Sapperlot! Die Diskussion hierorts geratet auch aus allen Fugen, wie mir scheint!
Die Themenstellung war, so, wie ich es verstanden habe, ob hiesige Lehrer Türkisch können sollen oder nicht. Es gab Dafür und Dagegen, ein Abdriften bis hin zum "Überwachungsstaat" ("gut gemeint" heißt nicht immer "gut gemacht", wie wir wissen) und zu Wertediskussion, zur unvermeidlichen Links-Rechts-Zuordnung und den entsprechenden Untermauerungen durch Aussagen...
Was mir dazu noch einfällt - vielleicht ist das aber auch Öl ins Feuer?! - ist folgende Betrachtung:
These1: Eltern aus den verschiedensten sozialen Milieus sind interessiert, daß ihre Kinder vorankommen.
These2: es gibt Eltern, die ihr Kind richtig einstufen und es nicht überfordern wollen/würden und deshalb einen Schultyp entsprechend wählen würden, der dem Kind besonders entgegenkommt.
These3: da auf Wiens Hauptschulen durchschnittlich 80 Prozent Kinder mit fremder Muttersprache kommen, soll durch "Umverteilung der Kinder" (auf andere Schulen/in andere Klassen) ein besseres Verhältnis erreicht werden
These4: der Staat übernimmt die Aufgabe, alles und jedes zu prüfen. Damit wird sichergestellt, daß alle Kinder Deutsch anwenden können oder aber lernen; es wird sichergestellt, daß es keinen Kindermißbrauch gibt, etc.
These5: der Lehrkörper ist am Fortkommen des/der Kinder interessiert, widmet sich jedem einzelnen im vollen Umfang und versucht, Wissen und Erziehung zu vermitteln. Er wendet keine disziplinierenden Maßnahmen an; das Kind kann sich frei und ungezwungen entfalten.
So habe ich es den Beiträgen entnommen.
Nun zur Antithese:
Antithese1: Es gibt leider Eltern, denen das Vorankommen der eigenen Nachkommen nicht wichtig (genug) ist, um sie entsprechend zu unterstützen/zu fördern. Hier orte ich die meisten Defizite nach meiner Wahrnehmung in den unteren sozialen Schichten.
Antithese2: Es gibt Eltern, die die Fähigkeiten des eigenen Kindes nicht (richtig) einzuschätzen vermögen und deshalb einen Schultyp wählen, über den sie sich selbst gerne definieren würden.
Antithese3: wenn durchschnittlich(!) 80 Prozent der Schüler in Wien Deutsch als Fremdsprache haben, ist es müßig über eine Verteilung auf andere Klassen/Schulen auch nur nachzudenken! Wie, bitte, soll sich denn das Verhältnis ändern: Denn im Idealfall kann ja nur der Durchschnitt (80:20)
real erreicht werden! Es bleibt also das Übergewicht in jedem Falle bei jenen Kindern, die nicht Deutsch als Muttersprache haben!
Antithese4: der Staat stellt durch entsprechende Maßnahmen das Wohl des Kindes sicher. Dies kann durch Überwachung des Lernens ebenso geschehen, wie auch durch etwa die geistige/körperliche Untersuchung des Kindes.
Antithese5: Ein Lehrkörper - diesen Eindruck vermitteln ja gerne die Medien - ist seiner Aufgabe nicht gewachsen, zeigt keine Ambition der Wissensvermittlung und läßt bei der Erziehung die Zügel schießen. Er hat keine disziplinierenden Möglichkeiten, steht gleichsam zwischen den drei Mächten "Gesetzgeber-Eltern-Kinder" und versucht daher, zwischen diesen drei Fronten möglichst (seelisch/körperlich) unbeschädigt hindurchzukommen.
