Sexualbegleiter

da geht es nicht um charmant, deine wünsche oder sonst was sondern einzig darum, dass hier geschrieben wird, dass man menschen die einer sexualbegleitung bedürfen diese ja ohne weiteres seitens ausgedienter sexworkerinnen die es optisch nicht mehr so bringen angedeihen lassen könnte! und dagegen verwehre ich mich, nicht mehr! wenn jemand sex möchte soll es für ihn ein genussvolles erlebnis sein, nicht nur blosses "abmelken" von irgend wem. das könnte die pflegerin beim waschen auch gleich gegen trinkgeld mit erledigen!


Und Du glaubst ernsthaft, dass eine Sexualbegleiterin, die einen Kurs absolviert hat und ein inneres Bedürfnis verspürt, mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu arbeiten, irgendjemanden "abmelkt" ?

Gewisse Lebenserfahrungen, die nun mal mit dem Alter und Erfahrungen in der Sexarbeit kommen, sind der Arbeit in der Sexualbegleitung zuträglich.

Wenn Du darin nichts als "ausgediente Sexworkerinnen" siehst, keine Sorge, es gibt sicher auch junge Sexualbegleiterinnen.
 
Leute, das tut echt weh!
Ich habe es im anderen Thread auch schon geschrieben: Eine Sexualbegleiterin ist keine Sexworkerin sondern eine Therapeutin.
Sehr interessanter Thread, in dem eine ganze Menge spekuliert und vermischt wird.
Ich habe die Ausbildung als Behindertenbetreuerin und auch jahrelang im Wohnbereich gearbeitet.

Bei Sexualbegleitung geht es nicht in erster Linie darum, jemanden einen Orgasmus zu verschaffen, sondern ihm Anleitung zu geben, wie er sich selbst Erleichterung verschaffen kann.
Beispiel: Ein Klient hat so starke Spasmen, dass er seine Arme nicht zu seinen Genitalien bringt. Die Sexualbegleiterin zeigt ihm, wie er sich z.B. an Decken reiben kann. Den Betreuern zeigt sie, was sie machen sollen. Also z.B. wie sie die Decken (oft auch den Klienten) platzieren sollen.

Ich selbst habe nur in der Ausbildung von diesem Berufszweig gehört. Nie in der Praxis erlebt. Es werde Behinderten Menschen immer noch nicht als auch sexuelle Wesen gesehen. Oft werden sie mit Kindern verglichen. Einerseits ist es ja gut, dass dem so ist, da sie dadurch für andere Menschen tabuisiert werden, andererseits entspricht es halt nicht der Realität.

In einer einzigen Einrichtung gab es einen Klienten, der einmal im Monat Besuch von einer Prostituierten bekam. Dieser Mann war aber körperlich nicht eingeschränkt. Das Ganze ist ein ziemlicher Aufwand gewesen, den sich leider nicht viele antun und Geld muss auch dafür da sein.
Zuerst muss man das Bedürfnis des Klienten erkennen und ein offenes Team dafür haben.
Dann braucht es einen liberalen Sachwalter, der bereit ist, das Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Was die Meisten nicht machen, da sie danach bezahlt werden, wieviel Geld er verwaltet. Sprich: umso weniger er dem Klienten bewilligt (auch andere Therapien, Hilfsmittel, Medikamente, Ausflüge) umso mehr Geld bekommt er selbst.
Dann muss man eine SW finden, die bereit ist mit Behinderten zu arbeiten und auch mit dem Klienten kann. Mit dieser Dame werden Gespräche geführt, auf was sie achten muss, was mögliche Gefahren sind. Es folgen Zusammenkünfte im Gemeinschaftsraum, wo die beiden miteinander reden und sich kennen lernen. Wenn das alles passt, geht sie mit ihm in sein Zimmer. Da ging es sehr wohl um seinen Orgasmus. Die Bezahlung erfolgt über das Klientenkonto mit Rechnung - wie gesagt, der Sachwalter muss diese akzeptieren.

