Nachdem's ja vor den Internet-/Handy- und sonstigen Visualisierungszeiten nur beschränkte Mittel gab um "entferntere" Bekanntschaften zu machen, gabs - übrigens lange vor der modernen Bezeichnung "Blind-Date" - schon das Kennenlernen ohne Vorab-Check. Bestes Beispiel dafür ist von der Userin "justme84" die Geschichte mit dem CBS-Funk.
Meine acht Blind-Dates (nach heutigen Maßstäben) waren alle keine "Enttäuschung", sondern vielmehr aufregend, teilweise belustigend und immer von viel Vorfreude begleitet. Und zwei davon schon beim ersten Mal "erotisch erfolgreich" und die anderen kurz danach nachfolgend.
Mir scheint nicht nur dass dies Alles heute nicht mehr von Belang ist, die "Neuzeit" fordert "Offenlegung" auf allen Ebenen, Rückversicherung und nur ja keine "Überraschungen".
Und so verläuft das "Kennenlernen" nur mehr mit vorhergehender Eros-Navigation, mit ausführlicher Luststreckenbeschreibung und mit optischer Vorlage von den lackierten Zehennägeln, über die glatt rasierten Venus- und Luststockhügel bis hin zur exakt ausgezupften Augenbraue. Erotische Fertiggerichte, die keine unbekannten "Gewürze", keine nicht schon vorher abgeschmeckte Lustnote und vor allem viele "no go's" aufweisen.
Diese umfassende "Datensammlung" und "Datenabsicherung" erübrigt eigentlich eine "Date", ganz zu schweigen von einem "Blind-Date". Ist ja eh schon Alles klar "auf den Tisch gelegt" und "ausgebreitet" - wozu dann sich dann überhaupt noch "real" treffen?
Tja, und so bleiben dann verquerte CBS-Funk-Flirts, unbekannte Telefonstimmenannäherungen, versteckte und mit Messern mühsam eingeritzte "Liebes-Angebote" auf roten Bänken/markanten Bäumen oder gar auf WC-Wänden und die guten alten "Mai-Andachten" nur mehr als Relikte einer längst vergangenen, aber umso spannenderen Zeit zurück.
Lust und Neugierde sind unsere wichtigsten "Lebensantreiber" - egal auf welcher Ebene auch immer. Überzogene Vorsicht, mangelnde Aufmerksamkeit fürs Unbekannte und Angst vor dem Moment der Überraschung sind auch für das "Spiel um und mit der Liebe" nur abtörnend. Wahrscheinlich (oder fast sicher) ist das postmoderne Geschwätz von der "No Risk-No Fun-Generation" nur lapidar daher geplappertes Maulheldentum. Ein erstes "Blind-Date" könnte diesen "Vorwurf" widerlegen - aber wer traut sich schon?