Hallo Ninanana,
gleich vorab meine Meinung: Den idealen Partner, der alle Erwartungen erfüllt, gibt es nicht! Gott sei Dank!
Das ist mir bewusst und das ist ja auch ok, denn ein Partner existiert nicht aus Puzzleteilen von Erwartungen und Aneinanderreihungen von Charaktereigenschaften, sondern ist als Mensch in seinem Sein doch meist viel komplexer und vielseitiger, als das es artikulierte Erwartungen dies alles abdecken könnten. Es geht um das Gesamtbild eines Menschen das mit dem Gesamtbild von mir am besten harmonieren mag. Das ist eine komplexe Sache. Darum bin ich gegenüber zu einfachen Erklärungen, die hier im Thread zT angebracht wurden, doch recht skeptisch...
Ich möchte Dir zunächst von mir erzählen. Ich war viele, viele Jahre mit einer tollen Frau verheiratet. Sie ist attraktiv, intelligent, tough, hilfbereit, fleißig, aber auch verletzlich, unsicher, hat ihre Macken. Wir haben uns gemeinsam unser Leben aufgebaut, ich war glücklich, sie gefunden zu haben und mit ihr alt werden zu können. Ihr Macken, Marotten und Limitierungen hatte ich akzeptiert, mich dem untergeordnet.
Und dann sagte sie mir eines Tages, dass sie mich nicht mehr liebt. Für mich brach meine Welt zusammen.
Und dann lernte ich, dass einer meiner schlimmster Fehler war, mich ihren Macken, Marotten und Limitierungen unterzuordnen.
Ich hatte das große Glück, mich einer lieben Freundin anvertrauen zu können. Aus der Freundschaft wurde Freundschaft-Plus, und heute sind wir ein Paar. Anfangs genoss ich das Freundschaft-Plus, aber im Vergleich mit meiner Frau zog meine Freundin den Kürzeren. Ich hatte meine Ansprüche, die sie teilweise nicht erfüllen konnte. Aber wir hatten uns vorgenommen, immer ehrlich zueinander zu sein, nichts zu verschweigen, auch keine Gefühle, von denen wir annahmen, sie könnten den Anderen verletzen.
Und ich ging auf Entdeckungsreise. Ich betrachtete meine Freundin. Sowohl ganz körperlich, als auch geistig. Sie ist nicht so schlank wie meine Frau. Aber sie hat ein wunderschönes Gesicht. Sie ist nicht so sportlich wie meine Frau. Aber sie ist wunderbar zärtlich. Sie schnarcht. Und hat einen messerscharfen Verstand.
Und - wir reden über unsere Gefühle, was uns bewegt. Wir akzeptieren die Macken, Marotten und Limitierungen des Anderen, aber wir machen keine Abstriche, ordnen und nicht unter, sondern arbeiten damit. Wir wollen den Anderen nicht ändern, nicht verbiegen, aber wir wollen uns ergänzen. Wenn uns etwas nicht passt, dann sagen wir das. Wir überlegen, warum es uns nicht passt und wie wir damit umgehen. Und das kann bedeuten, dass wir auch mal Luft und Abstand einfordern - und auch geben. Wenn einer von uns sagt: "Ich brauche Abstand", dann wissen wir, dass dies nicht persönlich gemeint ist, sondern dass derjenige einfach nur Abstand braucht. Luft. Oder Ruhe.
Und, was soll ich sagen: Wir lieben uns! Und diese Liebe ist gewachsen. Nicht von Beginn an Schmetterlinge im Bauch - erst jetzt! Und es werden langsam, ganz langsam immer mehr.
Das liest sich sehr schön

Da gratuliere ich dir.
Mir ist auch bewusst, dass Liebe etwas ist, das wachsen muss, dass über die Verliebtheit hinauswächst. Die Theorie verstehe ich ziemlich gut. Nun ist die Frage, warum hat das bis jetzt bei mir noch nie so recht funktionieren wollen. Liegt es an mir, oder an den Männern.
Diese Frage kann mir keiner, und auch ich mir selber, zum jetzigen Zeitpunkt beantworten.
Es ist gut möglich, dass ich bis jetzt einfach noch nie einem potentiell richtigem Partner über den Weg gestolpert bin. Es ist aber auch möglich, dass ich hier zu grosse Barrieren aufgestellt habe, ob im Kleid von Erwartungen oder ev auch aus anderen Gründen, die es mir erschweren mich auf eine Partnerschaft einzulassen.
Und so oszilliere ich zwischen diesen beiden Möglichkeiten hin und her in meinen Überlegungen...
Die Zeit und die weiteren Erfahrungen werden das Bild wohl erst schärfen. Trotzdem mag ich auch schon jetzt darüber nachdenken
Was ist mit Dir? Du sagst, Du hast Erwartungen an Deinen Partner. Zum Beispiel schreibst Du, sinngemäß, er sei etwas "simpel". Puh! Das wäre auch für mich ein Problem. Mein Gehirn braucht Nahrung, und natürlich brauche ich einen Partner, der mich intellektuell fordert. Langfristig würde eine Beziehung mit einem "simplen" Partner für mich nicht klappen. Wie ist es bei Dir?
