der nächste großartige neutrale Berichterstatter nach Portisch und Pelinka...
Publizist und Journalist Heinz Nußbaumer gestorben
Der bekannte katholische Journalist und Publizist Heinz Nußbaumer ist am Wochenende gestorben. Von 2001 bis 2008 war er einer der Gastgeber in der ORF-Reihe „Philosophicum“ sowie Moderator von „kreuz und quer“-Religionsdiskussionen.
Online seit gestern, 15.46 Uhr
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Auch als Kommentator war er für den ORF tätig, etwa bei der Liveübertragung der Trauerfeierlichkeiten für Papst Benedikt XVI. im Jänner 2023. Von 2003 bis 2023 war Nußbaumer unter anderem Herausgeber der Wochenzeitung „Die Furche“. Er sei „82-jährig friedlich im Kreis seiner Familie eingeschlafen“, schrieb die Zeitung in einem Nachruf am Montag.
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann: „Heinz Nußbaumer war in der österreichischen Medienlandschaft jahrzehntelang eine prägende Persönlichkeit. Als Journalist führte er viel beachtete Interviews mit internationalen Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow, Ronald Reagan, Indira Gandhi und Jassir Arafat – der österreichischen Wochenzeitung ‚Die Furche‘ verlieh er viele Jahre als Herausgeber und Kolumnist seine Handschrift. Seine ausgewiesene Expertise und sein Interesse für religionspolitische und gesellschaftspolitische Themen hat Heinz Nußbaumer viele Jahre lang im Rahmen der ORF-TV-Sendungen ‚Philosophicum‘ und ‚kreuz und quer‘-Diskussion zu einem beliebten Diskussionsleiter gemacht. Unsere Anteilnahme gilt der Familie von Heinz Nußbaumer.“

APA/Hans Punz Der katholische Journalist und Publizist Heinz Nußbaumer ist am Wochenende gestorben: Foto aus 2019, anlässlich der Auszeichnung zum „Journalisten des Jahres“
Betroffen vom Ableben Nußbaumers zeigte sich auch Kardinal Christoph Schönborn, der mit dem Verstorbenen durch „eine jahrzehntelange Freundschaft“ verbunden war und dafür „sehr dankbar“ sei. Im Interview mit Kathpress würdigte der Kardinal das publizistische Wirken des Verstorbenen. Seine vielen Besuche am Berg Athos und das daraus entsprungene beeindruckende Buch „Der Mönch in mir“ zeugten von Nußbaumers „geheimer Liebe“. „Er war eine Brücke zur Orthodoxie“, so Schönborn.
Nußbaumer sei „wie kein anderer ein Kenner des Nahen Ostens gewesen und habe es in seinen ‚Furche‘-Kolumnen geschafft, Weltgeschichte in Geschichte zu verpacken“, sagte „Furche“-Chefredakteurin Doris Helmberger-Fleckl gegenüber Kathpress.
Internationale und österreichische Politik
Nußbaumer wurde am 16. Juli 1943 in Bad Reichenhall geboren, wuchs in Salzburg auf und studierte Theologie, Rechts- und Staatsphilosophie sowie Kunstgeschichte. Von 1962 bis 1964 war er Pressereferent beim späteren ÖVP-Bundeskanzler Josef Klaus. 1964 startete Nußbaumer seine journalistische Laufbahn bei der „Salzburger Volkszeitung“.
Sendungshinweis
Aus Anlass des Todes von Heinz Nußbaumer sendet der ORF am Samstag, 12.45 Uhr, ORF2 in der Reihe „Was ich glaube“ „In Memoriam Heinz Nußbaumer – Wie ist das mit dem Berg Athos?“.
1966 holte Hugo Portisch das junge Talent nach Wien zum „Kurier“. 1971 wurde Nußbaumer mit der Leitung des Außenpolitikressorts betraut, das er knapp 20 Jahre lang führte. In dieser Zeit entstanden große Serien über den Nahen Osten, Afghanistan, Tibet, China und den Ersten Golfkrieg. Von 1990 bis 1999 wechselte Nußbaumer die Seiten und war unter den Bundespräsidenten Kurt Waldheim und Thomas Klestil (ÖVP) Kommunikationschef der Präsidentschaftskanzlei.
Seit 1999 freier Journalist
Seit 1999 arbeitete Nußbaumer als freier Publizist. Er schrieb mehrere Bücher, darunter den Bestseller „Der Mönch in mir“ über seine Athos-Pilgerreisen sowie seinen Erinnerungsband „Meine kleine große Welt“.
Für seine hervorragenden journalistischen Leistungen erhielt Nußbaumer zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Concordia-Preis, den Karl-Renner-Preis, den Leopold-Kunschak-Preis und den vom Österreichischen PEN-Club vergebenen Europäischen Toleranzpreis. 1995 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. 2023 erhielt er für sein Lebenswerk den Hans-Ströbitzer-Preis des Pressevereins der Diözese St. Pölten.