Ich frage mich immer wieder, wie wird man Sexworker oder Sexworkerin?
Hattet ihr da ein "Berufungserlebnis" oder seid ihr da einfach reingerutscht. Ist es nur die Not, die euch veranlasst, diesem Beruf nachzugehen oder macht euch die Arbeit solchen Spass, dass ihr gar nichts andere machen wollt?
Habt ihr es auch schon manchmal bereut?
Und was macht euch an eurem Beruf wirklich Freude und was ist dabei belastend und unangenehm. (Gibts ja in jedem Beruf)
Das Thema SW hat mich schon in meiner frühen Pubertät fasziniert. Und trotzdem oder gerade deswegen, dass ich aus behüteten Verhältnissen und einem strengen Elternhaus kam, kam es mir immer wieder in den Sinn
es zu tun. Als Teenager war ich eher verklemmt und hatte panische Angst von Burschen ausgenutzt zu werden, auf denjenigen reinzukippen und sitzengelassen zu werden. Geld spielte somit später die Rolle eines "emotionalen Kondoms" für mich. In weiterer Folge machte ich ungefähr 99% meiner sexuellen Erfahrungen über die SW-Tätigkeit und habe es nie bereut.
Jedenfalls wagte ich den ersten Schritt dank eines Bazar-Inserates, das ich aufgab, als ich auf Suche nach einem Ferialjob war. Es riefen hauptsächlich Männer an, die mir anbaten mit ihnen für Geld zu schlafen. Ich ging zwar nicht sofort darauf ein, aber irgendwann war die Neugier und Versuchung einfach zu groß.

Ich gehe dieser Beschäftigung sehr gerne nach und wage auch zu behaupten, dass ich das Naturell einer Hure habe, allerdings wollte ich es nie Hauptberuflich machen. Die Branche ist sehr kurzlebig und es ist schwer sich langfristig eine Lebensgrundlage damit aufzubauen. Über das gesamte Leben verteilt gesehen, ist der Verdienst nicht hoch, um nicht zu sagen gar jämmerlich.

Für mich persönlich war die SW-Beschäftigung immer nur eine Nebenbeschäftigung neben einem regulärem Job oder einer Ausbildung. Dazu kommt noch, dass wenn man sein gesamtes Einkommen ausschliesslich aus dieser Beschäftigung bestreitet, es zu einer Abhängigkeit davon bzw zu einem Zwang es tun zu
müssen kommt. Das möchte ich (für mich) nicht. Ich mache es gerne, aber ich möchte nicht darauf angewiesen sein.
Natürlich ist der finanzielle Faktor ein wichtiges Kriterium. Aber nicht nur, so wie es bei allen komplexeren Sachverhalten nun mal so ist. Es ist das Abenteuer, der Reiz des Neuen und schließlich ein sehr wichtiger Punkt: die Anerkennung, ein natürliches Bedürfnis, das man idealerweise in jeder Art von beruflicher (oder nebenberuflicher) Tätigkeit (oder auch Ausbildung) gestillt bekommen möchte / sollte.