Allgemeinbildung. Wenn meine Partnerin z.B. aufgrund ihrer Schulausbildung wenig Allgemeinbildung hat, aber klug und lernbegierig ist und anderweitig viel weiß, dann kann ich mich prima mit ihr ergänzen. Wie ist das bei Euch?
Das ist bei ihm schwierig so konkret zu sagen. Er hat in gewissen Bereichen doch recht begrenzte Ansichten. Ist da stur und in meinen Augen nicht wirklich klug. Dann gibt es aber auch andere Bereiche, die mir zB deutlich zeigen, dass dahinter doch auch ein recht kluges Köpfchen steckt und wenn ich genau überlege, sind mir diese Bereiche wichtiger. Er versteht zB meinen Humor, ist Wortgewandt und er kennt sich selber verdammt gut. Also hat die Fähigkeit zur Selbstreflexion.
Spontanität: Wenn Dein Partner wenig impulsiv ist, bist Du dann der Motor? Und holt Dich Dein Partner vielleicht rechtzeitig auf den Boden zurück, wenn Du überdrehst?
Das ist ein gutes Beispiel. Ich kann mir beides vorstellen. Ein impulsiveren Partner mit dem man Bäume ausreissen kann, oder aber auch ein Fels in der Brandung, der mich wieder etwas stabilisiert... Beides hätte einen Reiz auf mich. Ist das eine gegeben, fehlt mir aber das andere und umgekehrt. Wie schonmal geschrieben, ich habe gewisse konträr verlaufende Vorlieben und ich könnte mir noch vorstellen, dass das ein Grundproblem darstellt.
Ninanana, horche doch mal in Ruhe in Dich hinein: Zunächst mal - was hast Du denn für Erwartungen an Deinen Partner? Konzentriere Dich doch wirklich mal ausschließlich auf diese erste Frage. Lasse sie in Dir wirken. Und erzähle Dir und uns mal etwas darüber.
Ich habe keine in Fels gemeiselten Erwartungen an meinen Partner. Einzig was ich sagen kann ist, dass ich Erwartungen, bezüglich den Gefühlen die er in mir auslösen sollte, habe.
Da ist vor allem etwas ganz zentral gelegen. Ich suche ein beschützendes Gefühl und das macht auch mein Verliebtsein aus.
Um dieses Gefühl auszulösen und zu halten sind mehrere Komponenten entscheidend.
Zum einen ganz simpel eine gewisse körperliche Ausstrahlung, dann generell eine gewisse charakterliche Ausstrahlung. Dahingehend ganz wichtig dass er authentisch ist und sich selber nicht verleugnen oder sich besser darstellen muss, als er ist und darin können sich auch wieder ganz unterschiedliche Charakterzüge und Eigenschaften drin verbergen.
Ein weiterer Punkt, Augenhöhe. Da spielt dann eben die Intelligenz besonders mit. Ein zu simpler Partner kann ich nicht mehr ernst nehmen und wen ich nicht mehr ernst nehmen kann, von dem habe ich dann auch kein Bedürfnis mehr beschützt zu werden und die Gefühle verschwinden ziemlich schnell. Hier schwingt auch noch ein anderer Faktor mit. Ein Mann der zB aus jeder kleinen Mücke gleich ein Problem schustert und sich weiss Gott was für unsinnige Gedanken macht, die in meinen Augen nicht nötig sind und nur drücken, kann ich mit der Zeit auch nicht mehr ernst nehmen. Und auch hier finden sich wieder diese konträr verlaufenden Eigenschaften. Ein simpler Geist tendiert eher zu einer lockeren Lebensweise als ein intelligenter Mensch. Ich denke, hier brauch ich wen mit ner guten Mischung aus beidem
Wenn Du das gemacht hast, wird meine nächste Frage sein: Warum hast Du diese Erwartung? Woher kommt der Wunsch danach? Was bedeutet es für Dich, wenn die Erwartung erfüllt wird, und was, wenn nicht? Wie wichtig ist dies für Dich?
Wenn die Erwartung nicht so erfüllt wird, wie Du es möchtest: Ist das eine Lücke? Kannst DU diese Lücke füllen?
Und was genau passiert, wenn Deine Schmetterlinge im Bauch weniger flattern? Welche Erwartung wurde dann nicht erfüllt?
Ich denke, diese Punkte habe ich im vorigen Abschnitt bereits aufgezeigt.
Du musst nicht an Deinen Erwartungen arbeiten. Aber es wird spannend für Dich, wenn Du an DIR arbeitest. Lerne DICH besser kennen.
Magst Du?
Ich weiss nicht, ob ich das muss... und ob ich mag, kann ich erst sagen, wenn es sich deutlich zeigt, dass dieses arbeiten an mir wirklich der Schlüssel wäre...
Aber dessen bin ich mir noch nicht so sicher...
Das ist etwas, so denke ich, dass erst die Zeit und eben weitere Erfahrungen zeigen wird. Was ich brauche ist Geduld. Aber soweit waren wir hier ja schonmal
