Und ich glaube auch, dass das sehr ästhetische Fotos sind die ich da mache.
Sehr ästhetische Fotos machen viele, und noch mehr Leute behaupten das von sich.
Genau wie in anderen Bereichen der Fotografie gilt: nicht ein schönes Foto macht den professionellen Fotografen aus und seine Arbeit wertvoll, sondern das Beherrschen des Handwerks in der Art und Weise, dass er ganz gezielt zu einer bestimmten Zeit ein gewünschtes Ergebnis herstellen kann und für diese Leistung einen Abnehmer findet.
Möchte man ein schönes Foto von einer - sagen wir mal - Giraffe haben, dann findet man das haufenweise frei verfügbar in perfekter Qualität in genau der Darstellung, die man sich wünscht, online und braucht dafür sicher nichts zu bezahlen; einfach weil heute so viele Bilder von Giraffen geschossen und frei geteilt werden. Da sind - neben Unmengen von Schrott - auch massenhaft perfekte Aufnahmen dabei; darunter wiederum sehr viele Fotos von Leuten, die ihre Bilder rein aus Freude unentgeltlich mit anderen teilen, auch für kommerzielle Nutzung. Diese Aufnahmen zu finden, ist kein Problem, und ob sie als glücklicher Schnappschuss oder gezielt mit Können zustande gekommen sind, ist in dem Fall egal.
Benötigt man aber ein schönes Foto von einer ganz bestimmten Giraffe, in einer definierten Darstellung oder in einem bestimmten Kontext, zu einem bestimmten Zeitpunkt, dann schaut es schon anders aus. Dafür braucht man dann einen Profi-Fotografen. Wie oft kommt das vor? Immer noch oft genug.
Anderes Beispiel, Hochzeitsfotografie: drückt man ein paar Hochzeitsgästen, die schon mal fotografiert haben, eine brauchbare DSLR in die Hände, kriegt man relativ sicher ein paar schöne Fotos vom Brautpaar und diverse nette Aufnahmen des Abends zurück. Ob genau das Ja-Wort und einige andere wichtige Momente in einem brillanten Foto eingefangen werden, ist aber nicht garantiert. Genau dafür - also sofern einem das wichtig ist, was für viele Leute nicht zutrifft - bezahlt man einen professionellen Hochzeitsfotografen, mit dem man vorher bespricht, was man will, der das garantiert und der z.B. auch vorher plant und sagen kann, welche Voraussetzungen für welche Sorte Foto erfüllt sein müssen. Wieviele Hochzeitsfotografen können das wirklich? Was kosten die? Was kostet demgegenüber die Masse der Hochzeitsfotografen, die das nicht können und eben nur bieten, was auch der beste Freund mit DSLR hinbekommt? Warum werden diese Fotografen wohl kaum noch nachgefragt? Ist das ein Verlust?
Beispiel Aktfotografie: möchte man ein schönes Foto irgendeiner nackten Frau sehen oder sich an die Wand hängen, kann man das haufenweise im Internet finden. Von Porno bis Kunst in allen Variationen und Qualitätsstufen. Dafür zahlt kaum noch jemand etwas (Akt-Kalender, etc.). Es gibt genügend Leute, die passende Werke ganz ohne finanzielle Absichten teilen und auch keine finanzielle Zuwendung für das Erstellen weiterer Werke verlangen oder benötigen, sondern mit "Ruhm und Ehre" als Gegenleistung völlig zufrieden sind.
Braucht man ein schönes Aktfoto seiner eigenen Frau, gelingt auch das - nach allgemeinen Qualitätsmaßstäben - mittlerweile vielen Leuten sehr gut selber, und noch mehr Leuten ausreichend gut gemessen an ihren oftmals viel niedrigeren individuellen Ansprüchen.
Braucht man ein schönes Aktfoto seiner eigenen Frau z.B. in der Schwangerschaft, also innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens und vielleicht mit besonderen Ansprüchen, wird es schon schwieriger. Auch so etwas bekommen heute jedoch sehr viel mehr Leute hin als früher.