Nun zur Synthese:
Synthese1: Defizite im Sinne etwa der Erbringung geforderter Leistung (--> Hausaufgaben), mangelnde Teilnahme am Unterricht (Fehlstunden, Sprtabsenz), Defizite in der Sprache könnten als Indiz gewertet werden, daß hier Maßnahmen im Sinne des Kindes zu ergreifen wären. Ich weiß, ich weiß! "Hort" hat etwas Abzulehnendes, aber ich seh' das nicht so eng: auch in Internaten gibt's so etwas wie Studierstunden, wo fördernde Begleitung beim Lernen vorhanden ist. Bei bestimmten Auffälligkeismerkmalen müßte ein Kind in eine entsprechende Lernunterstützung eingereiht werden. Das wäre auch im Sinne jener, die gerne nach dem Staat als Allheilmittel rufen!
Synthese2: Eine Aufnahmsprüfung je Schultyp könnte aufzeigen, ob das Kind für den Schultyp geeignet, unter- oder überfordert ist. Das entspricht zwar nicht dem Gleichmachungsprinzip, wäre aber im Sinne des Kindes die wohl beste Möglichkeit talentgerecht gefördert und ausgebildet zu werden.
Synthese3

urch die in Synthese1 aufgestellte Behauptung, daß Kinder nicht nach dem prinzipiellen Wunsch der Eltern Schultypen (und dort auch gehörig scheitern können), sondern nach den Eignungen besuchen, würde sich das Verhältnis von 80:20 deutlich drehen. Die Option der besseren Verteilung jener Schüler, die Deutsch als Fremdsprache haben, wäre jedenfalls gegeben.
Synthese4: der Staat stellt durch entsprechende Maßnahmen das Wohl des Kindes sicher. Dies kann durch Überwachung des Lernens ebenso geschehen, wie auch durch etwa die geistige/körperliche Untersuchung des Kindes.
Synthese5: Der Lehrkörper wird wieder aufgewertet. Die derzeitige Schamlosigkeit der Politik, den Lehrkörper einerseits den Eltern, andererseits den Kindern und schließlich auch der Legislative völlig auszuliefern, wird abgestellt. Die Grundprinzipien, die später im Berufsleben als soziale Kompetenz vorausgesetzt wird, werden vermittelt. Dazu zählen neben dem Lernstoff auch Faktoren, wie Respekt und Disziplin.
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Natürlich entspricht dieser Ansatz der Synthese nicht dem, was die letzten 30, 40 Jahre gelebt wurde. Aber seien wir uns doch ehrlich: heute leiden angeblich die Kinder unter Lernstress - ich frage in vollem Ernst, wieso das heute so sein sollte und früher nicht der Falle war? Hat sich Englisch, Mathematik, Geschichte, Deutsch,.... im Lernstoff um sovieles erweitert, daß es heute mehr als früher ist? Oder sind bloß die Methoden des Unterrichts abgesunken -auch deshalb, weil die Kinder, die über Stress klagen, einfach im falschen Schultyp sitzen?
Wenn ich heute die Drop-out-Rate an den Gymnasien anseh', ist das doch ein deutliches Indiz dafür, daß die Politik zwar etwas gut gemeint, aber schlecht gemacht hat: der vermeintliche Zugang aller zum Studium bedeutet ja nicht zwangsweise auch, daß alle tatsächlich geeignet sind, bis dort hin zu kommen. Und es ist doch beileibe keine Schande, über eine andere, als eine Lernbegabung im universitären Sinn zu verfügen!
In Wahrheit tun wir ja nur so, als ob das ein reines Migrantenproblem wäre! Schau'n wir uns doch jene echtösterreichischen Jugendlichen an, die nicht einmal eine Lehrstelle finden! Da hat's doch allgemein ein Problem!
Wir basteln an Lösungen, statt dass wir uns endlich einmal zu den Tatsachen bekennen! Und hier bitte ich die kritischen Leser, meine Synthesen auch im Sinne der Migrantenthematik zu lesen: auch ihnen würde damit geholfen!