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Ein Beispiel: Einer meiner Neffen bringt plötzlich keine Hausaufgaben mehr, vergisst Bücher, Hefte oder Schreibmaterial. Schulpsychologin. Die stellt irgendein lateinisches Syndrom fest. Daraufhin wird eine Schulkollegin zu seiner Assistentin erkoren, die sich nun um die "vergessenen Dinge" kümmern soll. Das passt meinem Neffen aber nach einiger Zeit gar nicht, dass da jetzt jemand in seinen Sachen herumtut. Und - oh Wunder - er hat seine Sachen wieder beieinander und auch die Hausaufgaben sind da.Wenn man ihnen Zeit und einen passenden Rahmen gibt, entstehen oft überraschend offene und reflektierte Gespräche.
Irgendwo dazwischen habe ich meinem Neffe um eine Kleinigkeit gebeten. Er: "Kann ich nicht, weil ich hab ein lateinisches Syndrom." Hab ihn zweifelnd angeschaut und ihm auf den Kopf zugesagt, dass er nur stinkend faul ist. Er hat gegrinst und gemacht, was ich wollte.
Fazit: Wenn man jungen Menschen eine Ausrede gibt, sich das Leben einfacher zu machen, dann werden sie es sofort annehmen - sind ja nicht blöder als wir es seinerzeit waren.
Dadurch räumt man ihnen aber auch alle Möglichkeiten aus dem Weg, sich selbst Problemen zu stellen, selber etwas zu schaffen und somit auch Selbstvertrauen zu erreichen.
Heraus kommen total verunsicherte und unselbstständige Jugendliche und junge Erwachsene, die plötzlich mit 18, 19 oder 20 dastehen und keine Ahnung haben, wie sie auch nur ein kleines Problem angehen können. Die wegen jedem schärferen Wort oder nicht erwartungsgemäßen Verlauf zu jammern beginnen, tief gekränkt sind und Hilfe von irgendwen erwarten. Kein Wunder, war ja bisher auch so.
Wir, die Älteren, haben diese Jugendlichen erschaffen. Wir wollten ihnen ein möglichst gutes Leben ermöglichen, ihnen die Schwierigkeiten ersparen, die wir hatten. Da haben wir ihnen aber eher einen Bärendienst erwiesen. Denn wenn ich meine Kinder die ganze Zeit unter einen Glassturz stelle und nach 20 Jahren herausnehme, kann ich nicht erwarten, dass sie plötzlich im Leben bestehen können.
Klar sind die Anforderungen andere geworden, wie in jeder Generation davor auch. Klar fehlen mir manche Zugänge, wie auch meinen Eltern und Großeltern bei meiner Lebensrealität.
Mir ist klar, dass die Welt sich heute schneller dreht als vor 50 Jahren. Dafür muss sich die heutige Jugend keine Sorgen mehr machen, ob und wo sie ihre nächste Mahlzeit herbekommen, was in meiner Jugend schon auch mal Thema war.
Trotz permanenter Erreichbarkeit wegen Handys, mit denen schon Vorschulkindern herumrennen, und 2718 Freunden in FB, ist die Vereinsamung meiner Meinung nach gestiegen, da die junge Generation nicht mehr wirklich miteinander kommunizieren kann, keine Bindungen zueinander aufbauen kann. Und zu posten, was ich gerade esse oder wo ich mich gerade herumtreibe ist keine Kommunikation, das ist nur Selbstdarstellung und ein Zeichen dafür, dass es eigentlich niemanden interessiert.