Unser Klient hat die Dame immer als seine Freundin bezeichnet. Und ich denke, das war sie auch.
Dieser Kommentar von mir passt auch hier genau. Bitte vermischt nicht alles.

Ältere, entstellte, was auch immer, aber "normale" Menschen können sich ja eine Prostituierte kaufen. Wenn das Geld nicht dafür reicht, können sie immer noch selbst Hand anlegen.
Was Menschen im (Wach-) Coma brauchen oder nicht, unter was sie leiden oder nicht, weiß niemand, deshalb wäre es übergriffig, irgendwelche sexuellen Handlungen an ihnen zu vollziehen.

Für solche Menschen ist eine Sexualbegleitung nicht gedacht. Sexualbegleitung ist Hilfe zur Selbsthilfe. Da geht es nicht darum, ob sie fesch und jung ist, sondern um Kompetenz. Deshalb gibt es auch eine Ausbildung. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass Ex-Sexworkerinnen da geeignet sind, da sie vielleicht weniger Berührungsängste haben.
 
Es darf weder zu Sexual- noch Oralverkehr kommen.
Ob man als SexualbegleiterIn so wie die SexworkerInnen zu den Pflichtuntersuchungen gehen muss, weiss ich nicht.
Ich will jedenfalls den Kurs machen, bin schon sehr gespannt.
Dass man für viele nur eine "bessere Prostituierte" ist, keine Frage.

Wieso 'besser'?

Hier gibt es seitenweise Beschwerden über unseriöse und unmotivierte Escorts und mit denen soll ein Mensch mit besonderen Bedürfnissen dann (seine ersten) sexuelle Erfahrungen machen? Hauptsache die Optik passt?

Lässt mich gerade an die Szene in "Basketball Diaries" denken, als die Stripperin ihren Ekel vor dem krebskranken Mann kaum verbergen kann.

Und was sollte der Eintageskurs daran ändern außer das der Kursveranstalter reicher geworden ist?
 
Ich glaube RTL 2 bringt immer wieder eine toll gemachte und interessante Doku über Sexualbegleitung aus der Sicht von beiden Seiten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Thread ist wieder ein klassisches Beispiel dafür, dass ÜBER eine Gruppe von Menschen diskutiert wird und nicht MIT ihnen. Und scheinbar gibt es hier ja jede Menge Experten. :rolleyes:

1. Danke, dass man Menschen mit Behinderung das Bedürfnis nach Sexualität zugesteht, wir sind ja auch nur Menschen.
2. Danke auch dafür, dass Menschen - wie ich es bin - als unnormal, nicht normal tituliert werden und somit Ausgrenzung legitim ist.
3. Sexualbegleitung wird in Österreich seit ca. 20 Jahren in unterschiedlichen Fassetten angeboten. Nur wirds nicht so plakativ verkauft, wie eben herkömmliche Prostitution.
4. Ich selbst hab vor 15 Jahren ein spannendes Interview mit Nina de Vries geführt. Eine sehr bekannte Sexualbegleiterin aus den Niederlanden, die immer wieder in Deutschland und Österreich Vorträge zu dem Thema angeboten hat. Vielleicht finde ichs sogar noch, kann aber dauern.
5. In Japan gibt es Sexualbegleitung auf Krankenschein, das seit Jahren - ist in Österreich schon lange im Gespräch, aber wie oft, wirds verschoben.
6. Sexualität ist KEIN Menschenrecht - das würde nämlich das Einfordern des Rechtes bedeuten. Dies würde zwangsläufig zu Belästigungen bis hin zu Sexuelle Nötigung führen.
7. Betagte Menschen mit Menschen mit Behinderung in einem Topf zu schmeißen, ist nicht nur zynisch, sondern schlichtweg falsch.

