Naja, gleichzeitig ist aber auch der Kontakt der Bevölkerung zur Partei verloren gegangen. Die Bevölkerung hat sich eben auch stark gewandelt, nicht zuletzt auch unter dem Einfluss der SPÖ-Politik.
Du sprichst da etwas sehr wichtiges an.
Irgendwie ist es auch eine
"was war früher, die Henne oder das Ei-Frage"
Es stimmt aber natürlich beides, sowohl die SPÖ hat sich von der Bevölkerung (zumindest für sie wichtigen Teilen) entfernt, aber auch die Wähler haben ihre Bindung zur SPÖ verloren.
Für's erste gibt es verschiedene Gründe, einer ist mit Sicherheit auch einer der Hauptgründe für die
Politikverdrossenheit insgesamt.
Es fehlen heute nämlich jene
Politikerpersönlichkeiten bei denen man merkt
"der steht für das und jenes und der will genau das und jenes für uns erreichen!". Von
"Visionären" und
"Kämpfern", wurden heute reine Verwalter von denen man das Gefühl hat, sie wären alle austauschbar.
Das Parteiprogramm aus deren Munde klingt auswendig gelernt aber nicht als deren ureigenes Anliegen.
Bei der SPÖ kann man auch sagen
"der Erfolg fraß seine Kinder auf", soll heißen, gerade der Erfolg von Kreisky und seinen Mannen bei der materiellen Besserstellung der Menschen, entwickelte sich zum aktuellen politischen Desaster.
Die Kreisky-SPÖ schaffte es nämlich offensichtlich nicht, die damals Jüngeren
nachhaltig zu ideologisieren.
Die letzten noch halbwegs ideologischen Sozialisten waren jene, die noch entfernt - und wenn auch nur aus den Erzählungen der Eltern, etc. - vom
Bürgerkrieg geprägt waren.
Und da war halt der Fehler der SPÖ den Menschen nicht erklären zu können, daß (aus ihrer Sicht) der allgemeine wirtschaftliche Wohlstand für alle, nur mit den sozialistischen Grundwerten abzusichern ist.
Aber eben auch die Bevölkerung beging den Fehler, daß sie den Erklärungsversuchen der Sozialisten nicht wirklich offen gegenüberstanden. Den
"Ideologierungsversuchen" der Genossen stand doch zumeist viel eher der Gedanke gegenüber
"wos soll i heit bei der SP-Grundsatzveranstaltung oder dem Kulturtag, weh so schee is draußt, gemma lieber ins Arbeiterstrandbad!"
"Solidarisch" war man so lange, solang es einem wirtschaftlich besser ging und 1x jährlich konnte man dann bei
Licht ins Dunkel sein solidarisches Gewissen beruhigen und fühlte sich als
Spendenweltmeister.
Jetzt, wo momentan die
gebratenen Tauben nimmer automatisch auf den Teller fallen, obwohl man in Wien z.B. noch immer bedeutend billiger wohnt, als in einer vergleichbaren anderen EU-Hauptstadt, fällt man leider schon wieder auf die
einfachen aber falschen Lösungen des vermeintlich starken Mannes herein, wie schon Jahrzehnte zuvor!
Traurig, aber aus meiner Sicht ist's so!