Behinderung und Sexualität

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Ich bin behindert, ich bin kein Mensch mit besonderen Bedürfnissen, ich esse, scheiße und ficke, wie alle anderen auch und dennoch unterscheide ich mich von den Meisten. Und damit meine ich nicht nur meine Behinderung, sondern auch die Einstellung zur Sexualität.

Menschen mit Behinderung werden häufig als asexuelle Wesen gesehen und dargestellt. Es gibt ja auch nur EINE Behindertentoilette und somit keine geschlechtliche Unterscheidung - eine klassische sexuelle Diskriminierung, die gesellschaftlich akzeptiert wird. Behinderte haben kein Bedürfnis nach Intimität, Nähe und Sexualität – zumindest glauben das viele Mitmenschen und die Medien tun ihren Beitrag zu diesem Bild.

Was aber, wenn es anders ist? Was ist, wenn Frauen und Männer mit Behinderung ebenfalls sehr lustvolle, erotische, anregende und geile Menschen sind? Was ist, wenn Männer und Frauen mit Behinderung ebenso verführen können und verführt werden möchten?

Wie weit reicht die Vorstellung, dass andere Körperformen ebenfalls zu hoher Lust und Erotik führen kann? Wie weit lässt sich der Horizont erreichen, wenn man sich dem Thema gegenüber öffnet?

Ich kann sagen: Verdammt weit.

Seit ich wieder Single bin, erlebe ich Sexualität neu und bunter, wilder, sinnlicher, lebendiger und orgasmischer, als je zu vor. Ich habe das Talent zu verführen, Begierden zu wecken und Männer über sich hinaus wachsen zu lassen. Das hat mir seit einem halben Jahr unglaubliche Begegnungen beschert …

Doch was macht mich für Männer anziehend? Wenn ich sie frage, so antworten alle gleich: Weil du es bist. Ich entspreche keinem Schönheitsbild, zeige mich nie nackt auf Bildern und dann nur, wenn ich jemanden länger kenne.

Ist die Behinderung in der Sexualität relevant? Ja, denn sie ist sichtbar, ein wesentlicher Teil von mir, aber sie bestimmt das Spiel nicht. Sie stellt lediglich die Hülle dar - eine Art Leinwand für Möglichkeiten. Attraktivität ist letztendlich das, was zählt und nicht, ob eine Frau symmetrische Titten hat oder einen Apfelarsch. Sexualität beginnt viel mehr im Kopf und das, was für uns geistige Stimulanz bedeutet. Intelligente Menschen wissen das sehr zu schätzen.

Bin ich anspruchsvoll? Ja sehr. Ich lehne Männer ab, die mir nicht gefallen und das sehr unmissverständlich. Darf ich das? Ja. Einige reagieren beleidigt und meinen, ich müsse doch froh sein, dass mich überhaupt jemand will. Doch Fakt ist, ich kann jeden bekommen, den ich will. Ich habe daher die Möglichkeit der freien Wahl. Das ist nicht mal arrogant, sondern entspricht der Wahrheit und ich fühle mich sehr geschmeichelt und ich sonne mich gerne im Charme der Herren.

Ist Behinderung sexy? Ja, sie ist der außergewöhnliche – von der Norm abweichende - Teil, der eine Plattform für neue Erfahrungen und Möglichkeiten bieten kann. Kann Behinderung auch ein Fetisch sein? Oh ja und ich hatte mit solchen Herren reichlich (Amelos, Devotees, Admires, Wannabes, Pretender …) zu tun. Es kann der gleiche Fetisch sein, wie jemand, der auf extrem große Oberweite steht oder auf Füße. Sehe ich die Behinderung als Teil des Gesamtkunstwerk Mensch oder definiere ich den Menschen ausschließlich über die Behinderung. Ich muss zugeben, mit diesen Herren habe ich so meine Probleme …

Ich hatte das Glück eine feministische Jugend genossen zu haben, wo sexuelle Selbstbestimmung ein wesentlicher Teil meines Erwachsenwerdens bestimmte. Für mich war es immer klar, dass ich als Frau mit Behinderung nicht als Frau betrachtet werden würde, sondern immer nur als Person im Rollstuhl. Als ich meinen ersten Partner hatte und wir unterwegs waren, hielten Passanten ihn für meinen Zivi. Also die auf die Idee, dass er und ich ein Paar sein könnten, kamen sie nicht. Diese Erfahrung machte ich auch bei anderen Partnern – und ja, ich hatte und habe ausschließlich (intime) Beziehungen zu nichtbehinderten Männern. Ich bin ein Fan von Gegensätzen und Ergänzungen …

Als ich Teenager war, war meine Schwester der festen Überzeugung, ich würde nur behinderte Partner bekommen, weil nichtbehinderte Männer kein Interesse an Frauen wie mir haben würden und ich somit meine Partnersuche ausschließlich im Behindertenbereich tätigen sollte. Natürlich habe ich das nicht getan und ich würde behaupten, dass ich in sexueller Hinsicht mehr Erfahrung habe, als sie es je haben würde.

