Es klingt hier immer so, als sei eine Ehe zu trennen, wenn die Sexualität nicht (mehr?) funktioniert. Ich sehe das anders. Ich lebe nun seit 43 Jahren in einer Beziehung, in der Zärtlichkeit und Erotik immer schwierig waren.
Sex ist nur ein Aspekt in einer Beziehung. Es gibt so viel mehr. Liebe ist ein Gefühl, das ich nicht definieren kann, ich kann Liebe auch nicht von tiefer Freundschaft unterscheiden, zumindest verbal nicht. Wir haben eine gemeinsame Freude an langen Wanderungen und Fahrradtouren. Wir lesen beide gerne und viel, wenn auch unterschiedliche Bücher. Wir lieben Tiere. Es passt einfach alles Andere. Wie viel Zeit verbringt man mit Sex, und wie viel Zeit mit Gemeinsamkeit?
Sex ist eigentlich das Einzige, das uns trennt: ich brauche es, sie nicht. Ich leide darunter, dass wir es nicht teilen können, sie darunter, dass ich ihr so nicht treu sein kann. Es ist das Problem in unsrer Ehe, das sich noch verschärft hat, weil ihre Neurodermitis nach dem Wechsel die Vagina erfasst hat und sie keine Penetration ertragen kann (und andere Formen von Sexualität ablehnt). Aber sie deshalb verlassen? So eine Frau finde ich nicht mehr. Sie ist das, was man jiddisch "mein Beschert" nennt, der Mensch den G'tt für mich geschaffen hat (und mich für sie). Trotz alles Schwierigkeiten und Probleme.
Ich werde mich nie von meiner Frau trennen.