Gedanken zum Älterwerden

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Ich lese hier ja schon ein paar Tage mit und würde mich selbst als ziemlich offen und neugierig bezeichnen, was Sexualität angeht.

Was mir dabei immer öfter auffällt und ehrlich gesagt ein bisschen zu denken gibt: Wenn ich Beiträge von älteren (meist männlichen) Usern lese, habe ich oft das Gefühl, dass sich die Vorstellung von „intensiver Erotik“ überhaupt nicht mit meiner Vorstellung vergleichen lässt.

Für mich liegt die Intensität oft in Küssen, Nähe oder einfach im In-die-Augen-Schauen – Dinge, die nicht wahnsinnig spektakulär sind, sich aber unglaublich intensiv anfühlen.

Und dann lese ich hier von Erfahrungen, bei denen es viel mehr ums Extreme geht... z. B. Gangbangs, Cuckold-Erfahrungen oder generell sehr intensive/außergewöhnliche Settings. Und dann frage ich mich oft, ob das einfach eine andere Art von Offenheit ist… oder ob sich mit der Zeit wirklich etwas verändert.

Wird „das Einfache“ irgendwann zu wenig? Braucht man mehr, um das gleiche Gefühl zu bekommen? Oder verschiebt sich einfach nur das, was man als reizvoll empfindet?

Ich merke bei mir ja selbst, wie sich Dinge verändern und Vorlieben verschieben. Aber schon der Gedanke, mein Partner würde mich teilen wollen, fühlt sich für mich komplett falsch an – da bekomme ich richtig Gänsehaut... (und nicht im guten Sinne)

Deshalb meine Frage an euch, vor allem an die, die schon länger dabei sind:
Wie hat sich eure Wahrnehmung von Erotik im Laufe der Jahre verändert?
Gibt es Dinge, die früher im Mittelpunkt standen und heute weniger wichtig geworden sind?
Und fühlt sich das eher wie eine Erweiterung an – oder eher wie ein Verlust von etwas?
 
Wird „das Einfache“ irgendwann zu wenig? Braucht man mehr, um das gleiche Gefühl zu bekommen? Oder verschiebt sich einfach nur das, was man als reizvoll empfindet?
Für mich ist das Gegenteil der Fall. Ich war früher experimentierfreudiger und sexuell mit Sicherheit offener unterwegs. Heute mag ich kuscheln, Seite an Seite schlafen, Decke teilen und Kuschelsex mit einer Frau reicht voll aus.

Gibt es Dinge, die früher im Mittelpunkt standen und heute weniger wichtig geworden sind?
Ja. Gewisse Experimente und Erfahrungen zum Beispiel, oder bestimmten Körpertypen hinterher jagen, unbedingt diverse Stellungen ausprobieren wollen... Sowas.
Heute geh ich das alles etwas entspannter an.

Heute gehe ich auch keine Wände mehr hoch wenn ich Mal eine Woche oder 2 keinen Sex habe.

Und fühlt sich das eher wie eine Erweiterung an – oder eher wie ein Verlust von etwas?
Es fühlt sich wie eine Entwicklung an. Verloren sind die vergangenen Jahre und Erfahrungen ja nicht. Aber ich merke vor allem dass ich viel von dem ganzen künstlichen Zeug rundherum nicht brauche. BDSM, Rollenspiele, Outfits, Spielzeuge, irgendwelche besonderen Praktiken oder Fetische, Analsex,... Gelegentlich kann man Mal was davon einbauen zur Abwechslung, aber ist auch voll OK wenn man es bleiben lässt.

Die Checkliste ist gewissermaßen abgearbeitet und ich bin recht zufrieden.

