Kommunen - warum heute nicht mehr angesagt?

Ich denk mir immer, wir sind heut zu Tage doch schon sehr offen mit dem Umgang rund um Sex. Heute hast am NM schon Werbung von einem iNet Sexshop im TV. Das war vor Jahren undenkbar. Und doch vermisse ich ein wenig diese Hippie, freie Liebe Bewegung. Gerade heut zu Tage wo alle so auf Freiheit aus sind. Dabei geht es ja nicht rein um Sex!!!

ich könnte mir zB gut vorstellen, mit Menschen die ich gerne habe, irgendwo in einem großen Haus zu wohnen. Jeder Frei und doch irgendwie innig. Jeder respektiert einander und hat eine schöne Zeit.

in Städten wie Berlin sind ja Poly-WGs nicht mal so unüblich. Wobei die Frage natürlich bleibt, ob es wirklich Poly ist oder man einfach nur jmd für eine Orgie sucht.

Aber komisch wie wir zwar immer offener reden, aber im Tun noch hinten nach sind.
ich glaube damals gab es kaum Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland oder Wien und Berlin. Bin damals viel in der Welt beruflich herumgekommen und hatte nebenberuflich hauptsächlich Sex im Kopf. Schwenden war damals weit voraus und da ich damals 20 Jahre bei einer schwedischen Firma arbeitete und sicherlich mehr 100 Male - jeweils zwischen 2 Tage und 3 Wochen - in Schweden war, war ich im sexuellen Paradies. Kein Aids und die Pille ergab frei Fahrt.
 
Ich glaub das muss man differenzierter betrachten. Offenheit, Verbundenheit, persönliche Freiheit, Toleranz,... viele unterschiedliche Werte die sich über die Jahrzehnte verschieben und ändern.
Aber ich könnt mir doch vorstellen dass man die heutige Gesellschaft als offener und toleranter bezeichnen könnte als die "Norm-Gesellschaft" der 70er und 80er. Ob wir dank der modernen Technik verbundener, empathischer oder wirklich freier sind steht auf einem anderen Blatt.

Zumindest sexuell betrachtet haben wir heute sogar Gesetze wie Gleichbehandlungsgrundsätze die es (gesamtgesellschaftlich) zB rechtlich schwer machen irgendwen wegen seiner sexuellen Orientierung schlechter zu behandeln.


Was wiederum genau eins der Kernthemen für manche moderne Kommunen ist. Auch die Amisch arbeiten da schon ewig grundlegend dagegen an.


Ich glaub DAS hängt dann wieder von jeder Kommune selbst ab. Die zeichnen sich ja gerade dadurch aus dass sie sich ihre eigenen Regeln machen. Und wenn es sich um Gemeinschaften handelt die darauf ausgelegt sind Jahrzehnte zu bestehen dann machen die sich schon auch Gedanken wie zum Beispiel mit Alten oder Kranken umgegangen wird.
Ein klassisches Modell (Anarchisten und Amisch zB) ist Arbeitsteilung nach Möglichkeiten. Wer jung ist und kräftig arbeitet am Feld, baut, versorgt die Gemeinschaft. Und wer älter oder schwächer ist unterrichtet, beaufsichtigt Kinder, betreibt irgendein Handwerk, körperlich einfache Arbeiten oÄ.

Auch "sozialer Abstieg" ist ein Konzept dass von Kommune zu Kommune differenziert gesehen werden muss. Das hängt schon davon ab ob es in der Gemeinschaft eine Art von Hierarchie gibt in der man absteigen kann. Aber mit dem klassischen "weniger Einkommen" das wir aus der westlichen Kapitalgesellschaft gewohnt sind hat das oft weniger zu tun als mit Regeltreue. Und auch hier haben solche Kommunen Wege wie sie mit solchen Fällen umgehen. Wiedergutmachung, Strafen, Verbannung oder auch schlimmere Konsequenzen (wie man sie öfters in Dokus über Aussteiger aus diversen Sekten zu hören bekommt. Von körperlichen Strafen, Verfolgung bis Mord oder gar Sippenhaftung an der Familie für Aussteiger die reden).

Aber du hast natürlich Recht! So eine Kommune ist immer ein fragiles Konstrukt. GEnauso wie jede Gesellschaft. Und funktioniert nur (und nur solange) sich die meisten Beteiligten an die Regeln halten. Welche Regeln das sind legt die Kommune aber abseits von der Normgesellschaft selbst fest.

