Bei den meisten Begriffen erleichtert es die Diskussion, wenn man dazusagt, wie man sie verwendet und verstanden wissen möchte. Rollenspiel ist so ein mehrdeutiger Begriff. Wenn ich's im Sinne von Theater verwende, dann spiele ich eine Rolle, die nichts mit dem zu tun hat, was ich gerade tun würde, wenn ich nicht diese Rolle spielte. Im Leben abseits der Bühne legen wir immer wieder Verhaltensweisen/Einstellungen an den Tag, die mit bestimmten Kontexten verbunden sind, die durchaus "echt" sind, und die dennoch eine Rolle sein können. Die meisten Menschen organisieren ihr Leben mithilfe vieler solcher Rollen - statt Rollen ließe sich hochtrabend sagen: kontextgebundene Verhaltenskomplexe. Im BDSM ist das durchaus häufig. Der "strenge Dom" kann im Team seiner Arbeitskollegen freundlich und kooperativ und in der Familie ein Muttersöhnchen sein. Die willfährige Sklavin, die sich den Arsch blau spanken lässt (und das mit echter Hingabe geschehen lässt und genießt), kann vielleicht liebevolle Kindergartentante sein. Das hat schon für viele Klischeebildungen Stoff abgegeben ...
Was beim Spanking im Vordergrujnd steht, das wird von Einzelfall zu Einzelfall sehr verschieden sein. Die einen stellen eher den Sadomaso-Aspekt in den Vordergrund, die anderen die demütigende Situation, die dritten kombinieren beides und wieder andere akzeptieren und empfinden es lustfrei als Strafe.
Bei mir zum Beispiel fällt der Sadomaso-Effekt nahezu flach; es sollte schon intensiv spürbar sein, aber heftigere Schmerzen empfinde ich als Lust tötend. Ich werd geil durch die Situation, einem Gegenüber ausgeliefert zu sein, das mich rannimmt, wie's gerade passt, mit mir spielt, mit dieser ganzen Palette an Reizen am gesamten Körper, die gerade so weh tun, dass es noch einen lustvollen Schauder auslöst, die schon so intensiv sind, dass sie sich von Streicheleinheiten deutlich unterscheiden, die von Kopf bis Fuß alles als erotische Spielwiese nutzen ... da spielt auch das Spanking eine klassische, wichtige Rolle, wird es zum herrlichen, submissiven Genuss. Leider gibt es nur ziemlich wenige Menschen, mit denen das vollumfänglich geht, bei denen man sich als sub vertrauensvoll fallen lassen und die Kontrolle abgeben kann. Voraussetzung ist, dass man darüber reden kann miteinander (was ja auch sehr lustvoll sein kann). Mit vielen anderen geht es halt nur in Teilbereichen, gut kontrolliert, das sind dann sozusagen halbe Sachen, und da muss jeder für sich entscheiden, ob ihm/ihr halbe Sachen lieber sind als gar keine.