Flann O'Brien - The Third Policeman ( Der dritte Polizist )
Neben "At Swim Two Birds" der wohl bekannteste Roman des großen irischen Schriftstellers.
Ein großartiges Lesevergnügen, das die Brücke zwischen Kafka und Douglas Adams darstellt.
Zunächst beginnt eine normale Biographie eines jungen irischen Mannes, der später gemeinsam mit einem Komplizen einen Mord an dem reichen alten Mr. Mathers begeht, um eine Geldkassette zu stehlen.
Als der Erzähler, der seinen Namen vergisst und immer mit seiner eigenen Seele spricht, die er Joe nennt, Jahre später die versteckte Kassette sucht, begegnet er dem Toten, der ihn an die Polizeiwache verweist, wo die Kassette zu finden sei. Ab hier wird es seltsam.
Auf der Polizeiwache gibt es zwei Polizisten, die sich fast ausschließlich mit Fahrrädern beschäftigen, die sie z.T. sogar selbst stehlen, um sie dann wieder zu suchen. Der Erzähler, selbst ein Anhänger des fiktiven Gelehrten de Selby, auf den ständig in Fussnoten hingewiesen wird, lernt von ihnen die Atom-Theorie kennen, die besagt, dass Menschen durch starken Kontakt mit anderer Materie langsam mit dieser die Atome tauschen. Daher ist der ortsansässige Briefträger bereits zu > 70% ein Fahrrad, und im Falle eines Mordes wurde überlegt, das Fahrrad zu erhängen. Außerdem betreiben die beiden Polizisten eine unterirdische Anlage, die täglich viele Stunden gewartet werden muß. Diese Anlage kann beliebige Gegenstände und Reichtümer produzieren allerdings kann man diese nicht aus der Anlage heraus befördern. Einer der beiden Polizisten hat das Hobby, kleine, kunstvoll verzierte Kisten anzufertigen, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind.
Als bekannt wird, dass Mathers vor 20 Minuten ermordet wurde, wird der Erzähler verhaftet, und es droht ihm die Hinrichtung, aber er wird durch die Hilfe der "Einbeinigen Männer" gerettet. Er begenet seinem Komplizen, der plötzlich 20 Jahre älter ist. Und dann spielt auch noch der dritte Polizist eine Rolle...
Was für ein Buch!!!
Am Anfang glaubt man, einen etwas altertümlichen biographischen Roman zu lesen, bis man plötzlich mitten in einer absurden kafkaesken Welt von Fahrrädern und völlig abgefahrenen Dialogen landet, wie z.B. "Why would someone steal a golden watch, if he could steal a bicycle?" Man erfährt auch, warum Fahrräder an Hausmauern lehnen, was eine "Bulbul" ist und trifft Schafe in Anzügen. Die Geschichte wird immer grotesker und verdahrener und spiegelt sozusagen die verdrehte verrückte Welt wider. Erst gegen Schluss wird die Pointe klar ( die ich hier nicht verrate

).
O'brien konnte dieses 1940 fertiggestellte Buch zeitlebens nicht veröffentlichen, es erschien erst nach seinem Tod 1967. Dennoch ist es erstaunlich, wie modern dieser Roman ist.
Fazit: sehr sehr lesenswert!!!