Die Fragestellung ist schon mal, wie so oft hier, durch mangelnde Begriff -Kenntnisse gesteuert, daher total absurd.
Auf den Kant in Deinem Motto antworte ich mit Ernst von Glasersfeld und dem Radikalen Konstruktivismus: Was einer an einem Begriff begreift, resultiert aus seiner subjektiven Wahrnehmung ... es kann daher keine objektive Begriffs-Definition geben, sondern immer nur einen subjektiven, reichhaltig durch Konnotationen betimmten Deutungskomplex. Der Sprachgebrauch mündet in so etwas wie soziale Konstrukte von Begriffen, und da sind Transen bzw. Transvestiten sprachüblicher Weise dem männlichen Geschlecht zugeordnet – was, wie so viele andere Begrifflichkeiten auch, unpräzise ist, aber nixdesto gebräuchlich. Selbstverständlich finden sich transsexuelle Personen hier wie da ... die wiederum haben mit Travestie wenig zu tun. Zwischen der psychosozialen Verortung der Persönlichkeitsanteile und der Lust, mit den (eigenen) Geschlechtergrenzen zu spielen und sie zu transzendieren (um auch noch ein anderes trans einzuführen, "Transe" muss ja ethymologisch nicht nur von "transsexuell" kommen, sondern zunächst einmal nur von "trans" als Vorwort der Grenzüberschreitung), gibt es sehr komplexe und inviduell sehr unterschiedlich gelagerte Erscheinungsformen. Aus Respekt vor den Menschen, die sich im eigenen Körper nicht daheim fühlen und sich daher ins andere Geschlecht verwandeln, möchte ich das nicht verwechseln mit den Menschen, die Travestie als erotisches Spiel betreiben – wie jemand hier mal treffsicher anmerkte: Die einen haben die Wahl, was sie gern sein wollen, die anderen leiden darunter, dass sie körperlich nicht das sind, als was sie sich psychisch fühlen. Die haben keine Wahl.
Die Fragestellung macht also (wenn sie denn ernst gemeint war) durchaus Sinn ... sofern ich mich überhaupt bemüßigt fühle, diese oder jene Erotik als "schwul" zu bezeichnen. Sie wird dann absurd, wenn ich darauf verzichte, erotische Lust und geschlechtliche Unterscheidung quasi automatisch zu verknüpfen. Wenn ich Erotik mit Männern als ebenso lustvoll empfinde wie Erotik mit Frauen, dann treten Apostrophierungen wie "schwul" etc. in den Hintergrund, und im Vordergrund verbleibt die Lust von Menschen, die es einfach genießen, miteinander ihre Sinnlichkeit zu leben.
Die Wirklichkeit sieht – meistens – anders aus. Wir haben unsere sexuellen Präferenzen, aus vielschichtigen Motiven, und wir haben unsere Schwierigkeiten und Fragezeichen, wenn die individuell erlebten Präferenzen mit den sozial definierten Rollen in Konflikt geraten. Da tauchen dann schon einmal Fragestellungen auf wie jene, die diesen Thread begründet. Wobei sich das ja durchaus auch mit etwas humorvollem Augenzwinkern nehmen lässt ... aber für die Verbindung von Humor und Triebleben bedarf es schon einer ziemlich gut ausgebildeten, toleranten Souveränität im Umgang mit den eigenen und fremden sexuellen Befindlichkeiten, was mir eher die Ausnahme denn die Regel zu sein scheint ... wenn's klemmt, hat der Humor keine Chance.