So, ich habe fertig.
 
ob sie den Artikel lesen würde - es kam nicht einmal eine Antwort.
Verständlich! Die halten sich bloß selber für "Qualitätsjournalisten"!
n einer italienischen Dokumentation hab ich gesehen, dass dies besonders für die männlichen Begleiter schwierig ist, weil die jungen Frauen dann zu sehr an ihnen hängen...
Grundsätzlich halte ich die Italiener für wesentlich behindertenfreundlicher! Ich kenne sogar ein Pärchen, wo beide MS haben. Ein Partner ist noch immer der beste Begleiter, und die beiden wollen durchhalten, solange es eben geht.
Ebenso grundsätzlich ist eine Diskussion mit Leuten, die überhaupt keinerlei Erfahrungen gemacht haben, völlig sinnlos.
 
Leute, das tut echt weh!
Ich habe es im anderen Thread auch schon geschrieben: Eine Sexualbegleiterin ist keine Sexworkerin sondern eine Therapeutin.

Dieser Kommentar von mir passt auch hier genau. Bitte vermischt nicht alles.

Ältere, entstellte, was auch immer, aber "normale" Menschen können sich ja eine Prostituierte kaufen. Wenn das Geld nicht dafür reicht, können sie immer noch selbst Hand anlegen.
Was Menschen im (Wach-) Coma brauchen oder nicht, unter was sie leiden oder nicht, weiß niemand, deshalb wäre es übergriffig, irgendwelche sexuellen Handlungen an ihnen zu vollziehen.

Für solche Menschen ist eine Sexualbegleitung nicht gedacht. Sexualbegleitung ist Hilfe zur Selbsthilfe. Da geht es nicht darum, ob sie fesch und jung ist, sondern um Kompetenz. Deshalb gibt es auch eine Ausbildung. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass Ex-Sexworkerinnen da geeignet sind, da sie vielleicht weniger Berührungsängste haben.
Den Wachkoma Pat, ich hab 2 Männer über längere zeit betreut, ist nach der Körperpflege eine zeitlang die Erektion verblieben und auch eine gewisse Unruhe. Einer ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Man hat sich dazu schon seine Gedanken gemacht, auch Kolleginnen, aber übergriffig ist keine geworden, auch ich nicht.
Wir waren uns einig, wenn er auch da Hilfe bekommen hätte, es hätte ihm wahrscheinlich gut getan. Zumindest wenn er es nicht gewollt hätte, hätte es körperliche Anzeichen gegeben. Massive Unruhe oder undefinierte Laute.

Du hast recht, ich hab bei dem Wort Sexualassistenz als erstes an die beiden denken müssen. Weil sie mir so leid taten. Von der Familie verlassen, liegst dauernd nur im Bett herum, dann rührt sich im unteren Stock was und niemand kümmert sich drum. Und das tagtäglich. Und über Jahre!

Aber der Sexualbegleiter, wie du richtig bemerkt hast, gibt Hilfe zur Selbsthilfe.

Dennoch gibts auch diese Berührer, (ich dachte, das heisst Sexualassistent....) ,die aktiv arbeiten und auch Handjobs geben. Auch das hab ich wo gelesen, aber frag mich jetzt nicht, in was für einem Land.
Mein Gedankensprung und die Gedankenspielerei war also, dass ich besonders für Wachkomapatienten gerne eine Krankenschwester hätte, die die Sache auch zu Ende bringt. Verstehst du?
Die Krankenschwester kennt diesen Menschen und weiss, wie er reagiert, falls er etwas absolut nicht will.
Natürlich gehörte das alles diskutiert, mit Therapeuten, Ärzten, Angehörigen, Gesetze müssten geändert werden usw......
 
Mein Gedankensprung und die Gedankenspielerei war also, dass ich besonders für Wachkomapatienten gerne eine Krankenschwester hätte, die die Sache auch zu Ende bringt.
ich verstehe deinen Gedanken, es kann aber nur übergriffig sein, wenn ich mich erst wehren muss gegen etwas, damit der andere aufhört. ich kann es mir für Wachkoma Patienten vorstellen, dass es sinnvoll sein kann und es helfen kann, wenn sie berührt, gestreichelt werden - aber sexuell ist definitiv zu weit für meinen Begriff.

