DUFTSTOFFE Warum wir einen Riecher für den Richtigen haben
Nicht der verführerische Blick, kein Modelkörper, nicht das sexy Outfit lässt unsere Leidenschaft entflammen. Nein, der Mensch liebt der Nase nach! Bei der Partnerwahl spielt das Duftprofil des Gegenübers eine entscheidende Rolle. Und auch der Sex wird intensiver, je mehr Duftstoffe im Spiel sind.
Warum sich Melanie in Sven verliebt hat, kann sie sich bis heute nicht erklären. Eigentlich gefiel ihr sein Freund Patrick viel besser. Braungebrannt, ein strahlendes Lachen und dann dieser Blick ...
Doch Melanie fühlte sich an dem Abend, als sie die beiden kennen lernte, immer mehr zum unscheinbaren, knochentrockenen Sven hingezogen. Die beiden kamen sich schnell näher. Kuss um Kuss wurde die Leidenschaft größer - und beiden war schnell klar: Wir gehören zusammen.
Was zeigt, dass es eigentlich nicht Liebe auf den ersten Blick heißen müsste, sondern Liebe auf den ersten Riecher. Denn was Melanie und Sven gegenseitig anzog, waren die Lockstoffe der Liebe, die Pheromone. Bewusst riechen können wir die nicht. Doch tief in unserer Nase sitzt das "vomeronasale Organ", sozusagen die Antenne für die feinen Duft-Botschaften.
photocase
Ohne dass wir es merken, werden hier die "geruchlosen Gerüche" verarbeitet und an das Hirn weitergeleitet. Das wiederum regt - bei Gefallen - die Produktion der Hormone an, die uns in die Arme des anderen treibt. Man könnte also sagen, der Sex-Nerv sitzt in der Nase.
Zwei Lockstoffe, die dem anderen Geschlecht den Kopf verdrehen, sind bekannt: das Androstenon bei Männern und das Kopulin bei Frauen.
In Studien zeigte sich, dass Männer das Bild einer Frau viel positiver beurteilen, wenn sie zuvor mit weiblichen Duftstoffen stimuliert wurden. Frauen wiederum setzten sich bei einem Test im Wartezimmer einer Zahnarztpraxis eher auf Stühle, die mit männlichen Duftstoffen besprüht wurden.
Frauen reagieren aber differenzierter auf Sexual-Lock-stoffe. Bei ihnen hängt die Wirkung stark vom Zyklus ab: Kurz vor ihrem Eisprung empfindet die Frau den Geruch des Mannes als besonders angenehm. Ein Trick der Natur, die so dem Mann zur fruchtbars-ten Zeit die besten Chancen bei der Frau verschafft.
Kein Wunder, dass viel experimentiert wird, um die Duftstoffe künstlich zu erzeugen. Unwiderstehlich dank Pheromon-Parfüm? Könnte klappen: Bei einer Studie mixten US-Forscher einem Teil der Probandinnen Sexual-Lockstoffe in ihr Parfüm, den anderen nicht. Die Teilnehmerinnen, von denen keine wusste, ob sie "gedoptes" Parfüm hatte oder nicht, führten Tagebuch über ihr Liebesleben. Ergebnis: 74 Prozent der Frauen, die Pheromone im Parfüm hatten, wurden häufiger geküsst und hatten mehr Sex. Die Singles unter ihnen hatten mehr Verabredungen.
Info
Wie Parfüm sexy macht
Ein Tupfer Parfüm hinters Ohr - und schon liegen einem die Männer zu Füßen. Ein schöner Traum, wie sie ähnlich in Patrick Süskinds Roman "Das Parfüm" umgesetzt wird. Tatsächlich werden längst Düfte mit Sexual-Lockstoffen kreiert. Für Männer gibt es Parfüms mit Androstenon, für Frauen mit Kopulinen. Den Sex-Appeal aus dem Flakon, auch Duschgel und Pheromon-Duftkerzen bieten Erotik-Shops und der Versandhandel an.
Falscher Partner wegen der Pille?
Bei der Partnerwahl verlassen wir uns unbewusst auch auf unseren Geruchssinn. Vor allem Frauen haben die Gabe, sich den Partner zu "erschnüffeln", der sich in seinem Genprofil stark von ihnen unterscheidet. Das ist gut, denn die größere Genvariante hilft, gesunde Nachkommen zu zeugen.
Bei Frauen, die mit der Pille verhüten, verändert sich die Geruchswahrnehmung. Forscher stellten fest, dass sie eher Partner wählten, die ihnen genetisch ähnlicher waren. Biologisch gesehen such sich also Pillen-Frauen eher den falschen Mann aus.
(Quelle: Berlinonline.de)