Manchem großen, alten Baum schreiben die Menschen bis heute eine Seele zu. So erklärt sich, dass wir wieder vermehrt zu besonderen Anlässen, wie Geburt oder Taufe einen Baum pflanzen und dies mit einer kleinen andächtigen Zeremonie begleiten. Dieser Brauch versinnbildlicht die Hoffnung auf ein gutes Gedeihen und eine glückliche Zukunft. Mit der Kraft und dem Wachstum des Baumes will man das Schicksal des noch jungen Menschen positiv beeinflussen und ihm symbolisch einen zuverlässigen Gefährten zur Seite stellen, der durch die Kraft der Natur in allen Lebenslagen Halt und Orientierung geben soll.
Auf dieser Idee und dem Glauben an die Kräfte der Natur und der Bäume basiert auch der keltische Baumkreis. Nach ihm ist jedem Menschen nach seinem Geburtsdatum ein persönlicher Lebensbaum zugeordnet, der ihn als universeller Gefährte ein Leben lang begleitet.
Nach den uralten Entstehungsmythen vieler Völker stammen die Menschen selbst von den Bäumen ab. Der germanischen Sage nach schufen die Götter aus den angeschwemmten Hölzern Ask und Embla (Esche und Ulme, Mann und Frau) das erste Menschenpaar. Den Hölzern verliehen sie menschliche Eigenschaften. Odin gab ihnen eine Seele, Hönir Sinn und Verstand, Lodur das warme Blut, das blühende Aussehen und die Sinne. In manchem fest verwurzelten alten Glauben werden die Neugeborenen von den Bäumen geholt statt vom Storch gebracht. Immer wieder erscheint in den Sagen der alten Völker ein riesiger Weltenbaum, der das Universum darstellt und die Schöpfungsgeschichte des Menschen erzählt.
Der Baum ist ein Ursymbol für die Unvergänglichkeit der Natur. In vielen Kulturen gilt er als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens selbst. Meist waren die mit Bäumen verbundenen Gottheiten wie Hathor oder Helena weiblicher Natur und standen mit der vegetativen Fruchtbarkeit in Verbindung.
Es gibt auch noch Heilige Bäume. Viele Völker verehrten bestimmte Bäume ganz besonders: So wird die Esche oft als erster Baum der Schöpfung verstanden, während die immergrüne Tanne als Zeichen der Unsterblichkeit gilt. Der Holunder soll Schutz vor bösen Geistern bieten. Kelten und Germanen verehrten die Kraft und das lange Leben der Eiche, der auch Misteln nichts anhaben können. Diesen Misteln werden übrigens besondere Heilkräfte zugesprochen.
Beim Sonnentanz der Lakotas wird die Pappel zur Himmelsleiter. Sie symbolisiert die Macht der Sonne, deren Schöpfungskraft Bedingung allen Wachstums ist.
Jeder Mensch hat seinen Lebensbaum. Entdeckt er ihn und atmet mit ihm, wird er verstehen, dass auch er selbst ein Baum des Lebens ist.