Ist es Neugierde? Ja … ich bin ein höchst neugieriger Mensch und ich fürchte mich nicht. Ein weiteres Talent von mir. Ich bin mir meiner physischen und psychischen Grenzen sehr bewusst, aber lote meine Grenzen immer neu aus, wenn mein Gegenüber stimmt. Meine polyamore Ader ermöglicht mir ein erweitertes Gefühlsfeld. Das ist wichtig, nicht nur für mich, sondern auch für mein Gegenüber. Vielleicht auch ein Grund, warum ich nie meine Vorlieben beschreibe.

Muss man mutig sein? Ich denke, Sex, Liebe und Lust hat nichts mit Mut zu tun, sondern mit der Fähigkeit zu geben und zu empfangen. Im April hatte ich mit einem Freund ein großartiges Fotoshooting, Normal, Teilakt und andere Sets. Wir haben uns danach lange unterhalten und wir sprachen über Erotik und Behinderung. Er schmunzelte und meinte: Er wünschte nicht behinderte Frauen sollten mehr von meinem Körperbewusstsein besitzen, dann wären sie viel glücklicher.

Ich habe gelernt mit ihm zu leben, meinem Körper. Nach 42 Jahren kann ich sagen, dass die Beziehung zu meinem Körper nicht schlecht ist. Es ist ein stetiger Kampf und ich gehöre sicher nicht zu den Frauen, die sich für zu fett, zu dünn oder nicht attraktiv halten. Ich arbeite täglich an meiner Selbstliebe und Akzeptanz ohne zu kritisieren, denn ändern kann ich ja doch nichts.

Meine Männerbekanntschaften helfen mir dabei sehr. Sind meine Männer also nur Mittel zum Zweck? Ja, warum nicht. Wenn Frauen und Männer häufig wechselnde Partner haben, dann wollen sie Bestätigung auf irgendeine Weise. Wir wollen geliebt und begehrt werden.

Fazit: Behinderung und Sexualität sind weder Widerspruch noch wirklich außergewöhnlich. Sexualität ist doch letztendlich so viel mehr. Und der Blick auf den Menschen mit seiner (un)Vollkommenheit ist doch spannend und ermöglichst uns einen tieferen Blick in uns selbst.

Natürlich würde mich Eure Meinung und Sichtweise interessieren.

LG Alex
 
Was soll ich nach aller Selbstbeweihräucherung noch dazu sagen?
Bleib so wie du bist und weiche nicht von deinem Weg ab.
Würdest du mir begegnen, würde ich deine Begleitung nicht für deinen Betreuer halten.
So unterschiedlich sind die Menschen. Ist doch toll, dass du deine Sexualität erfüllend ausleben kannst, dass du ein gutes Körperbewusstsein hast.
Mir geht es nicht anders.
 
Schön geschrieben, freut mich für dich daß du so ein erfülltes Sexleben hast.
Können wahrscheinlich nicht alle nicht Behinderten von sich behaupten.
Und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß genug Männer auf dich anspringen.
Wenn du selbstbewusst auftrittst, warum nicht.

Es gibt ja schon mehrere threads, die Behinderung und Sexualität zum Thema haben.
Dort klingt es meist nicht so positiv !

Nur bei deiner Bemerkung daß du jeden bekommen kannst, habe ich schon ein wenig schmunzeln müssen.
Weil eine die jeden bekommen könnte war noch nie interessant für mich .
Abgesehen davon, bin ich voll mit meiner liebsten ausgelastet.
lg
 
Hallöchen :) habe Deinen Beitrag gelesen und kann Dir dazu nur gratulieren! :respekt: Ich kenne einige Leute mit Handycap, die genaus locker wie Du damit umgehen...deshalb hab ich den Beitrag auch geliket, auch wenn Du dafür weder einen Rabbitvibrator oder sonst irgendwelche vergütigungen dafür bekommst.Solltest Du mal das Bedürftnis verspüren, kannst Du mich ja gern mal anschreiben.
Liebe Grüße BigB
 
@Mitglied #411164 ... bekommen könnte, bedeutet ja nicht, bekommen wollte ... ;) Ich bin in der Tat schon recht wählerisch und mir ist auch klar, dass viele Männer nicht auf mich anspringen. Ich bin mir dessen absolut bewusst. Auch bin ich mir bewusst, dass Viele einfach nur diese Erfahrung haben möchten und sich dann nie wieder melden. Ich kann damit wirklich gut leben. Das Gute daran ist halt, dass es für den Moment für alle Beteiligten stimmig ist und wie lange oder ob man sich wieder sieht, eher eine temporäre Rolle spielt.