Nachtrag: was sich schon wie ein Verlust anfühlt sind allerdings vergangene Gelegenheiten oder Zeiten die ich nicht so genutzt habe, wie ich sie hätte nutzen können. Manchmal kommt das "Was wäre gewesen wenn..." im Kopf schon hoch. Auch meine Freundin mit 20 hätte ich verdammt gern gekannt (gut ehrlich gesagt: gefickt) wenn ich heute ihre Bilder von damals sehe. Allgemein sehnt man sich glaub ich manchmal nach der Jugend ein wenig zurück. Aber damit müssen wohl alle leben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Deshalb meine Frage an euch, vor allem an die, die schon länger dabei sind:
Wie hat sich eure Wahrnehmung von Erotik im Laufe der Jahre verändert?
Natürlich verändert sich das im Laufe des Lebens durch Erfahrung(en), beim einen mehr, beim anderen weniger. Mit 20 hat man einen anderen Blick auf Sexualität (und Erotik) als mit 40/50 oder 70...
Gibt es Dinge, die früher im Mittelpunkt standen und heute weniger wichtig geworden sind?
Ja, der Orgasmus zum Beispiel. War mir früher wichtiger als heute. Der Weg ist das Ziel.
Und fühlt sich das eher wie eine Erweiterung an – oder eher wie ein Verlust von etwas?
Ich denke das kommt auch auf den Partner an, inwieweit diese/r die Wünsche und Bedürfnisse abdeckt.
Vermutlich ist das nicht nur individuell vom Menschen abhängig, sondern auch vom Geschlecht. MMn ist es für die meisten eher eine Erweiterung, speziell für Frauen.
Männer empfinden es sicher als Verlust, wenn irgendwann die erektile Dysfunktion einsetzt. Schlimm stelle ich mir vor, wenn die Libido noch stark ist, aber der Körper nicht mehr so mitmacht (was ja verschiedene Ursachen haben kann, von Alter bis Krankheitsbedingt.)
Ist aber nur meine persönliche Meinung (nicht, dass sich jemand angegriffen fühlt).
 
Aber schon der Gedanke, mein Partner würde mich teilen wollen, fühlt sich für mich komplett falsch an – da bekomme ich richtig Gänsehaut... (und nicht im guten Sinne)
Geht mir übrigens ganz genau so (und zum Glück tickt mein Partner da wie ich).
Können wir uns beide nicht vorstellen, aber wenn das beide wollen, why not.
Ich hab nur irgendwie das Gefühl, es ist zum Trend geworden.
 
Ich lese hier ja schon ein paar Tage mit und würde mich selbst als ziemlich offen und neugierig bezeichnen, was Sexualität angeht.

Was mir dabei immer öfter auffällt und ehrlich gesagt ein bisschen zu denken gibt: Wenn ich Beiträge von älteren (meist männlichen) Usern lese, habe ich oft das Gefühl, dass sich die Vorstellung von „intensiver Erotik“ überhaupt nicht mit meiner Vorstellung vergleichen lässt.

Für mich liegt die Intensität oft in Küssen, Nähe oder einfach im In-die-Augen-Schauen – Dinge, die nicht wahnsinnig spektakulär sind, sich aber unglaublich intensiv anfühlen.

Und dann lese ich hier von Erfahrungen, bei denen es viel mehr ums Extreme geht... z. B. Gangbangs, Cuckold-Erfahrungen oder generell sehr intensive/außergewöhnliche Settings. Und dann frage ich mich oft, ob das einfach eine andere Art von Offenheit ist… oder ob sich mit der Zeit wirklich etwas verändert.

Wird „das Einfache“ irgendwann zu wenig? Braucht man mehr, um das gleiche Gefühl zu bekommen? Oder verschiebt sich einfach nur das, was man als reizvoll empfindet?

Ich merke bei mir ja selbst, wie sich Dinge verändern und Vorlieben verschieben. Aber schon der Gedanke, mein Partner würde mich teilen wollen, fühlt sich für mich komplett falsch an – da bekomme ich richtig Gänsehaut... (und nicht im guten Sinne)

Deshalb meine Frage an euch, vor allem an die, die schon länger dabei sind:
Wie hat sich eure Wahrnehmung von Erotik im Laufe der Jahre verändert?
Gibt es Dinge, die früher im Mittelpunkt standen und heute weniger wichtig geworden sind?
Und fühlt sich das eher wie eine Erweiterung an – oder eher wie ein Verlust von etwas?