Kommt wohl darauf an wie realistisch oder utopisch man träumt:hmm:.
Influencer nach Coronavirus-Challenge im Spital
 
ich könnte mir zB gut vorstellen, mit Menschen die ich gerne habe, irgendwo in einem großen Haus zu wohnen. Jeder Frei und doch irgendwie innig. Jeder respektiert einander und hat eine schöne Zeit.
Jo, klingt sehr gut. :up: Man finanziert sich zusammen und die, die bissl weniger haben werden durch die, die bissl mehr haben, ausgeglichen. Das passt soweit. Haben wir im ganz Kleinen schon begonnen. Leben zu dritt. Quasi. Meine Frau, ihr Sub und ich. Klappt super. Könnten uns auch vorstellen, dass noch welche dazu kommen. Ein Freund mit MS zieht womöglich auch bald ein. Der braucht wen und wohnt derzeit alleine. Es dürfen eh auch noch Mädels dazu kommen.

Das größte Problem dabei ist allerdings die Liebe. Solang man sich mag und jeder alle respektiert, ist es relativ einfach. Und wenn sich nur 2 verlieben aber halbwegs eifersuchtsfrei sind, ist es auch noch gut. Schwierig wird es erst, wenn da mehrere Lieben laufen. Da muss man dann sehen, wie man was organisiert.

Und das ist eben Falsch. In der Kommune gehts es nicht nur ums Ficken. Bin da ganz bei @Mitglied #491479 Allein dieses Intellektuelle, freie kreative ausleben mit und untereinander macht es für mich aus.
Es geht allenfalls auch ums Ficken ;) bzw ums Ausleben der Sexualität (die sich bei uns ned auf´s Ficken beschränkt). Das muss man mMn wachsen lassen und kann sich ergeben. Mal mit anderen in einer Art WG zu leben und irgendwann von einer Schwester betreut zu werden bzw sich eben auch untereinander zu helfen, hat schon einiges für sich. Von heute auf morgen geht das allerdings nicht.
 
ich könnte mir zB gut vorstellen, mit Menschen die ich gerne habe, irgendwo in einem großen Haus zu wohnen. Jeder Frei und doch irgendwie innig. Jeder respektiert einander und hat eine schöne Zeit.

Das funktioniert aber auch nur, wenn alle anderen diese Form der Lebensgemeinschaft genau so sehen. Für mich wäre dies die Absolute Hölle, da ich meine Freiräume ohne Leute brauche, so gern kann ich niemanden haben, dass ich dies nicht benötigen würde.

Aber komisch wie wir zwar immer offener reden, aber im Tun noch hinten nach sind.

nein, wir sind immer noch so Prüde wie vor 100 Jahren, der unterschied ist, dass es eben Gesellschaftlich nicht mehr extrem geächtet wird wie man zu allem steht.

Es gibt einen von Psychologen bestätigten Trend, das wir (bzw viele Menschen) in einer Zeit wo die Menschen mehr, die Welt kleiner, der Platz enger wird, unser eigenes Refugium suchen. So steigt wohl der Wunsch nach privatem Raum und Besitz.

Überbleibsel aus dem Tierreich, jeder hat sein eigenes ganz Persönliches Mini-Territorium. Ich denke es ist Teil unserer Individualität und Gesellschaften in denen das Individuum nicht so hoch gesehen ist, tun sich damit eben leichter. Siehe Südkorea und der Selfi Wahn dort, eine kleine Linderung nach dem Motto "Schau, ich kann auch einzigartig sein"

Ich denke, je mehr Menschen zusammen leben, desto mehr Reibungspunkte wird es langfristig geben.

Man frage nur Leute die in einer Großfamilie leben....

Drüber reden und die Realität mit all ihren Konsequenzen ertragen dürfte halt doch ein gewaltiger Unterschied sein.
Grad die, die so ganz besonders "frei" sind, sind meiner persönlichen Meinung nach die, die andere dann in deren Freiheit einschränken, weil sie keine Grenzen akzeptieren.

Bravo, so sehe ich dies Auch. Ich sage Immer "Das Individuum für die Gemeinschaft und die Gemeinschaft für das Individuum" nur leider scheint niemand die Verbindung dieser zwei Prinzipien zu schaffen. Entweder sind die Menschen Ichbezogene Paradiesvögel oder Schafe in einer grauen amorphen Masse.

