Guten Morgen allerseits,
ich würde gerne noch einmal auf die eingangs gestellte Frage aus der Sicht einer klassischen Domina eingehen. Die Antwort ist recht einfach - ja, wir tauschen uns natürlich aus. Das hat mehrere Gründe, die ich gerne in absteigender Reihenfolge nach Relevanz beantworten würde. Es muss vielleicht vorausgeschickt werden, dass die BDSM Szene wesentlich kleiner ist als die "klassische" Sexworkerszene - das macht es leichter, schnell mal die üblichen Verdächtigen zu identifizieren.
Sicherheit
In unserem Bereich sind naturgemäß körperliche Übergriffe relativ selten (bei mir traut sich sowieso keiner

). Viel größer ist die Gefahr, sich einen Stalker einzutreten. Da viele Damen in unserem Gewerbe ein ernstes Interesse am Schutz ihrer Privatsphäre haben, ist das DER Alptraum schlechthin. Eine zweite Gruppe, die für Dominas unangenehm werden können, sind Menschen, deren sexuelle - nennen wir es "Ausprägungen"? - untrennbar mit einer merklich beeinträchtigten psychischen Gesundheit einhergehen. Das äussert sich entweder durch Wünsche, die den meisten Kolleginnen unangebracht scheinen (und da muss man bei uns echt Gas geben, wir sind so einiges gewöhnt) oder durch unangebrachte Verhaltensweisen, die durchaus die eine oder andere Gänsehaut auslösen können. Ich erinnere mich an einen Mann, der mit gesenkt-scheinerotischer Stimme anrief, sich selber mit Dom-irgendwas vorstellte und mir seine Sub als Spankingobjekt der zäheren Art anbieten wollte. Es stellte sich heraus, dass die Dame laut dem Herrn "für Geld alles tun würde". Ähm ja. Bestimmt. Aber bitte ohne mich und meine Berufsgenossinnen. Die kennen seine Nummer und seine Vorgehensweise übrigens jetzt auch.
Kolleginnen unterstützen
Wer hilft, dem wird geholfen. Ich glaube daran, dass Kooperation mittelfristig lohnender ist als der Alleingang. Gäste wechseln die Anbieterinnen sowieso und das muss nicht damit zu tun haben, dass die Leistung schlecht war. Mit welcher karmischen Buchuung wir da aussteigen, ist unsere eigene Sache. Ich könnte meinen Job ohne meine Kolleginnen nicht so gut machen, deshalb bin ich nett zu ihnen (und auch, weil ich die meisten einfach mag).
Ineffizienz verringern
Die Zeiträuber und "Tastenwichser", wie wir sie uncharmant nennen, sind leider verbreitet. Menschen, die glauben, wir Dominas würden den ganzen Tag nur daran denken, Menschen zu unterwerfen und wenn wir uns nicht einen privaten Sklaven halten würden, seien wir keine "echten" Dominas, können sehr zeitraubend sein. Diejenigen, die nur aus dem Schriftwechsel Lust ziehen und wo es nie zu einem Date kommt, sind ebenfalls zu vermeiden. Es scheint ein weit verbreiteter Glaube, dass wir Dominas mit einem Stundensatz von 250-300 Euro ohnehin Geld ohne Ende scheffeln. Wer das glaubt, der kann nicht rechnen, findet Schwarzarbeit ein Kavaliersdelikt oder überschätzt, was der Markt hergibt. Das würde hier aber zu weit führen.
Dampf ablassen
...muss sein. Manche Sessions sind ziemlich "zehrend" und man ist froh, wenn man mit jemandem teilen kann, was einen nicht sofort loslässt. Hier werden zwar meistens nicht explizit Infos ausgetauscht, aber manche Gäste haben so eklatante Eigenheiten, dass nicht so selten ein gemeinsamer Bekannter identifiziert wird.
...und was ist mit der DSGVO?
Der Absatz mit dem Augenzwinkern, meine Damen und Herren. Ich denke, dass die DSGVO hier nicht angewendet werden kann, da wir in den meisten Fällen überhaupt keine personenbezogenen Daten besitzen, dh. die Person, die uns als Gast verkauft wird, gibt es überhaupt nicht. Man könnte einwerfen, dass die Telefonnummer bereits personenbezogen ist, das gilt jedoch nur bei registrierten Simkarten. Ich unterstelle, dass die unangenehmen Zeitgenossen ohnehin mit Wertkarten arbeiten. Anders wird die Lage aussehen, wenn ab 01.01.2019 die Registrierungspflicht greift. Natürlich werde ich mir in den verbleibenden zweieinhalb Monaten Gedanken machen, ob und inwiefern das meinen Umgang mit potentiellen Gefahren betrifft. Bei Gästen, die sich voll identifizieren, besteht wenig Anlass zu Sorge, hier wird höchstens gebrieft, wie mit dem Gast am besten umzugehen ist und was er besonders schätzt. Ich denke nicht, dass das jemanden stört.
So. Ich glaube, ich habe fertig ;-)
Einen schönen Tag Euch allen!
Lynn