Kommt für mich darauf an worüber und warum jemand lügt.
Wenn jemand seine Bundesheergeschichten ausschmückt dann gehört es fast wie Jägerlatein schon zur Kultur.
Dann gibt es noch ein paar Fantasten die gerne ihr Leben in der Erzählung glorifizieren um sich selbst besser zu fühlen. Da empfinde ich manchmal schon eher Mitleid und bleibe trotzdem noch höflich. Mir kann es ja eigentlich egal sein und keiner will schlechter dastehen.
Problematisch wird es dann bei Kompetenzen. Zum Beispiel hat mir ein Freund immer wieder erzählt wie erfahren er beim Überleben in der Wildnis ist, geendet hat die Vorspiegelung falscher Erfahrung in der Notaufnahme. So etwas kann dann schon auch für andere gefährlich werden und noch dazu blamiert man sich.
Wo Lügen dann wirklich nicht mehr akzeptabel sind ist in der Beziehung.
Aber auch da lügen die wenigsten ohne Grund.
Fremdgehen, Alkoholismus, Drogen und Spielsucht oder perverse Neigungen sind da oft ein Hintergrund wodurch jedes Vertrauen zerstört wird.
Ich glaube daraus wird man dann zum notorischen Lügner, entwickelt einen schlechten Charakter und endet auch nicht selten in kriminellen Kreisen.
Daher sollte man schon darauf achten wo die Grenzen sind, ab wann Lügen gefährlich sind oder wo es einfach nur ein paar harmlose Märchen sind.
Vor einigen Jahren habe ich einmal The Life of Washington von Mason Locke Weems gelesen. In den USA kannte früher jedes Kind einige Inhalte und wer hier oft US Serien aus den 80er und 90er Jahren sah war wahrscheinlich auch schon öfter damit konfrontiert.
Kurz zusammengefasst geht es darum dass der kleine George mit seiner ersten Axt einen Kirschbaum fällte. Als sein Vater den Schaden entdeckte war er natürlich wütend und wollte wissen wer der Übeltäter war. Klein George sagte dann er könne nicht lügen und gab die Schuld zu. Damals waren Prügel bei so einem Verhalten noch üblich, der Vater von George war aber so erfreut über die Ehrlichkeit und verzieh George. Im Endeffekt war er sogar stolz auf ihn.
Die Geschichte ist natürlich mehr ein Mythos, aber sie prägte über viele Jahre ganze Generationen und war so auch in den amerikanischen Schulbüchern. Und etwas angespornt davon habe ich vieles im Leben auch einmal überdacht.
Zwar glaube ich nicht dass man ohne Lügen im Leben besser aussteigt, aber man fühlt sich selbst in der eigenen Identität bestätigt und als Mensch gefestigter wenn man es bewusst sein lässt.