Wie war das nochmal bei Hugh Heffner in der Playboy Villa? Denke das könnten sich viele Männer gut vorstellen...:D
Allein am Kontostand wirds hapern...
Geh, der Kontostand war doch der Grund, warum Heff die ganzen Haserl in seiner Villa hatte. Das und ich glaube es war oft ne Photo Shoting Location (bin mir da aber nicht völlig sicher)

Grosse Offenheit ist verschwommener Wahrnehmung geschuldet.
Längst ist die Gesellschaft nicht mehr so offen wie in den Siebzigern.
Sonst gäbe es doch noch vermehrt Kommunen.
Die medialen Möglichkeiten eröffnen neue Welten.
Noch nie vorher in der Geschichte der Menschheit konnte sich der Mensch derart einigeln ohne aber auf Kontakte und Kommunikation zu verzichten.
Und nicht zuletzt ist eine gut funktionierende Kommune ein kompliziertes Geflecht über dessen Wurzeln stets gewacht werden muss.
Es gibt so viele Schwachstellen, die eine Kommune zum Sturz bringen können.
Sozialer Abstieg Einzelner zum Beispiel. Dürfen die bleiben? Wer füttert die durch usw.
Traum und harte kalte Wirklichkeit klaffen hier gewaltig auseinander.

Da stimme ich dir zum Teil zu, denn es ist wirklich wahr dass unsere Gesellschaft das Individuum nicht mehr ächtet (vor allem die Individuelle Frau, Klischee Satz: "Wann heiratest du denn endlich?").

wurde abgeschafft weil es nach Kommunismus klingt.
Die Prinzipien sind bestimmt ähnlich.

mE ist das Kommunenprinzip deswegen nicht mehr so verbreitet, weil es einen alles beherrschenden Gemeinschafts-Gedanken erfordert. Je Nachdem wie weit dieser Gemeinschaftsgedanke definiert wird können sich da Zustände ergeben, welche für viele Menschen nicht mehr tragbar sind. Was als eine Wohngemeinschaft beginnt, kann sich zu einer Wirtschaftsgemeinschaft entwickeln (Alle Verdienen in einen Topf), weiter zu einer Besitzgemeinschaft (kein Privateigentum da alles allen Gehört) hin zu einer Meinungs und Interessensgemeinschaft (Alle denken das Selbe und haben die selben Interessen)
@Mitglied #103110 hat die Kommune als System formuliert, über dessen Wurzeln stehts gewacht werden muss. Ich denke, dies ist das eigentliche Problem, eine Wächterliche Institution wo die Definitionshoheit Gut & Schlecht liegt. Ohne auf aktuelle Regime und Systeme näher einzugehen, aber die Ständige Bevormundung durch Moskau war für die ehemaligen Ostblockstaaten ein Grund gewesen, gegen das System aufzubegehren.

Daher Fazit: Das System Kommune ist zwar im theoretischen Nobel, Praktisch aber scheitert am Vorhaben, die individuelle Natur des Menschen überwinden zu wollen.
 
Für diejenigen, die denken dass Kommune gleich freier Sex bedeutet:

Nö so war das nicht.
Es war ähnlich wie hier im Forum, auch dort gab es Platzhirschen.

Zusammenleben, gemeinsame Ziele zu haben, bedeutet Idealismus und Arbeit, sich selbst zurück nehmen für eine Gemeinschaft.

Ich denke, das liegt nicht so im Trend. ;)
Aber wer weiß, wer weiß.....
 
Hab noch nicht alle Beiträge gelesen, um erstmal meine eigenen Eindrücke nicht allzusehr beeinflussen zu lassen.

Kommunen sind m.M. nach zu störanfällig. Dazu braucht's mehr als freie Liebe und sehr viel weniger als die Motivation, eine bessere Gesellschaftsform zu entwickeln.

