Einmal Polyamor - immer Polyamor?

Hey,
ich bin gerade ehr unfreiwillig in eine polyamore Beziehung "geraten". Gerade fällt es mir ein wenig schwer damit umzugehen da ich bis jetzt monogam gelebt habe und nun mit einer Beziehungsform "konfrontiert" bin, über die ich nie nachgedacht habe, die für mich bisher auch nie in Frage kam. Meine Partnerin ist verheiratet und hat zwei Kinder, wobei gesagt werden muss, dass sie schon beim Kennenlernen sehr offen mit diesem Thema war und die Karten auf den Tisch gelegt hat. Ihr Ehemann und auch die Kinder wissen von mir, wobei die Beziehung zu mir auch mit Zustimmung ihres Mannes erfolgt. In der Ehe meiner Partnerin gestalltet es sich so, dass beide auch außerhalb ihrer Ehe Partner haben können, dabei geht es aber nicht ausschließlich um Sex, vielmehr geht es um die Liebe, so wie es das Wort polyamore eigentlich beschreibt. Wie ich es bis jetzt erlebe, gerade in dieser Konstellation, gestaltet es sich zeitlich durchaus schwierig, da meine Partnerin nunmal Kinder hat, um die sich auch gekümmert werden muss, was auch durchaus richtig und vernünftig ist. Ausgeschlossen fühle ich mich dadurch nicht, jedoch beobachte ich, was für ein enormer Aufwand es ist, alles unter einen Hut zu bekommen, Ehemann, Kinder, Freund und das "ganz normale" Leben drumherum. Und dabei handelt es sich gerade "nur" um eine Beziehung in der die Frau zwei Partner hat. Meine Partnerin gibt sich sehr viel Mühe, mich in ihr Leben mit einzubinden, jedoch ist es noch immer komisch für mich, nach einem schönen Tag oder auch mal Tage sie wieder zuhause abzusetzen und zu wissen, drin wartet schon ihr Ehemann und ihre Kinder auf sie und ich werde morgen früh wieder alleine am Frühstückstisch sitzen... (abgesehen davon, dass es für mich neu ist, meine Partnerin zu teilen)
Dir kann ich sehr gut nachfühlen!!! .... Alles Gute!
 
Polyamor gefühlt habe ich schon immer. Heißt: mir war schon sehr früh klar, daß ich mich in mehr als einen Menschen gleichzeitig verlieben kann. Da ich nie betrügen wollte und früher nicht wußte, wie damit umgehen, habe ich in solchen Fällen den Kontakt zu beiden abgebrochen, weil ich mich nicht entscheiden wollte oder konnte und zum damaligen Zeitpunkt auch dachte, mit mir liefe was verkehrt. Besonders bindungsfreudig war ich sowieso nicht, ich wußte zwar, daß ich mich verlieben kann, aber wie Liebe dauerhaft funktionieren sollte war zum damaligen Zeitpunkt für mich eh nicht klar.

Im Lauf der Jahre sind mir verschiedene Beziehungskonstellationen - auch polyamore Verbindungen - bei anderen - begegnet, hab mich eine Weile damit beschäftigt. Und als ich meinen Mann kennenlernte und mich verliebt habe, habe ich mich wenige Wochen später auch noch in einen anderen Mann verliebt. Ich redete mit beiden darüber, dachte immer noch, ich müsse mich entscheiden. Mein Mann war derjenige, der mich bat, mich mit dem anderen zu treffen, ihn besser kennenzulernen. Das war für mich das Ausschlaggebende, mich von dem anderen zurückzuziehen. Mehrfachbeziehung war damals immer noch keine wirkliche Option für mich.

Mittlerweile haben wir seit Jahren eine offene Beziehung. Heißt nicht, daß ich fröhlich in der Weltgeschichte rumvögle, ich kann, wenn ich will, habe aber nur selten das Verlangen. Und ich erlaube mir jetzt auch, mich zu verlieben, wenn's passiert, ohne das Gefühl zu haben, mich entscheiden zu müssen. Es ist ein gutes Gefühl, damit offen gegenüber allen Beteiligten reden zu dürfen.

Was hat sich verändert? Es ist nicht so, daß immer alles perfekt läuft oder ich völlig frei von Eifersüchteleien wäre oder alles easy und glatt läuft. Mein Gefühlshaushalt ist anders als früher. Ich habe nicht mehr den Druck, mich entscheiden zu müssen. Wenn ich Gefühle für jemanden entwickle, dann sind sie eben da. Und ich rede nach wie vor mit allen Beteiligten darüber ohne den Anspruch, daß sie sich unbedingt kennenlernen müßten - wenn sie's tun, freu ich mich, wenn sie's nicht wollen, ist es auch ok.

"Gleichwertig" oder nicht - das ist nicht so die Frage. Mit meinem Mann habe ich eine verbindliche, sehr lebendige, manchmal schwierige, aber immer noch sehr innige Beziehung. Sollte sich irgendwann eine weitere Beziehung mit Mann oder Frau entwickeln, dann ist das eben so. Über Zeit und wer mit wem wieviel - darüber mache ich mir mittlerweile nicht mehr so viele Gedanken. Ich habe mich früher kaum so eng gebunden, daß ich ständig zusammensein wollte, ich werde das wohl auch in Zukunft nicht so halten, das ist doch immer eine Entwicklung, die zwischen zwei Menschen stattfindet.

Tja, und zur Eingangsfrage: mittlerweile empfinde ich das nicht mehr als Lebensstil, ich bin halt so und werde das auch immer sein, ich definiere mich als polyamor. Ob ich das zwingend ausleben muß: nein, die meiste Zeit lebe ich monogam. Ich habe nicht das Gefühl, mehrere Beziehungen zu brauchen. Nur eben, sie haben zu dürfen, wenn ich mich wieder mal verliebe.
 
Meiner Erfahrung nach kann jemand mehr als nur einen anderen Menschen lieben. Ja, richtig lieben, mit ausgewogenem Geben und Nehmen in vielerlei Hinsicht. Auch ohne Lügen!
Aber Polyamorie impliziert nicht Permanenz! Vielleicht erleben viele auch unterschiedliche Zeitabschnitte, "konvertieren" sozusagen zumindest vorübergehend zur Monogamie, die nur in religiösen Kreisen Permanenz impliziert.
Am meisten weh tat das Ende einer Beziehung, die im Begriffe war, dauerhaft monogam zu werden. Sie wurde von der damaligen Partnerin vermutlich aus Bindungsangst zerstört. Wahrscheinlich war sie polyamorös und konnte schon den Gedanken an ein Nie-Mehr nicht ertragen.
 
Ein Mensch,
der in Musik denken kann,
ist dann perfekt, wenn er auch spielen kann, was er denkt! Du sprichst eine der schönsten Kommunikationsformen an, die zwischenmenschlich überhaupt möglich sind. Zunächst nonverbal kann es aber auch Magic werden! Besonders für eine Frau, die einmal die gewaltigen Vibrationen eines 32" Orgelregisters erlebt hat.
 
Ich mag net lästig sein.
Soweit ich weiß gibt es sogar Stammtische, heute z.B. in Wien, wo man drüber reden kann, auch wenn man in Monogamie lebt und damit nicht richtig kann.

Könnte interessant sein, wenn man da Tendenzen hat, mit Leuten zu reden die es Leben oder auch gerade grübeln.

 
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