Dass ich diese positiven Erfahrungen gemacht habe, ist ein langer Weg gewesen, mit viel Tränen und Wut. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo man loslässt.
 
Ich bin behindert, ich bin kein Mensch mit besonderen Bedürfnissen, ich esse, scheiße und ficke, wie alle anderen auch und dennoch unterscheide ich mich von den Meisten. Und damit meine ich nicht nur meine Behinderung, sondern auch die Einstellung zur Sexualität.

Menschen mit Behinderung werden häufig als asexuelle Wesen gesehen und dargestellt. Es gibt ja auch nur EINE Behindertentoilette und somit keine geschlechtliche Unterscheidung - eine klassische sexuelle Diskriminierung, die gesellschaftlich akzeptiert wird. Behinderte haben kein Bedürfnis nach Intimität, Nähe und Sexualität – zumindest glauben das viele Mitmenschen und die Medien tun ihren Beitrag zu diesem Bild.

Was aber, wenn es anders ist? Was ist, wenn Frauen und Männer mit Behinderung ebenfalls sehr lustvolle, erotische, anregende und geile Menschen sind? Was ist, wenn Männer und Frauen mit Behinderung ebenso verführen können und verführt werden möchten?

Wie weit reicht die Vorstellung, dass andere Körperformen ebenfalls zu hoher Lust und Erotik führen kann? Wie weit lässt sich der Horizont erreichen, wenn man sich dem Thema gegenüber öffnet?

Ich kann sagen: Verdammt weit.

Seit ich wieder Single bin, erlebe ich Sexualität neu und bunter, wilder, sinnlicher, lebendiger und orgasmischer, als je zu vor. Ich habe das Talent zu verführen, Begierden zu wecken und Männer über sich hinaus wachsen zu lassen. Das hat mir seit einem halben Jahr unglaubliche Begegnungen beschert …

Doch was macht mich für Männer anziehend? Wenn ich sie frage, so antworten alle gleich: Weil du es bist. Ich entspreche keinem Schönheitsbild, zeige mich nie nackt auf Bildern und dann nur, wenn ich jemanden länger kenne.

Ist die Behinderung in der Sexualität relevant? Ja, denn sie ist sichtbar, ein wesentlicher Teil von mir, aber sie bestimmt das Spiel nicht. Sie stellt lediglich die Hülle dar - eine Art Leinwand für Möglichkeiten. Attraktivität ist letztendlich das, was zählt und nicht, ob eine Frau symmetrische Titten hat oder einen Apfelarsch. Sexualität beginnt viel mehr im Kopf und das, was für uns geistige Stimulanz bedeutet. Intelligente Menschen wissen das sehr zu schätzen.

Bin ich anspruchsvoll? Ja sehr. Ich lehne Männer ab, die mir nicht gefallen und das sehr unmissverständlich. Darf ich das? Ja. Einige reagieren beleidigt und meinen, ich müsse doch froh sein, dass mich überhaupt jemand will. Doch Fakt ist, ich kann jeden bekommen, den ich will. Ich habe daher die Möglichkeit der freien Wahl. Das ist nicht mal arrogant, sondern entspricht der Wahrheit und ich fühle mich sehr geschmeichelt und ich sonne mich gerne im Charme der Herren.

