"War denn das wirklich so (schlimm)?"
"Kann es nicht anders abgelaufen sein?"
"Sind Sie sicher, dass er Sie da absichtlich berührt hat und nicht nur zufällig?"
"Hat es Ihnen nicht doch auch ein bisserl gefallen?"
"Haben Sie den Mann nicht doch auch etwas ermutigt?"
"Können Sie sich nicht vorstellen, dass Sie etwas dazu beigetragen haben?"
"Warum sind Sie nicht einfach weggegangen?"
"Wieso haben Sie niemanden um Hilfe gebeten?"
"Na, wenn Sie geschrien hätten, hätte Sie sicher jemand gehört."
"Warum sind Sie als Frau denn überhaupt dorthin gegangen?"
"Er hat Ihnen doch gar nicht wirklich weh getan."
"Es ist doch ein Kompliment, wenn ein Mann Sie begehrt."
"Es ist ja nichts weiter passiert." - "Sie haben es doch eh überlebt."
"Schauen Sie doch einfach weg, wenn es Sie stört."
"Wir können es schon aufnehmen, aber wenn Sie keine Zeugen (MZ) haben..."
Das sind die Fragen und Feststellungen, die einen erwarten, wenn man sexuelle Übergriffe meldet.
Nein, man fühlt sich als Opfer nicht ernst genommen, - schließlich war es doch gar nicht so schlimm.
Es tut mir leid, dass ich so viel von mir preisgegeben habe. Es tut mir auch leid, dass mich dieses Thema so triggert. Auch, dass es männliche Opfer von Frauen und Männern gibt. Was aber anscheinend alle außer acht lassen ist, dass alle solche Übergriffe weniger mit Sex zu tun haben als mit Machtausübung und mit dem prinzipiellen Frauenbild der Täter und derer, die diese Taten zu relativieren versuchen und sie klein reden.
Richtig weh tut mir aber, dass auch Frauen, die ich an sich sehr schätze, in diesen Chor mit einstimmen.
Ich bin raus.