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Ich weiß, dass politische Themen nicht erwünscht und erlaubt sind. Aber genau das Thema geht über Politik weit hinaus, es ist eine gesellschafts- und auch politisches Thema, das wirklich jeden betreffen kann.
Seit Österreich 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ratifiziert hat, hat sich zwar einiges verbessert: mehr Barrierefreiheit, mehr Sichtbarkeit, Antidiskriminierungsrechte und ein Ausbau Persönlicher Assistenz. Vieles davon wurde von der Behindertenbewegung der 80er- und 90er-Jahre hart erkämpft — unter anderem durch Organisationen wie BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben (war sogar bei der Gründung höchst selbst dabei).
Trotzdem kritisierte die UNO Österreich 2023 deutlich: Die UN-BRK werde nur teilweise umgesetzt. Besonders problematisch seien:
Auch der Arbeitsbereich bleibt kritisch:
Viele Menschen mit Behinderungen arbeiten noch immer in Werkstätten ohne regulären Lohn oder volle Sozialversicherung. Die UNO sieht darin keine echte gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt.
Besonders alarmierend ist außerdem die Situation von Frauen mit Behinderungen. Studien zeigen seit Jahren, dass sie zwei- bis dreimal häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen sind als nichtbehinderte Frauen — vor allem in Institutionen und Abhängigkeitsverhältnissen. Die UNO kritisiert hier mangelnden Schutz, fehlende Beschwerdemöglichkeiten und strukturelle Gewalt.
Ein zentrales Problem bleibt der Föderalismus. Unterstützungsleistungen hängen oft stärker vom Wohnort als vom tatsächlichen Bedarf ab. Während Länder wie Schweden Persönliche Assistenz als einklagbares Bürgerrecht verstehen, wird sie in Österreich häufig noch wie eine begrenzte Sozialleistung behandelt.
Gerade Persönliche Assistenz verändert aber Machtverhältnisse grundlegend:
Menschen mit Behinderungen werden nicht bloß „versorgt“, sondern können selbst entscheiden, arbeiten, wohnen und ihr Leben organisieren. Statt Bittsteller:innen zu sein, werden sie teilweise selbst Arbeitgeber:innen.
Neue Entwicklungen wie Long COVID oder ME/CFS zeigen zudem, dass Behinderung längst kein Randthema mehr ist. Jeder Mensch kann durch Krankheit, Alter oder Unfall betroffen sein. Behinderung ist keine kleine Minderheit, sondern Teil menschlicher Realität.
Frage an Euch (sofern Ihr mitdiskutieren wollt):
Was müsste sich gesellschaftlich verändern, damit Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen selbstverständlich wird — und nicht vom Wohnort, Geld oder Unterstützungssystem abhängt?
Und: Wie erlebt Ihr Inklusion von Menschen mit Behinderung aus Nichtbehinderten-Sicht?
Seit Österreich 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ratifiziert hat, hat sich zwar einiges verbessert: mehr Barrierefreiheit, mehr Sichtbarkeit, Antidiskriminierungsrechte und ein Ausbau Persönlicher Assistenz. Vieles davon wurde von der Behindertenbewegung der 80er- und 90er-Jahre hart erkämpft — unter anderem durch Organisationen wie BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben (war sogar bei der Gründung höchst selbst dabei).
Trotzdem kritisierte die UNO Österreich 2023 deutlich: Die UN-BRK werde nur teilweise umgesetzt. Besonders problematisch seien:
- weiterhin viele institutionelle Wohnformen,
- sogar eine Zunahme von Menschen in Heimen (30 %),
- fehlende Deinstitutionalisierung,
- Zunahme von Sonderschulen anstatt Abbau,
- kein bundesweit einheitliches Assistenzsystem,
- große Unterschiede zwischen den Bundesländern,
- mangelnde Barrierefreiheit und
- zu wenig echte Selbstbestimmung
Auch der Arbeitsbereich bleibt kritisch:
Viele Menschen mit Behinderungen arbeiten noch immer in Werkstätten ohne regulären Lohn oder volle Sozialversicherung. Die UNO sieht darin keine echte gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt.
Besonders alarmierend ist außerdem die Situation von Frauen mit Behinderungen. Studien zeigen seit Jahren, dass sie zwei- bis dreimal häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen sind als nichtbehinderte Frauen — vor allem in Institutionen und Abhängigkeitsverhältnissen. Die UNO kritisiert hier mangelnden Schutz, fehlende Beschwerdemöglichkeiten und strukturelle Gewalt.
Ein zentrales Problem bleibt der Föderalismus. Unterstützungsleistungen hängen oft stärker vom Wohnort als vom tatsächlichen Bedarf ab. Während Länder wie Schweden Persönliche Assistenz als einklagbares Bürgerrecht verstehen, wird sie in Österreich häufig noch wie eine begrenzte Sozialleistung behandelt.
Gerade Persönliche Assistenz verändert aber Machtverhältnisse grundlegend:
Menschen mit Behinderungen werden nicht bloß „versorgt“, sondern können selbst entscheiden, arbeiten, wohnen und ihr Leben organisieren. Statt Bittsteller:innen zu sein, werden sie teilweise selbst Arbeitgeber:innen.
Neue Entwicklungen wie Long COVID oder ME/CFS zeigen zudem, dass Behinderung längst kein Randthema mehr ist. Jeder Mensch kann durch Krankheit, Alter oder Unfall betroffen sein. Behinderung ist keine kleine Minderheit, sondern Teil menschlicher Realität.
Frage an Euch (sofern Ihr mitdiskutieren wollt):
Was müsste sich gesellschaftlich verändern, damit Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen selbstverständlich wird — und nicht vom Wohnort, Geld oder Unterstützungssystem abhängt?
Und: Wie erlebt Ihr Inklusion von Menschen mit Behinderung aus Nichtbehinderten-Sicht?