Ist Behinderung sexy? Ja, sie ist der außergewöhnliche – von der Norm abweichende - Teil, der eine Plattform für neue Erfahrungen und Möglichkeiten bieten kann. Kann Behinderung auch ein Fetisch sein? Oh ja und ich hatte mit solchen Herren reichlich (Amelos, Devotees, Admires, Wannabes, Pretender …) zu tun. Es kann der gleiche Fetisch sein, wie jemand, der auf extrem große Oberweite steht oder auf Füße. Sehe ich die Behinderung als Teil des Gesamtkunstwerk Mensch oder definiere ich den Menschen ausschließlich über die Behinderung. Ich muss zugeben, mit diesen Herren habe ich so meine Probleme …

Ich hatte das Glück eine feministische Jugend genossen zu haben, wo sexuelle Selbstbestimmung ein wesentlicher Teil meines Erwachsenwerdens bestimmte. Für mich war es immer klar, dass ich als Frau mit Behinderung nicht als Frau betrachtet werden würde, sondern immer nur als Person im Rollstuhl. Als ich meinen ersten Partner hatte und wir unterwegs waren, hielten Passanten ihn für meinen Zivi. Also die auf die Idee, dass er und ich ein Paar sein könnten, kamen sie nicht. Diese Erfahrung machte ich auch bei anderen Partnern – und ja, ich hatte und habe ausschließlich (intime) Beziehungen zu nichtbehinderten Männern. Ich bin ein Fan von Gegensätzen und Ergänzungen …

Als ich Teenager war, war meine Schwester der festen Überzeugung, ich würde nur behinderte Partner bekommen, weil nichtbehinderte Männer kein Interesse an Frauen wie mir haben würden und ich somit meine Partnersuche ausschließlich im Behindertenbereich tätigen sollte. Natürlich habe ich das nicht getan und ich würde behaupten, dass ich in sexueller Hinsicht mehr Erfahrung habe, als sie es je haben würde.

Ist es Neugierde? Ja … ich bin ein höchst neugieriger Mensch und ich fürchte mich nicht. Ein weiteres Talent von mir. Ich bin mir meiner physischen und psychischen Grenzen sehr bewusst, aber lote meine Grenzen immer neu aus, wenn mein Gegenüber stimmt. Meine polyamore Ader ermöglicht mir ein erweitertes Gefühlsfeld. Das ist wichtig, nicht nur für mich, sondern auch für mein Gegenüber. Vielleicht auch ein Grund, warum ich nie meine Vorlieben beschreibe.

Muss man mutig sein? Ich denke, Sex, Liebe und Lust hat nichts mit Mut zu tun, sondern mit der Fähigkeit zu geben und zu empfangen. Im April hatte ich mit einem Freund ein großartiges Fotoshooting, Normal, Teilakt und andere Sets. Wir haben uns danach lange unterhalten und wir sprachen über Erotik und Behinderung. Er schmunzelte und meinte: Er wünschte nicht behinderte Frauen sollten mehr von meinem Körperbewusstsein besitzen, dann wären sie viel glücklicher.

Ich habe gelernt mit ihm zu leben, meinem Körper. Nach 42 Jahren kann ich sagen, dass die Beziehung zu meinem Körper nicht schlecht ist. Es ist ein stetiger Kampf und ich gehöre sicher nicht zu den Frauen, die sich für zu fett, zu dünn oder nicht attraktiv halten. Ich arbeite täglich an meiner Selbstliebe und Akzeptanz ohne zu kritisieren, denn ändern kann ich ja doch nichts.

Meine Männerbekanntschaften helfen mir dabei sehr. Sind meine Männer also nur Mittel zum Zweck? Ja, warum nicht. Wenn Frauen und Männer häufig wechselnde Partner haben, dann wollen sie Bestätigung auf irgendeine Weise. Wir wollen geliebt und begehrt werden.

Fazit: Behinderung und Sexualität sind weder Widerspruch noch wirklich außergewöhnlich. Sexualität ist doch letztendlich so viel mehr. Und der Blick auf den Menschen mit seiner (un)Vollkommenheit ist doch spannend und ermöglichst uns einen tieferen Blick in uns selbst.

Natürlich würde mich Eure Meinung und Sichtweise interessieren.

LG Alex
Ich finde, du machst dir zu viele Gedanken. Es ist nicht perse schlecht zu denken, im Gegenteil. Akzeptier dich einfach, du bist alt genug dafür. Wir haben alle unsere Besonderheiten, manche mehr, manche weniger. Lebe einfach dein Leben und hab Spaß :)
 
Ich bin behindert, ich bin kein Mensch mit besonderen Bedürfnissen, ich esse, scheiße und ficke, wie alle anderen auch und dennoch unterscheide ich mich von den Meisten. Und damit meine ich nicht nur meine Behinderung, sondern auch die Einstellung zur Sexualität.

Menschen mit Behinderung werden häufig als asexuelle Wesen gesehen und dargestellt. Es gibt ja auch nur EINE Behindertentoilette und somit keine geschlechtliche Unterscheidung - eine klassische sexuelle Diskriminierung, die gesellschaftlich akzeptiert wird. Behinderte haben kein Bedürfnis nach Intimität, Nähe und Sexualität – zumindest glauben das viele Mitmenschen und die Medien tun ihren Beitrag zu diesem Bild.

