Damals war nicht alles besser, aber manches anders?

Stimmt - No Future war Thema. Und - Schule essen Seele auf! ...
Und der Arbeitsmarkt war randvoll mit Suchenden - und gefühlt halb leer an Arbeitsplätzen...
Darum haben sie ja die Altvorderen mit 56 in Pension versetzt...
Der sozio-ökokomische Druck war viel höher als heute.
Dann kamen Aids, Reagan und Thatcher, die Globalisierung...

Aus meiner persönlichen Perspektive als Kind aus der Arbeiterschicht - es gab, berechtigt oder nicht, die Perspektive etwas zu erreichen (indem man sich anstrengt)...
Zuerst etwas leisten, dann etwas haben ...im Rückblick - es stimmte schon damals nur eingeschränkt...

Gegenwärtig wird No Future durch - die Alten haben uns die Zukunft geraubt - ersetzt.

Vielleicht trifft es so besser? Jedenfalls, in meiner sozialen Umgebung war Zukunft eine Perspektive. Und sei es, auch ein Stück Zukunft zu haben, die Gleichaltrige aus vermögenderen Familien quasi automatisch hatten... ?!
Und dann kamen die Grünen Bewegungennund auch Parteien, der Ostblock zerfiel - und plötzlich schien viel möglich...
 
Ich bin mir nicht sicher wann die wirklich besseren Zeiten waren.
Letztlich hatte jede Generation ein Phase des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbaus.
Manche hatten die Fähigkeit oder eben auch das Glück diese Veränderungen gut zu meistern, einige so lala, andere sind gescheitert.
Die heutige Depression ist wohl ein Problem des übersteigerten Anspruchs, eben auch eine Folge des Konsumterrors.
Etwas mehr Demut und Bescheidenheit könnte da helfen.
Von Nix, kommt nichts.
Unstreitig das im System nicht alles in Ordnung ist, alle wissen wir brauchen Reformen, nur keiner will betroffen sein.
Problem an der Sache, das funktioniert so nicht.
Ich verstehe auch die Zweifel an der Demokratie nicht, okay, die ist anstrengend, aber gerade wir in Mitteleuropa haben gezeigt was sie schaffen kann.
Es wird gejammert auf höchstem Niveau, statt vieles zu nutzen was geboten wird, laufen viele den Geschichten der Alice aus dem Wunderland nach us hat noch nie geschadet, deshalb nicht die alten Zeiten verklären, auch da hat es verdammt viel Mist gegeben, für Otto Normalverbraucher war es nie leicht.
 
Hatten wir Zukunftsperspektiven? Generation No Future, nannten wir uns nicht so? 40 Bewerbungen zu schreiben war nicht unüblich. Eine Banklehre bekam nur der, der einen 1er Durchschnitt im Abiturszeugnis hatte.

War es in Österreich so anders?
Viele, die über die Jugend von heute lästern, wurden damals als "Null-Bock-Generation" verunglimpft. Scheinbar alles vergessen. :schulterzuck:
 
Hi,

War es in Österreich so anders?

ja. Die Weltwirtschaftskrise wurde bei uns staatlich abgefedert, Kreisky erhöhte lieber die Staatsverschuldung als hohe Arbeitslosigkeit hinzunehmen.

Die sozialen Auswirkungen waren deutlich abgemildert. Dazu kamen in der BRD noch die DDR und die RAF, NATO Doppel-Beschluss, ....

Da war es bei uns deutlich angenehmer, auch abhängig von Deinem sozialen Status, Mittelschicht aufwärts war von NoFuture nicht viel in Sicht.

LG Tom
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein paar Nach-Gedanken:
Wien war grau, alt ("Altersheim"), eintönig und bot jungen Menschen sehr sehr wenig - im Vergleich dazu ist Wien heute jung, bunt und vielfältig. Ach ja, und auch das Donauinselfest kam erst in den 1980er Jahren...

Wenn ich die Schulen meiner Schulzeit (VS und Gym), mit der Schule von heute vergleiche - man hätte Schüler Gerber damals in ihr drehen können, der Mief des Dritten Reichs und der Monarchie wehte noch in ihr...
Wenn ich mich an die Hochschule ("Universität") an der ich studierte erinnere und dies mit ihrem Erscheinungsbild und vielfältigsten Angebot für Studierende heute vergleiche - kein Vergleich.

Ich hatte als junger Erwachsener (mit wenig Geldmittel als Schüler und Student) gerade mal ein feines aber gebrauchtes Fahrrad - sonst nix. Heute hat fast jeder junge Mensch den eigenen motorisierten Untersatz, viele sogar "piekfeine", sündteure (und haben sie vermutlich noch nicht selbst verdient) ....

Es gab die Kommission zur Gewissensprüfung - und wer im Zivildienst war, hatte sozial wie wirtschaftlich deutlich schlechtere Karten.

