Heute ists ja richtig interessant hier
Ohne jetzt alles gelesen zu haben, denn Beziehungskonstellationen gibts ja wie Sand am Meer, und im Endeffekt muss sich eh jedes Paar für sich ausmachen, wie es die Beziehung gestalten will ...
Beziehung zu leben ist einfach schwierig. Noch dazu am Anfang. Jeder hat seine eigene Landkarte im Kopf, wie es denn funktionieren muss: ja, genauso gehts, genauso wie ich mir das vorstelle, ist es richtig, und wenn es anders ist, dann ist es falsch, dann funktionierts nicht, weil .... man das nicht machen kann, weil das neu ist, weil Mama und Papa das auch nie gemacht haben (oder grade weil sie es gemacht haben) etc.. pp..
Wenn man in relativ jungen Jahren mit einem anderen Menschen zusammen zieht und noch überhaupt keine Ahnung hat, wie Zusammenleben funktioniert und wie man mit den unterschiedlichen Bedürfnissen des Partners umgehen soll, sind die Schwierigkeiten vorprogrammiert. Wenn einem dann auch noch (wohlmeinende


) Eltern im G'nack sitzen, die einem auch noch sagen wollen, wie man es denn machen soll, steht man meistens eh schon auf verlorenem Posten. Der eine ist härter und setzt sich durch, der andere ist flexibler, rücksichtsvoller und gibt nach... bis er sich denkt "Warum immer ich?". Es wird eng, es fehlt der Raum für Rückzug, es fehlt die Gelegenheit auch wieder mal etwas alleine machen zu können, und irgendwann bricht einer aus oder das ganze stürzt ein.
... und dabei haben wir es uns ja soooo schön ausgemalt... damals, vor 15 Jahren.
Ich bin ein großer Fan von Imago. Das ist eine Art Paartherapie, in der man sehr viel lernt. Nein, nicht darüber, was der/die andere alles falsch macht und wie ich sie/ihn dazu bringe, das zu tun, was ich sage, also das, was "richtig ist" (oder so...). Nein, man lernt extrem viel über sich selbst. Und genau da liegt nämlich auch der Hund begraben: in mir selbst. In meinen Erwartungen, in meinen unbewussten Wünschen, in meinen "Knöpfen" (nämlich, die, die mein Partner drückt und die mich augenblicklich auf 180 sein lassen). Außerdem lernt man wertschätzende Kommunikation. Eben keine Gespräche wie "Warum machst Du immer ..." "das ist nur, weil Du nie ...." "Aber Du hast doch gesagt, Du würdest ..." ("Immer" und "Nie" - meine Lieblingswörter ;-) ), wo man sich gegenseitig aufschaukelt und nach 3 Stunden sinnlosen Debattierens vollkommen konfus und schwurbelig im Kopf ist und keine graden Gedanken mehr auf die Reihe kriegt. Jeder dreht sich (bestenfalls) im Bett nach außen und grummelt vor sich hin. An erholsamen Schlaf ist nicht zu denken. Sondern man lernt, Dialoge zu führen, die mir wirkliche Erkenntnis bringen, über meine Partnerin, warum sie so tickt, wie sie tickt, über meine Beziehung, und wie schon gesagt, sehr viel über einen selbst. Ja, so ein Workshop dauert eine Zeit und ist nicht grade billig, aber gemessen an dem, was es uns gebracht hat, kann ich nur sagen, das war gut investierte Zeit und gut investiertes Geld, schon bevor es dann zu spät war! Und meine Partnerin sieht das genauso.
Wir leben meistens, aber nicht immer zusammen. Jeder hat seine eigene Wohnung, wir leben mal hier, mal da (was lustige Komplikationen mit sich bringt - "Wo hab i jetzt die mitternachtsblaue Unterwäsch???"), und auch mal jeder für sich alleine. Wir können sowohl unser Gemeinsam-Sein, als auch unser Allein-Sein genießen. Wir teilen Alltag, aber nicht alles. Wir haben Freiraum für Aktivitäten, bei denen der andere nicht mit möchte. Wir können uns von Herzen auf den anderen freuen. Wir leben Lust und Erotik meistens gemeinsam aus - und wir machen keine Geheimnisse draus, und müssen daher weder lügen noch ein schlechtes Gewissen haben.
Ich würde das, was wir haben, durchaus als "Beziehung" bezeichnen, und nicht als Freundschaft+ oder ähnlich. Dafür empfinden wir einfach zu tief füreinander. Wir haben sehr vieles, was uns wichtig ist, gemeinsam. Natürlich sind wir beide schon in einem etwas reiferen Alter, die Kinder sind aus dem Haus, und wir haben beide Erfahrungen aus früheren (gescheiterten) Beziehungen gemacht.
Also, aus meiner Warte heraus: Ja, es ist möglich, eine ernsthafte und tiefe Beziehung mit zwei getrennten Haushalten zu führen

(Hoffentlich bleibt's so!

)