Was aber, wenn es anders ist? Was ist, wenn Frauen und Männer mit Behinderung ebenfalls sehr lustvolle, erotische, anregende und geile Menschen sind? Was ist, wenn Männer und Frauen mit Behinderung ebenso verführen können und verführt werden möchten?

Wie weit reicht die Vorstellung, dass andere Körperformen ebenfalls zu hoher Lust und Erotik führen kann? Wie weit lässt sich der Horizont erreichen, wenn man sich dem Thema gegenüber öffnet?

Ich kann sagen: Verdammt weit.

Seit ich wieder Single bin, erlebe ich Sexualität neu und bunter, wilder, sinnlicher, lebendiger und orgasmischer, als je zu vor. Ich habe das Talent zu verführen, Begierden zu wecken und Männer über sich hinaus wachsen zu lassen. Das hat mir seit einem halben Jahr unglaubliche Begegnungen beschert …

Doch was macht mich für Männer anziehend? Wenn ich sie frage, so antworten alle gleich: Weil du es bist. Ich entspreche keinem Schönheitsbild, zeige mich nie nackt auf Bildern und dann nur, wenn ich jemanden länger kenne.

Ist die Behinderung in der Sexualität relevant? Ja, denn sie ist sichtbar, ein wesentlicher Teil von mir, aber sie bestimmt das Spiel nicht. Sie stellt lediglich die Hülle dar - eine Art Leinwand für Möglichkeiten. Attraktivität ist letztendlich das, was zählt und nicht, ob eine Frau symmetrische Titten hat oder einen Apfelarsch. Sexualität beginnt viel mehr im Kopf und das, was für uns geistige Stimulanz bedeutet. Intelligente Menschen wissen das sehr zu schätzen.

Bin ich anspruchsvoll? Ja sehr. Ich lehne Männer ab, die mir nicht gefallen und das sehr unmissverständlich. Darf ich das? Ja. Einige reagieren beleidigt und meinen, ich müsse doch froh sein, dass mich überhaupt jemand will. Doch Fakt ist, ich kann jeden bekommen, den ich will. Ich habe daher die Möglichkeit der freien Wahl. Das ist nicht mal arrogant, sondern entspricht der Wahrheit und ich fühle mich sehr geschmeichelt und ich sonne mich gerne im Charme der Herren.

Ist Behinderung sexy? Ja, sie ist der außergewöhnliche – von der Norm abweichende - Teil, der eine Plattform für neue Erfahrungen und Möglichkeiten bieten kann. Kann Behinderung auch ein Fetisch sein? Oh ja und ich hatte mit solchen Herren reichlich (Amelos, Devotees, Admires, Wannabes, Pretender …) zu tun. Es kann der gleiche Fetisch sein, wie jemand, der auf extrem große Oberweite steht oder auf Füße. Sehe ich die Behinderung als Teil des Gesamtkunstwerk Mensch oder definiere ich den Menschen ausschließlich über die Behinderung. Ich muss zugeben, mit diesen Herren habe ich so meine Probleme …

Ich hatte das Glück eine feministische Jugend genossen zu haben, wo sexuelle Selbstbestimmung ein wesentlicher Teil meines Erwachsenwerdens bestimmte. Für mich war es immer klar, dass ich als Frau mit Behinderung nicht als Frau betrachtet werden würde, sondern immer nur als Person im Rollstuhl. Als ich meinen ersten Partner hatte und wir unterwegs waren, hielten Passanten ihn für meinen Zivi. Also die auf die Idee, dass er und ich ein Paar sein könnten, kamen sie nicht. Diese Erfahrung machte ich auch bei anderen Partnern – und ja, ich hatte und habe ausschließlich (intime) Beziehungen zu nichtbehinderten Männern. Ich bin ein Fan von Gegensätzen und Ergänzungen …

Als ich Teenager war, war meine Schwester der festen Überzeugung, ich würde nur behinderte Partner bekommen, weil nichtbehinderte Männer kein Interesse an Frauen wie mir haben würden und ich somit meine Partnersuche ausschließlich im Behindertenbereich tätigen sollte. Natürlich habe ich das nicht getan und ich würde behaupten, dass ich in sexueller Hinsicht mehr Erfahrung habe, als sie es je haben würde.