Aber wer als Fotograf sagen kann "ich schaffe es in einer Fotosession in der Zusammenarbeit mit dem Laienmodel gezielt genau das Foto herzustellen, dass sich der Auftraggeber wünscht", der verdient auch heute noch Geld mit Fotografie. Der Markt ist nur sehr viel kleiner geworden und man muss halt wirklich etwas können.
Die Nachfrage nach "professionellen" Fotografen, die sich nur durch ihr Equipment abhoben, ist massiv weggebrochen. Das betrifft die große Masse der kleinen Fotostudios.
Ansonsten gilt: Wer Fotografie eher als Kunst betreibt, also sich in seinen Fotos verwirklicht und diese dann als Kunstobjekt verkaufen will, muss sich im Klaren darüber sein, dass Kunst - mal abgesehen von einigen Bereichen wie der Musik- und Filmindustrie, in denen man durch massive Lobbyarbeit extrem verzerrte Situationen hergestellt hat - in erster Linie mal ein Hobby ist und nur in sehr ausgewählten Fällen etwas, wovon man leben kann. Dafür muss man seine Kunst vor allem auch verkaufen können; also nicht nur schön fotografieren, sondern andere zusätzlich davon überzeugen, dass das, was man ihnen bietet, etwas besonderes und wertvolles ist, das sie unbedingt haben möchten und nicht so einfach von sonst jemandem bekommen und auch nicht selber herstellen können. Die wenigsten Fotografen haben überhaupt ein entsprechendes Repertoire vorzuweisen; und noch weniger können es angemessen verkaufen. Wer beides kann, kann auch heute noch als Starfotograf zu Ruhm, Ehre und Vermögen kommen.
Jemandem zu erklären, warum man ihm für das Spielen eines Liedes auf einer Gitarre etwas bezahlen soll, wird schwieriger, je mehr Leute sich eine gute Gitarre leisten können, rein aus Freude und als Hobby sehr gut zu spielen lernen, und Spaß daran haben, das (völlig kostenlos und nicht aus finanziellen Motiven) für und mit anderen zu tun. Es wird einem immer dann gelingen, wenn man so gut ist, wie sonst kaum jemand (sehr schwierig, wenn das allgemeine Niveau sehr hoch ist), oder von den Hobbyisten genau dann, wenn jemand ein bestimmtes Lied live hören möchte, keiner da ist oder Lust zum Spielen hat (sehr schwierig, wenn es unheimlich viele gute Hobbyisten mit Gitarre gibt, so dass eigentlich immer jemand mit Lust zum Spielen in der Nähe ist).
Wer einfach nur genauso gut spielt wie zig andere um ihn herum und sich dann ärgert, dass keiner bereit ist, für seine Musik zu bezahlen, oder gefrustet ist, weil sich sein Spielen kaum jemand mehr anhören mag, da die Leute vom vielen Gitarrenspiel schon völlig übersättigt sind, der macht etwas falsch. Der muss entweder besser werden (im Spielen und/oder Vermarkten) oder lernen, aus anderen Motiven heraus Gitarre zu spielen und sein Geld mit etwas anderem zu verdienen.
Will niemand mehr sehen wie ein Fotograf eine Frau erotisch in Szene setzt?
Die eigentliche Frage dürfte oder sollte sein: "Will niemand mehr sehen, wie ICH eine Frau erotisch in Szene setze?".
Die Antwort darauf ist ein simple Gegenfrage:
Warum sollte irgendwer da draußen ganz speziell Deine Fotos im riesigen und vielfältigen Angebot fantastischer erotischer fotografischer Inszenierungen nackter Frauen sehen wollen? Was zeichnet Deine Fotos so aus und macht sie so einzigartig, dass es ein Verlust wäre, ausgerechnet sie nicht zu sehen? Das ist keine böse gemeinte Frage, sondern schlicht und einfach der Punkt, um den es geht, wenn Du Deine Bilder als Kunst kommerziell vermarkten möchtest.