Ich hab mich über die Jahrzehnte sehr exzessiv ausgelebt und wahrlich nichts ausgelassen. Heute hab ich das Gefühl, nur wenig davon hat mir tatsächlich so viel gebracht, dass ich es heute noch (oder wieder) erleben will. Und inzwischen hab ich die völlige Ruhe und den Fokus auf das, was mir wirklich gut tut. Eine Art Egoismus 2.0. Da erübrigt sich das Jagen nach Extremen ebenso, wie das Durchleben solcher - nur der Besonderheit wegen. Ich will, was uns gut tut. Und das ist ein eher kleines, aber feines Repertoire, bei dem wir beide aber dafür ein Maximum an Lust erleben. Jeden Tag Schnitzel? Why not, wenns doch so hervorragend schmeckt.
 
Ich merke bei mir ja selbst, wie sich Dinge verändern und Vorlieben verschieben. Aber schon der Gedanke, mein Partner würde mich teilen wollen, fühlt sich für mich komplett falsch an – da bekomme ich richtig Gänsehaut... (und nicht im guten.
Geht mir genau so. Wenn ich in einer Beziehung bin, dann habe ich gar nicht das Bedürfnis nach jemandem anderen und umgekehrt möchte ich einen Partner der genauso tickt. Diese Fragen, wie: Wie viele Hausfreunde hat deine Frau? Finde ich einfach nur verstörend...
 
Der Mensch ist nie satt. Eigentlich auch gut so, weil man sich dadurch stetig weiter entwickelt.

Aber primär durch Indoktrination durch der Pornoindustrie wächst die Extreme eben permanent weiter und die Grenzen der sexuellen Fantasien verschieben sich für manche Konsumenten auf eine Ebene wo man als normaler Mensch keinen gesunden Reiz mehr darin erkennen kann.

Dadurch werden vor allem Männer auch beziehungsunfähig und suchen im Internet verzweifelt nach Frauen die es in der Realität kaum bis gar nicht gibt.

Das weibliche Gegenstück dazu ist die medieninspirierte Suche nach dem toleranten und einfühlsamen woken "Mann" der sich dann oft aber als geistloser und blutleerer Waschlappen entpuppt und die Unfähigkeit echte Männlichkeit als solche zu genießen und zu akzeptieren.
 
Keine Sorge, das ist nicht automatisch so. Und das hat auch nicht unbedingt mit dem Alter zu tun. Es hat bei vielen die hier schreiben eher damit zu tun, dass mehr Phantasie als Gelegenheit vorhanden ist.

Ich hab auch nichts ausgelassen, weil ich es ja probieren musste, bevor ich sagen konnte, dass es nichts für mich ist. Und mit zeitlicher Distanz betrachtet, habe ich Vieles sicher nur probiert, weil es an mich herangetragen wurde. Den Großteil davon hätte ich mir schenken können. Aber wer weiß, dann hätte ich vielleicht das Gefühl, dass ich was versäumt habe.

Ich finde Nähe, Kuscheln, in-die-Augen-schauen nach wie vor wichtig. Weil zeitlich gesehen ist das eher der Großteil der Zuwendung zu meiner Partnerin/meinem Partner. Sex ist auch super. Aber kein Leistungssport bitte.
 
Es ist bei mir eher auf gleichem Niveau geblieben. Die Dinge, von denen ich weiß, dass sie essentiell sind, habe ich früh erkannt und beibehalten. Das hat etwas mit Grundwerten zu tun. Spielarten dürfen gerne ausprobiert werden. Nur: wenn dabei außer acht gelassen wird, dass dies die Person ist, mit der ich mein Leben verbringen möchte, und die ich über alles liebe, dann ist da vorher die Reißleine zu ziehen. Kein Sex der Welt ist es wert, das zu gefährden. Eine Sache hat sich, durch Alter oder Erfahrungen, bei mir geändert: ich sehe jetzt als Single keine moralischen Bedenken für One Night Stand oder Freundschaft+, wenn es beide wollen. Das war früher anders, da war Sex für mich eigentlich untrennbar mit Beziehung verbunden. Die Extreme beim Ausleben kommen m.E. zum sehr großen durch Übersättigung beim Pornokonsum zustande: man stumpft ab, braucht mehr. Unsere Jugend hat das durch permanente Zugänglichkeit von Pornos nach meiner Wahrnehmung auch schon viel früher erreicht, dass eine größere Personenmenge diese Extreme möchte, oder glaubt, dass es von ihnen erwartet wird.
 
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