Ist es Neugierde? Ja … ich bin ein höchst neugieriger Mensch und ich fürchte mich nicht. Ein weiteres Talent von mir. Ich bin mir meiner physischen und psychischen Grenzen sehr bewusst, aber lote meine Grenzen immer neu aus, wenn mein Gegenüber stimmt. Meine polyamore Ader ermöglicht mir ein erweitertes Gefühlsfeld. Das ist wichtig, nicht nur für mich, sondern auch für mein Gegenüber. Vielleicht auch ein Grund, warum ich nie meine Vorlieben beschreibe.

Muss man mutig sein? Ich denke, Sex, Liebe und Lust hat nichts mit Mut zu tun, sondern mit der Fähigkeit zu geben und zu empfangen. Im April hatte ich mit einem Freund ein großartiges Fotoshooting, Normal, Teilakt und andere Sets. Wir haben uns danach lange unterhalten und wir sprachen über Erotik und Behinderung. Er schmunzelte und meinte: Er wünschte nicht behinderte Frauen sollten mehr von meinem Körperbewusstsein besitzen, dann wären sie viel glücklicher.

Ich habe gelernt mit ihm zu leben, meinem Körper. Nach 42 Jahren kann ich sagen, dass die Beziehung zu meinem Körper nicht schlecht ist. Es ist ein stetiger Kampf und ich gehöre sicher nicht zu den Frauen, die sich für zu fett, zu dünn oder nicht attraktiv halten. Ich arbeite täglich an meiner Selbstliebe und Akzeptanz ohne zu kritisieren, denn ändern kann ich ja doch nichts.

Meine Männerbekanntschaften helfen mir dabei sehr. Sind meine Männer also nur Mittel zum Zweck? Ja, warum nicht. Wenn Frauen und Männer häufig wechselnde Partner haben, dann wollen sie Bestätigung auf irgendeine Weise. Wir wollen geliebt und begehrt werden.

Fazit: Behinderung und Sexualität sind weder Widerspruch noch wirklich außergewöhnlich. Sexualität ist doch letztendlich so viel mehr. Und der Blick auf den Menschen mit seiner (un)Vollkommenheit ist doch spannend und ermöglichst uns einen tieferen Blick in uns selbst.

Natürlich würde mich Eure Meinung und Sichtweise interessieren.

LG Alex
Dein Beitrag hat mich sehr...Zu Tränen gebracht..War vor zwei Jahren selbst im Rollstuhl,kann zwar wieder Gehen...aber die Schmerzen begleiten mich nachhause...Polyneurophtie..ein Horror ..aber jeder Tag ist trotzdem schön.
 
Sehr positive Sichtweise die du hier zeigst, das finde ich top!

Ich hatte auch schon (u.a. sexuelle) Erfahrungen mit körperlich Beeinträchtigten Menschen, und diese haben sich nie über Ihre Beeinträchtigung definiert, obwohl sie natürlich ein wesentlicher Teil ihres Lebens war/ ist.

Beeinträchtigung und Sexualität schließen sich natürlich in keinster Weise aus, ich denke aber, dass es vielen unbeeinträchtigten Menschen unangenehm ist, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen/darüber genauer nachzudenken und deshalb lieber nicht andenken(Abstrus, ich weiß).

Spannend ist natürlich immer die Person als solches, nicht ob sie gehen kann oder nicht.

Nach dem wie du dich gibst, bin ich der Meinung, dass du dich als Person, und nicht deine Beeinträchtigung, in den Vordergrund stellst. Deshalb ist letztere in dieser Hinsicht absolut vernachlässigbar.


PS: ich bin schon der Meinung, dass auch du jemand mit besonderen Bedürfnissen bist. Denn jeder hat eigene, persönliche, besondere Bedürfnisse! ;)
 
Ich bin behindert, ich bin kein Mensch mit besonderen Bedürfnissen, ich esse, scheiße und ficke, wie alle anderen auch und dennoch unterscheide ich mich von den Meisten. Und damit meine ich nicht nur meine Behinderung, sondern auch die Einstellung zur Sexualität.

Menschen mit Behinderung werden häufig als asexuelle Wesen gesehen und dargestellt. Es gibt ja auch nur EINE Behindertentoilette und somit keine geschlechtliche Unterscheidung - eine klassische sexuelle Diskriminierung, die gesellschaftlich akzeptiert wird. Behinderte haben kein Bedürfnis nach Intimität, Nähe und Sexualität – zumindest glauben das viele Mitmenschen und die Medien tun ihren Beitrag zu diesem Bild.

