Wenn du mir freundlicherweise erklärst, worin mein, wissenschaftlich begründeter, Irrtum genau liegt? Ich lerne immer gerne dazu und habe auch keine Scheu, mich, bei nachgewiesenem Fehlschluß, zu korrigieren.
Ich bin kein Ernährungswissenschaftler, aber ich versuch trotzdem mal den Standpunkt klarzustellen, den ich aufgrund meines Wissensstandes vertrete:
Zur Sache (und immer bedenken, EF-kompatible Kurzversion): Dörrpflaumen z. B. (Tockenobst) ist quasi reine Fructose! Vom "normalen" Obst kann man nur nicht bis zur Schädlichkeitsgrenze verschlingen wegen dem bis zu 95 prozentigem Wasseranteil. Ernährungsberater mit Schwerpunkt Sportmedizin raten generell von (süßem) Obst ab, mit Ausnahme von Beeren. Die anthropologisch/entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhänge, den Stoffwechsel unserer Spezies betreffend, erspare ich Dir.
Zuerst muss man klar festhalten: Es geht hier um absolute Mengen, nicht um Prozentsätze. Rein theoretisch wäre es egal, ob ich 5g Fructose mit dem Löffel esse, Obst mit insgesamt 5g Fructose oder irgendeinen Süßkram mit 10g Saccharose (sind ca. 5g Fructose) esse. Aber: Nahrungsmittel können Dinge enthalten, die dazu führen, dass Nahrung langsamer verdaut wird, wie z.B. Ballaststoffe oder ein hoher Proteinanteil. Bei Obst ist es ersteres (dazu kommt natürlich der von dir angesprochene, hohe Wasseranteil, der es schwer macht, viel Obst auf einmal zu essen). Daher "schießt" der Zucker von Obst nicht sofort ins Blut, sondern die Magenentleerung wird aufgrund der Ballaststoffe verlangsamt. (
Ballaststoffe (20 Gramm Rohfasern) verzögern die Magenentleerung fester Speisen, senken den Blutzucker und verzögern das Hungergefühl, wie Untersuchungen der Autoren aus Verona gezeigt haben, wobei acht Probanden je eine Testmahlzeit mit 20 Gramm...
www.aerzteblatt.de
)
Was genau Beeren so toll macht - mit Ausnahme des hohen Ballaststoffanteils - ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Lt.
hat Dörrpflaume (von Trockenobst war übrigens nie die Rede, aber gut) pro 100g mehr Glukose (26g) als Fructose (13g), die ungetrocknete Version hat 4g Fructose und 5g Glukose. Die angesprochenen Beeren haben - z.B. Himbeeren mehr Fructose (3,1g) als Glukose (2,5g), Brombeere etwa jeweils 3g.
Ja, 100g Pflaumen haben mehr Fructose als 100g Himbeeren. Das heißt nicht, dass das eine schlechter ist, als das andere, sondern nur, dass ich, wenn ich weniger Fructose zu mir nehmen möchte, weniger davon essen kann.
Wie schon oben angesprochen geht es in erster Linie um Kalorien. Von Obst (nicht Dörrobst, nicht Smoothies, nicht Fruchtsäfte und auch nicht Süßigkeiten, die nach Obst schmecken) wird man praktisch nie Probleme wegen Fructose bekommen.
Der vom Körper benötigte Zucker ist Glucose. Dieser wird u. a. aus Saccharose aber auch aus Stärke (Teigwaren, Kartoffel etc.) und (in der Not) sogar aus Aminosäuren gebildet. Nur aus Fett wird keine Glucose, sehr wohl aber Ketonkörper verstoffwechselt. Fructose geht da einen anderen Stoffwechselweg und wird, wie von mir weiter oben, meinem "fragwürdigem Wissen" zum Trotz, zum Großteil in Körper(Depot)Fett umgewandelt. Süßes auf nüchternen Magen (da gehören auch alle süßen Obstsorten wie Bananen dazu) schickt der Magen quasi direkt in den Dünndarm, weil die Magensäure (anders als z. B. bei einem Wiener Schnitzel) hier nix zu zerlegen hat, was immer einem Zuckerschock gleichkommt und jeder Intention eines Muskelaufbaus entgegensteht, weil die Neubildung und das "Training" von Mitochondrien unterbrochen wird. Einfach mal Blutzucker messen vorher und nachher!
Der Körper kann auch andere Substanzen als Fructose "verbrennen". Du hast richtigerweise das Fett, dass als Keton verbrannt wird angesprochen. Aber auch Fructose wird als Glycerinaldehyd-3-Phosphat zur Energiegewinnung verbrannt. Eine Umwandlung in Fett geschieht dann, wenn die Energie nicht gebraucht wird, sprich, man in einem Kalorienüberschuss ist. Das ist bei Glukose aber nicht anders.
Im Gegensatz zu Glukose wird Fructose aufgrund der begrenzten Menge an Transportproteinen langsamer aufgenommen UND die Aufnahme führt anders als bei Glukose nicht zur Insulinausschüttung. Noch dazu verzögern, wie gesagt, Ballaststoffe im Obst die Magenentleerung. Der Zuckerschock bleibt bei Obst also aus. Nicht umsonst spricht man von einem niedrigen glykämischen Index bei Fructose und insbesondere Obst.
Wo ich dir zustimme: Für den Muskelaufbau, also die Kohlehydrate vor und nach dem Training, würde ich nicht in Form von Fructose zu mir nehmen, da man hier will, dass der Zucker schnell ins Blut und damit in den Muskel kommt (also etwas mit hohem glykämischen Index) UND das Insulin ausgeschüttet wird, weil das die Nährstoffaufnahme der Muskeln anregt. D.h. hier sticht eindeutig die Glukose.
Aber: Mitochondrien sind nur bedingt für den Muskelaufbau ausschlaggebend. Ja, die werden für die Energieversorgung gebraucht, aber viel mehr bedingt der Muskelaufbau die Verdickung und Verlängerung von Muskelfasern durch die Erhöhung der Anzahl von Sarkomeren.