Praktisch täglich konnte man das unsägliche "Unterm Hitler hätt's des net geb'n!!" hören - ok, das Klima wird aktuell durch "Ihr werd's scho seh'n, wie des unterm (Vokaki) sein wird" ähh gestaltet....

Aber - wir hatten mehr Freiraum, mehr Freiheit, es gab Freiflächen und ungestaltete und unbebaute Räume - die Schotterteiche waren zugänglich und Wald und Wiese waren eigentlich Abenteuerspielplätze...

Ja, und was die "Beziehung" zum anderen Geschlecht anging - dazu ist im Thread schon viel geschrieben worden. Allerdings - ich habe noch Schulverweise gesehen (nach Schikurs), ungewollte Schwangerschaften und Mutterschaft die bis zum Verstoß aus der Familie geführt haben (Eltern, die jeden Kontakt zur Tochter abgebrochen haben) ...

Sehr vieles ist heute deutlich besser, manches war es früher. ;)
Manchmal ist es ein verführerischer Gedanke, einfach wieder ein paar Jahre jünger zu sein - und ich würde einige Dinge heute im Rückblick anders entscheiden - aber ohne dem was war, wäre ich heute anders ... also darf es schon bleiben (auch wenn es in der einen oder anderen Hinsicht schwierig bis sehr schwierig ist).
:winke:
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,

Aber - wir hatten mehr Freiraum, mehr Freiheit, es gab Freiflächen und ungestaltete und unbebaute Räume - die Schotterteiche waren zugänglich und Wald und Wiese waren eigentlich Abenteuerspielplätze...

vielleicht bin ich zu jung, aber Wien war so bunt, wie man es sich machte. Arena & Co. gab es schon.

Und nicht zu vergessen: man hatte ein Ziel, etwas das man konkret verändern wollte und konnte. Junge Menschen mussten sich teilweise ihren Platz erstreiten, damit hatte man auch etwas, auf das man stolz sein konnte. Und das war gar nicht so aufwendig.

LG Tom
 
Da war es bein uns deutlich angenehmer, auch abhängig von Deinem sozialen Status, Mittelschicht aufwärts war von NoFuture nicht viel in Sicht.

LG ToTom
Ist es immer noch. Wenn ich mir meine deutschen Freunde anschaue, arbeiten bis 67 und 48%(?) der Durchschnittsrente, gratuliere ich mir immer noch zu dem Entschluss, 2002 nach Österreich zu gehen. Wirtschaftlich jedenfalls 😉.

Ausgleichszulage gibt es nur sehr bedingt, die Witwenpension ist in Österreich auch wesentlich großzügiger, ganz zu schweigen von der Pflege, die sich kaum jemand von seiner geringen Rente leisten kann. Wenn also das Eigentum verbraucht ist, müssen die Kinder zahlen, bis jetzt nur ab 100.000 Jahreseinkommen, aber ich glaube, diese Grenze wird es auch bald nicht mehr geben. 😒
 
Hi,



vielleicht bin ich zu jung, aber Wien war so bunt, wie man es sich machte. Arena & Co. gab es schon.

Und nicht zu vergessen: man hatte ein Ziel, etwas das man konkret verändern wollte und konnte. Junge Menschen mussten sich teilweise ihren Platz erstreiten, damit hatte man auch etwas, auf das man stolz sein konnte. Und das war gar nicht so aufwendig.

LG Tom
Debattieren und erstreiten konnten wir, ja. Und ich hatte auch Lehrer*innen, die genau das förderten - und die Schweigemauer um Österreichs Mittäterschaft durchbrachen...

Ja, Rincon Andino, Amerlinghaus, das Merkur ... und vor allem viel mehr aber kleine Kinos ("nur" Kinos)... (und auch Vormittagkinos 8-) )...
An die Schlagzeilen zur Arenabesetzung erinnere ich mich auch noch (da war doch gerade Jubiläum?)..

Nur, ich war Fahrschüler, kaum Geld und eine echt strenge, kleinbürgerliche Erziehung - durfte und konnte vieles nicht machen.
Im Studium mit Wochenendjob hat meine Befreiung begonnen.
 
Ein paar Nach-Gedanken:
Wien war grau, alt ("Altersheim"), eintönig und bot jungen Menschen sehr sehr wenig - im Vergleich dazu ist Wien heute jung, bunt und vielfältig. Ach ja, und auch das Donauinselfest kam erst in den 1980er Jahren...

Wenn ich die Schulen meiner Schulzeit (VS und Gym), mit der Schule von heute vergleiche - man hätte Schüler Gerber damals in ihr drehen können, der Mief des Dritten Reichs und der Monarchie wehte noch in ihr...
Wenn ich mich an die Hochschule ("Universität") an der ich studierte erinnere und dies mit ihrem Erscheinungsbild und vielfältigsten Angebot für Studierende heute vergleiche - kein Vergleich.

