wer oder was ist kaisermühlenblues?!?
ach ja, eine 30 jahre alte mässig lustige fernsehserie aus den 90ern. da könnte man ja gleich mundl sackbauers bild von der gesellschaft zitieren.
Vielleicht hat sich einiges zum Positiven verändert, es ist zu hoffen. In meinem Umfeld deklariere ich mich nicht als SW, die Angst vor negativen Reaktionen ist einfach zu gross.
Auch in vermeintlich simplen Dingen steckt viel Sorgfalt und Mühe.
Und manche Beobachtungen
aus dieser Serie, wie das Gerede übereinander, empfinde ich als durchaus zeitlos.
Die Serie sollte zwar ein durchaus humorvolles Bild der "einfachen Leute im Gemeindebau" und der "grantigen Wiener" zeichnen, aber es wurden auch gesellschaftlich relevante Themen wie soziale Unterschiede, Rassismus, Rechtspopulismus, Korruption und die Doppelmoral der Kirche pointiert dargestellt.
Für die damals ziemlich einzigartige Darstellung eines Menschen mit geistiger Behinderung erhielt die Serie besonderes Lob.
Ach ja, zum Thema Sexarbeit gab es auch noch weitere Darstellungen, wie eine Reise nach Budapest mit unangenehmen Folgen und eine SW, die von Ihrem Zuhälter bedroht wird. Humorvoll bzw. spannend, aber eben auch weitgehend negativ.
Auch "Mundl" war nicht nur ein lustiger, zu Wutanfällen neigender Prolet, sondern der Versuchs eines Sittenbilds der damaligen Gesellschaft im Arbeitermilieu.
Der Regisseur beider Serien, Ernst Hinterberger, hat sein ganzes Leben in einem Gemeindebau gelebt, auch noch als er es sich hätte leisten können, wegzuziehen. Ich denke also nicht, dass er irgendjemand abfällig präsentieren wollte, sondern das Leben und die Leute und deren Probleme liebevoll-kritisch darstellen wollte.
a bissl was, wird sich dann wohl doch zum besseren verändert haben. hoffentlich halt
Sicher entwickelt sich die Gesellschaft immer weiter, aber was SW betrifft, bin ich nur vorsichtig optimistisch.
Die ganzen Interviewanfragen in meinem Postfach veranschaulichen mir immer wieder, dass Sexarbeit etwas ist, dass die Leute fasziniert und über das sie mehr wissen wollen. Ist toll, lieber wäre es mir allerdings, wenn Sexarbeit inzwischen so alltäglich wäre, dass es nicht derartiges Interesse erweckt.
SW werden wohl immer irgendwie Aussenseiterinnen und Faszinosum bleiben.
Sehenswert zum Thema aus neuerer Zeit sind u.a. der Film "Meine Stunden mit Leo" und die letztes Jahr erschiene Dokumentation "Corpus Homini".
"Anora", oskarprämiert, habe ich noch nicht gesehen, geht aber offensichtlich negativ für die Protagonistin aus. Nichts Neues.
Das Problem ist das Fehlen von Darstellungen, in denen SW als positive Role Models dargestellt werden.
Entweder sie sind in den Fängen eines "Loverboys" (Nathalie - Endstation Babystrich) oder sehr arm oder drogenabhängig (Requiem for a Dream, Wir Kinder vom Bahnhof Zoo) oder kriminell oder sie werden bedroht oder ermordet (besonders in diversen älteren Krimis wie Derrick) oder gezwungen oder sie verlieren zunehmend die Kontrolle über ihr Leben (Fucking Berlin) oder sie "retten" sich selbst durch einen Jobwechsel oder werden "gerettet" (Pretty Woman).
Bleibt die Frage, ob all die negativen Darstellungen tatsächlich der Lebensrealität der meisten SW gerecht werden oder ob sie gängige Vorurteile über SW wiedergeben und damit als real darstellen.