Was aber, wenn es anders ist? Was ist, wenn Frauen und Männer mit Behinderung ebenfalls sehr lustvolle, erotische, anregende und geile Menschen sind? Was ist, wenn Männer und Frauen mit Behinderung ebenso verführen können und verführt werden möchten?

Wie weit reicht die Vorstellung, dass andere Körperformen ebenfalls zu hoher Lust und Erotik führen kann? Wie weit lässt sich der Horizont erreichen, wenn man sich dem Thema gegenüber öffnet?

Ich kann sagen: Verdammt weit.

Seit ich wieder Single bin, erlebe ich Sexualität neu und bunter, wilder, sinnlicher, lebendiger und orgasmischer, als je zu vor. Ich habe das Talent zu verführen, Begierden zu wecken und Männer über sich hinaus wachsen zu lassen. Das hat mir seit einem halben Jahr unglaubliche Begegnungen beschert …

Doch was macht mich für Männer anziehend? Wenn ich sie frage, so antworten alle gleich: Weil du es bist. Ich entspreche keinem Schönheitsbild, zeige mich nie nackt auf Bildern und dann nur, wenn ich jemanden länger kenne.

Ist die Behinderung in der Sexualität relevant? Ja, denn sie ist sichtbar, ein wesentlicher Teil von mir, aber sie bestimmt das Spiel nicht. Sie stellt lediglich die Hülle dar - eine Art Leinwand für Möglichkeiten. Attraktivität ist letztendlich das, was zählt und nicht, ob eine Frau symmetrische Titten hat oder einen Apfelarsch. Sexualität beginnt viel mehr im Kopf und das, was für uns geistige Stimulanz bedeutet. Intelligente Menschen wissen das sehr zu schätzen.

Bin ich anspruchsvoll? Ja sehr. Ich lehne Männer ab, die mir nicht gefallen und das sehr unmissverständlich. Darf ich das? Ja. Einige reagieren beleidigt und meinen, ich müsse doch froh sein, dass mich überhaupt jemand will. Doch Fakt ist, ich kann jeden bekommen, den ich will. Ich habe daher die Möglichkeit der freien Wahl. Das ist nicht mal arrogant, sondern entspricht der Wahrheit und ich fühle mich sehr geschmeichelt und ich sonne mich gerne im Charme der Herren.

Ist Behinderung sexy? Ja, sie ist der außergewöhnliche – von der Norm abweichende - Teil, der eine Plattform für neue Erfahrungen und Möglichkeiten bieten kann. Kann Behinderung auch ein Fetisch sein? Oh ja und ich hatte mit solchen Herren reichlich (Amelos, Devotees, Admires, Wannabes, Pretender …) zu tun. Es kann der gleiche Fetisch sein, wie jemand, der auf extrem große Oberweite steht oder auf Füße. Sehe ich die Behinderung als Teil des Gesamtkunstwerk Mensch oder definiere ich den Menschen ausschließlich über die Behinderung. Ich muss zugeben, mit diesen Herren habe ich so meine Probleme …

Ich hatte das Glück eine feministische Jugend genossen zu haben, wo sexuelle Selbstbestimmung ein wesentlicher Teil meines Erwachsenwerdens bestimmte. Für mich war es immer klar, dass ich als Frau mit Behinderung nicht als Frau betrachtet werden würde, sondern immer nur als Person im Rollstuhl. Als ich meinen ersten Partner hatte und wir unterwegs waren, hielten Passanten ihn für meinen Zivi. Also die auf die Idee, dass er und ich ein Paar sein könnten, kamen sie nicht. Diese Erfahrung machte ich auch bei anderen Partnern – und ja, ich hatte und habe ausschließlich (intime) Beziehungen zu nichtbehinderten Männern. Ich bin ein Fan von Gegensätzen und Ergänzungen …

Als ich Teenager war, war meine Schwester der festen Überzeugung, ich würde nur behinderte Partner bekommen, weil nichtbehinderte Männer kein Interesse an Frauen wie mir haben würden und ich somit meine Partnersuche ausschließlich im Behindertenbereich tätigen sollte. Natürlich habe ich das nicht getan und ich würde behaupten, dass ich in sexueller Hinsicht mehr Erfahrung habe, als sie es je haben würde.