Ich hatte als junger Erwachsener (mit wenig Geldmittel als Schüler und Student) gerade mal ein feines aber gebrauchtes Fahrrad - sonst nix. Heute hat fast jeder junge Mensch den eigenen motorisierten Untersatz, viele sogar "piekfeine", sündteure (und haben sie vermutlich noch nicht selbst verdient) ....

Es gab die Kommission zur Gewissensprüfung - und wer im Zivildienst war, hatte sozial wie wirtschaftlich deutlich schlechtere Karten.

Praktisch täglich konnte man das unsägliche "Unterm Hitler hätt's des net geb'n!!" hören - ok, das Klima wird aktuell durch "Ihr werd's scho seh'n, wie des unterm (Vokaki) sein wird" ähh gestaltet....

Aber - wir hatten mehr Freiraum, mehr Freiheit, es gab Freiflächen und ungestaltete und unbebaute Räume - die Schotterteiche waren zugänglich und Wald und Wiese waren eigentlich Abenteuerspielplätze...

Ja, und was die "Beziehung" zum anderen Geschlecht anging - dazu ist im Thread schon viel geschrieben worden. Allerdings - ich habe noch Schulverweise gesehen (nach Schikurs), ungewollte Schwangerschaften und Mutterschaft die bis zum Verstoß aus der Familie geführt haben (Eltern, die jeden Kontakt zur Tochter abgebrochen haben) ...

Sehr vieles ist heute deutlich besser, manches war es früher. ;)
Manchmal ist es ein verführerischer Gedanke, einfach wieder ein paar Jahre jünger zu sein - und ich würde einige Dinge heute im Rückblick anders entscheiden - aber ohne dem was war, wäre ich heute anders ... also darf es schon bleiben (auch wenn es in der einen oder anderen Hinsicht schwierig bis sehr schwierig ist).
:winke:
Danke, ein sehr treffender Beitrag.
Leider verstummen die Stimmen derer die diese Zeit real erlebt haben zunehmend.
Wir haben es uns wohl in Demokratie und Wohlstand etwas zu bequem gemacht.
 
Mit den Jahren wurde mir immer bewusster wie toll die doch die Zeit unserer Jugend auf dem Land war. Unser Freundeskreis war bunt gemischt. Hauptsächlich handwerklich geprägt. Teilweise Gymnasiasten aber doch eine eingeschworene Bande. Wir haben von den "alten" viel gelernt. Sei es Mechanik, Schreinerei, Zimmerei, Spenglerei, Heizungsbau, Bauhandwerk und auch Metzger. Wir haben uns immer schon gegenseitig geholfen und auch miteinander gesoffen. Das hat uns geprägt und die "alten" haben uns dabei geholfen. Sei es Kriegserfahrungen die auch dazu beigetragen haben einen gesunden Menschverstand zu entwickeln. Die Gemeinsamkeiten in den Vereinen mit den gemischten Generationen haben uns auch zu einer gewissrn Bauernschläue verholfen. Was die Österreicher als Piefke bezeichnen waren bei uns die "Preiss'n". Ich kenn die Thematik. Ich war vor vielen Jahren schon in Kärnten suf Urlaub auf einem Bauernhof. Da gab's dann a Problem mit dem Bauern seinen 520er BMW. Kupplung kaputt. Hab dann bei seinem Nachbarn in der Grube an dem Sonntag dss Getriebe rausgewerkelt und am Montag Nachmittag war der BMW wieder flott. Die hatten auf ihrem Hof ein superschönes kleines Hallenbad, dass Dank der Hackschnitzelheizung schön warmes Wasser hatte. Das hab ich anschließend bedonders genossen. Was ich damit sagen möchte ist die Tatssche, dass diese Werte heutzutage am Arsch sind. Wir wurden so geprägt. Was mich stolz macht ist aber auch die Tatsache, dass die Jugend in unserem Dunstkreis heut zu jetzt uns "alten" kommen wenn was handwerkliches anliegt. Selbst wenn wir heut in ganz anderen Berufen ohne schmutzige Hände sind. Wenn wir z.B. bei Dorffeierlichkeiten beisammen sitzen, gesellt sich die Jugend gern zu uns. Egal ob Handwerker oder Akademiker. Ja...wir saufen zusammen. Das ist auch gut so. Die Welt kann schon noch in Ordnung sein. Eines möcht ich noch anmerken. Oft denk ich mir, was ich hier in dem Forum eigentlich verloren hab, wenn ich mir die Kommunikation so anschau. Bin einfach heut spät heimgekommen.
 
wir hatten am wochenende und auch abends fixe zeiten wo wir uns treffen, im kaffeehaus, im gasthaus , handy gab es noch nicht und jeder war pünktlich am treffpunkt
 
Erstens war ich Fahr-Schüler (täglich 40 Minuten Bahnfahrt je Richtung) und zweitens in der Einschicht daheim. Ist heutzutage auch nicht besser...
 
Zurück
Oben