ich, gefällig zu finden.
Empirische Einzeldaten zu Allgemeinaussagen zu subsummieren nennt man Verallgemeinerung. Ich denke hier herrscht eine unterschiedliche Begriffsdeutung: Für dich ist Verallgmeinerung der Schluss von einem Umstand auf ein allgmeines Gesetz, so wird der Begriff zugegebenermaßen auch meist gebraucht. Wissenschaft ist freilich beides, vom Einzelnen (natürlich mehrere Einzelne) quasi intersubjektiv zum Allgmeinen, und die Überpfüfung dessen wieder am Einzelnen. Aber bitteschön allgemeine Modelle kann man nicht finden, wenn man nicht von einem Faktischen zuerst ausgeht. Das wäre raten. Womit verscuht man denn, diese Modelle zu finden? Indem man eine Erfahrung hat. Z.B. indem einem ein - EIN EINZENER - Apfel auf den Kopf fällt. Ich halte eine Stichprobe von 15 23jährigen Männern bei einem Maturatreffen für sehr repräsentativ, zumal es höchst unwahrscheinlich ist, dass in einem Schulbezirk alle Pipi-Liebhaber "zufällig" zusammenkommen. 15 ist da wirklich eine sehr gute Stichprobe.
Es stimmt, "die meisten" ist kein logischer Terminus. Aber jeder kann sich vorstellen, dass "die meisten" so ungefähr 60-80% bedeutet, oder? Das darunter nennt man eine "knappe Mehrheit", das darüber "fast alle". Oder? Ich meine, das sind doch zulässige Begriffe, wir wollen doch jetzt bitte nicht anfangen, nur noch in Syllogismen zu reden, also geh bitte. "Die meisten" ist keine grobe Vereinfachung, sondern ein Eindruck. So wie z.B.: Diesen Sommer war es wirklich heiß. Kommst du dann und erklärst mir, dass es am 6. Juli nur 7 Grad hatte und in Strömen regnete. Ohne Vereinfachungen kann man GAR NICHTS mehr sagen. "Alle Männer" hat ja keiner gesagt, "keine Männer" hat auch keiner gesagt, alles dazwischen heißt: Es gibt sowohl A als auch B. Und der Zusatz "die meisten" bezeichnet: Ich bin der Meinung, dass mindestens die Hälfte, wenn auch immer noch nicht alle, diese Neigung teilen. Dieses stützt sich auf meine private Beobachtung, auf mehr kann ich nicht zurückgreifen, und ich unterstelle dir, dass du ja auch auf deine privaten Beobachtungen zurückgreifst, also wirf mir das nicht vor.
"Die formal logisch Darstellung von "die meisten" ist damit aber nicht geglückt." Das ist richtig, also formuliere ich um: Für die Männer gilt: teils A, teils B, wobei A größer als B. Diese Meinung darf ich haben. Genauso wie man anderer sein kann. Dumm bin ich deswegen nicht. Nur anderer Meinung.