Ist es Neugierde? Ja … ich bin ein höchst neugieriger Mensch und ich fürchte mich nicht. Ein weiteres Talent von mir. Ich bin mir meiner physischen und psychischen Grenzen sehr bewusst, aber lote meine Grenzen immer neu aus, wenn mein Gegenüber stimmt. Meine polyamore Ader ermöglicht mir ein erweitertes Gefühlsfeld. Das ist wichtig, nicht nur für mich, sondern auch für mein Gegenüber. Vielleicht auch ein Grund, warum ich nie meine Vorlieben beschreibe.

Muss man mutig sein? Ich denke, Sex, Liebe und Lust hat nichts mit Mut zu tun, sondern mit der Fähigkeit zu geben und zu empfangen. Im April hatte ich mit einem Freund ein großartiges Fotoshooting, Normal, Teilakt und andere Sets. Wir haben uns danach lange unterhalten und wir sprachen über Erotik und Behinderung. Er schmunzelte und meinte: Er wünschte nicht behinderte Frauen sollten mehr von meinem Körperbewusstsein besitzen, dann wären sie viel glücklicher.

Ich habe gelernt mit ihm zu leben, meinem Körper. Nach 42 Jahren kann ich sagen, dass die Beziehung zu meinem Körper nicht schlecht ist. Es ist ein stetiger Kampf und ich gehöre sicher nicht zu den Frauen, die sich für zu fett, zu dünn oder nicht attraktiv halten. Ich arbeite täglich an meiner Selbstliebe und Akzeptanz ohne zu kritisieren, denn ändern kann ich ja doch nichts.

Meine Männerbekanntschaften helfen mir dabei sehr. Sind meine Männer also nur Mittel zum Zweck? Ja, warum nicht. Wenn Frauen und Männer häufig wechselnde Partner haben, dann wollen sie Bestätigung auf irgendeine Weise. Wir wollen geliebt und begehrt werden.

Fazit: Behinderung und Sexualität sind weder Widerspruch noch wirklich außergewöhnlich. Sexualität ist doch letztendlich so viel mehr. Und der Blick auf den Menschen mit seiner (un)Vollkommenheit ist doch spannend und ermöglichst uns einen tieferen Blick in uns selbst.

Natürlich würde mich Eure Meinung und Sichtweise interessieren.

LG Alex
Wown, hammer geil wie du das geschrieben hast. Respekt für deinen Mut :up:
 
Jetzt mal ehrlich, was bleibt ihr anderes übrig, als Mut zu beweisen und es einfach anzugehen.
Sie ist taff und intelligent und möchte nicht auf der Stelle treten und sich selbst bemitleiden.
Ich bewundere ihren Mut ganz klar,obwohl ziemlich viele normalos den Leuten immer wieder schwer machen .....
 
Das einzige was mir dazu einfällt ist Gratulation!!!!

Dafür, dass du dich akzeptierst wie du bist, dafür, dass du dich als die vollwertige Frau siehst die du bist, dafür, dass du lebst, du Frau bist, das Leben genießt und es auskostest, dass du dir erlaubst egoistisch zu sein und das zu tun was dir gut tut und dir Spaß macht!

Weiter so!!!!!
 
Das einzige was mir dazu einfällt ist Gratulation!!!!

Dafür, dass du dich akzeptierst wie du bist, dafür, dass du dich als die vollwertige Frau siehst die du bist, dafür, dass du lebst, du Frau bist, das Leben genießt und es auskostest, dass du dir erlaubst egoistisch zu sein und das zu tun was dir gut tut und dir Spaß macht!

Weiter so!!!!!
ja Weiter so,;):down:
 
Hallo AlexBijou

Toll geschrieben. Ich bin gerade dabei zu versuchen über meinen Schatten zu Springen. Was die Sexualität mit Behinderung bedeutet um mehr Selbstvertrauen und Gleichklang zu finden im Leben.
Momentan fällt es mir noch sehr schwer aber Du gibst mir MUT und KRAFT diesen WEG zu gehen wie Du.

LG
 
Du hast absolut recht. Mehr kann man(n) nicht dazu sagen.

Für die mitlesenden Steirer und Rinnen kann ich nur anmerken, dass es in den meisten steirischen Bezirken Außenstellen der Fachstelle "Hautnah" (einfach in diversen Suchmaschinen eingeben) gibt. Dort kann Frau und Mann, anonym hingehen und Gespräche führen bzw. sich "beraten" lassen um eben auch so eine positive Einstellung wie Alex zu entwickeln.
Oder man machts wie ich, in dem man einfach macht, anstatt sich verunsichern zu lassen. Und der Beitrag, den ich da verfasst hatte, ist ja doch auch wieder über ein Jahr her und ich hab allerhand erlebt in den letzten Monaten.
 
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