Das, was ich über die Jahre so mitbekommen habe, scheiterte in etliche Kommunen am ideologischen Überbau: gemeinsame Ideen - meinetwegen von dörflicher Autonomie, Gemeinschaft, ökologischen Lebensweisen - solche Ideen sind immer noch verbreitet, das Ganze dann oft "basisdemokratisch" strukturiert. Was am End bedeutet: endlose Diskussionen, Befindlichkeiten, Hickhack um jeden noch so geringen Scheiß. Machtrangeleien - hab ich in diversen Gruppierungen bis zum Abwinken mitbekommen, besonders ausgeprägt in jenen, die jegliche Hierarchie "eigentlich" ablehnen. Und - sorry, daß ich's so fix sage - fast immer finden sich gerade in diesem Umfeld weniger gefestigte Persönlichkeiten. Solche, die mit der Gesellschaft im allgemeinen und ihrer eigenen Rolle darin unzufrieden sind und dann von einer besseren Gemeinschaft träumen. Funktioniert aber nicht, solche kann man vereinzelt mittragen, wenn aber solche Gruppierungen mehrheitlich aus ihnen bestehen (und das tat's bei denen, die ich kennengelernt habe) dann wird's a Psycherl-Nummer, die irgendwann auseinanderfällt.

Was mich betrifft: ich bin kein Kommune-Typ. Nicht mal WG-tauglich - hab das ein paar Jahre ausprobiert, für mich einfach ungeeignet. Zusammenleben find ich schon nicht so toll, obwohl es durchaus Vorteile hat. Je mehr Leute (die größte WG, in der ich gelebt habe, hatte 8 Bewohner) desto mehr Reibungspunkte, angefangen von Putzarbeiten bis hin, wer den Kühlschrank plündert, wie viele Übernachtungsgäste, die eigentlich nicht da wohnen, eine WG verträgt, wie die Betriebskosten abgerechnet werden und ob jemand Zusatzlampen für seinen Zimmerpflanzen oder ein anderer seinen Hund mitbringen kann... muß man mögen. Gemeinsame Treffen, um sich abzusprechen - gemeinsame Aktivitäten ja oder nein usw. usf.

Ich hab mir zeitweise zusammengeträumt, so eine Art Dorf oder Kolonie zu gründen, mehrere Häuser, ein Gemeinschaftshaus - die Vorstellung, in einer Gemeinschaft Mitglied zu sein, die auf Gemeinsamkeiten, gegenseitige Unterstützung, auch freier Liebe basiert, hat schon was Schönes. So wie ich mich aber kenne: ich würde auch da immer wieder ausbrechen, nicht da sein, einfach weil ich nicht ständig verfügbar sein will, weder für Gruppenkuscheln noch Gruppenpflichten. Deshalb bin ich sicher, daß ich für ein Leben in so einer Kommune nach Hippie-Vorbild denkbar ungeeignet wäre. Ich mach mich ja schon nach einer Liebesnacht gern aus dem Staub, da wäre so ein Zusammenleben mit mehreren Liebeleien fürchterlich... nett für die Fantasie vielleicht, aber für mich nicht lebbar. :D
 
Für diejenigen, die denken dass Kommune gleich freier Sex bedeutet:

Nö so war das nicht.
Es war ähnlich wie hier im Forum, auch dort gab es Platzhirschen.

Zusammenleben, gemeinsame Ziele zu haben, bedeutet Idealismus und Arbeit, sich selbst zurück nehmen für eine Gemeinschaft.

Ich denke, das liegt nicht so im Trend. ;)
Aber wer weiß, wer weiß.....

Mit dem, liegt nicht so im Trend,
liegst Du sicher richtig...

wer weiß, wer weiß,
wird die Zukunft zeigen,

vielleicht findet jetzt ein Umdenken in der Gesellschaft statt :down:
 
Ich denk mir immer, wir sind heut zu Tage doch schon sehr offen mit dem Umgang rund um Sex. Heute hast am NM schon Werbung von einem iNet Sexshop im TV. Das war vor Jahren undenkbar. Und doch vermisse ich ein wenig diese Hippie, freie Liebe Bewegung. Gerade heut zu Tage wo alle so auf Freiheit aus sind. Dabei geht es ja nicht rein um Sex!!!

ich könnte mir zB gut vorstellen, mit Menschen die ich gerne habe, irgendwo in einem großen Haus zu wohnen. Jeder Frei und doch irgendwie innig. Jeder respektiert einander und hat eine schöne Zeit.

in Städten wie Berlin sind ja Poly-WGs nicht mal so unüblich. Wobei die Frage natürlich bleibt, ob es wirklich Poly ist oder man einfach nur jmd für eine Orgie sucht.

Aber komisch wie wir zwar immer offener reden, aber im Tun noch hinten nach sind.


:rolleyes: Heutzutage bleiben die Komunisten bis 30 im "Hotel Mama" und gründen stattdessen WhattsApp-Gruppen!
 
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