ich erinnere mich an meine alte Großtante, die es sehr geliebt hat, von ihrer Pflegerin (und Schwiegernichte) die Hände gestreichelt zu bekommen, die Haare gerichtet usw.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Thread ist wieder ein klassisches Beispiel dafür, dass ÜBER eine Gruppe von Menschen diskutiert wird und nicht MIT ihnen. Und scheinbar gibt es hier ja jede Menge Experten. :rolleyes:

1. Danke, dass man Menschen mit Behinderung das Bedürfnis nach Sexualität zugesteht, wir sind ja auch nur Menschen.
2. Danke auch dafür, dass Menschen - wie ich es bin - als unnormal, nicht normal tituliert werden und somit Ausgrenzung legitim ist.
3. Sexualbegleitung wird in Österreich seit ca. 20 Jahren in unterschiedlichen Fassetten angeboten. Nur wirds nicht so plakativ verkauft, wie eben herkömmliche Prostitution.
4. Ich selbst hab vor 15 Jahren ein spannendes Interview mit Nina de Vries geführt. Eine sehr bekannte Sexualbegleiterin aus den Niederlanden, die immer wieder in Deutschland und Österreich Vorträge zu dem Thema angeboten hat. Vielleicht finde ichs sogar noch, kann aber dauern.
5. In Japan gibt es Sexualbegleitung auf Krankenschein, das seit Jahren - ist in Österreich schon lange im Gespräch, aber wie oft, wirds verschoben.
6. Sexualität ist KEIN Menschenrecht - das würde nämlich das Einfordern des Rechtes bedeuten. Dies würde zwangsläufig zu Belästigungen bis hin zu Sexuelle Nötigung führen.
7. Betagte Menschen mit Menschen mit Behinderung in einem Topf zu schmeißen, ist nicht nur zynisch, sondern schlichtweg falsch.

So, ich habe fertig.
Ja, ich sehs ja ein, du bist der Experte.

Zu Punkt 7 möchte ich sagen, dass ich es gewohnt war, im Pflegeheim, dass Menschen mit Behinderung und Betagte zusammen gewohnt haben, daher meine zusammengewürfelte Sichtweise.
Die Entscheidung, was für Massnahmen getroffen werden, erfolgt aber sowieso individuell.
Edit
Und ist va auch vom Geisteszustand abhängig. Und da zählt va die Entscheidungsfähigkeit, die eine Gerichtsentscheidung ist.
 
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Ja, ich sehs ja ein, du bist der Experte.

Zu Punkt 7 möchte ich sagen, dass ich es gewohnt war, im Pflegeheim, dass Menschen mit Behinderung und Betagte zusammen gewohnt haben, daher meine zusammengewürfelte Sichtweise.
Die Entscheidung, was für Massnahmen getroffen werden, erfolgt aber sowieso individuell.
Edit
Und ist va auch vom Geisteszustand abhängig. Und da zählt va die Entscheidungsfähigkeit, die eine Gerichtsentscheidung ist.
Nein, ich bin auch keine Expertin, würde ich von mir nie behaupten, aber ich bin eine Betroffene, ich bin eine, über die hier viele sprechen. Und das finde ich befremdlich. Denn es ist oft ein urteilen, maßregeln und Empfehlungen und Ratschläge geben, die in eine falsche Richtung geht.

Zu deiner Erfahrung bez. Wohnheim, das wird von vielen Behindertenorganisationen stark kritisiert. Denn in solchen Institutionen sind strukturelle und sexuelle Gewalt an der Tagesordnung. Letztes Jahr wurden in Deutschland zwei Menschen mit Behinderung durch ihre Pflegepersonal ermordet worden. Somit sind derlei Institutionen stark zu verurteilen. Gewalttätige Übergriffe auf Bewohner ist keine Seltenheit.

Aber das ist ein ganz anderes Thema ...

Achja, Wenn Euch das Thema interessiert, googlet mal Elisabeth Löffler. Sie ist eine echte Expertin auf dem Gebiet und ich kenne sie persönlich.
 
Nein, ich bin auch keine Expertin, würde ich von mir nie behaupten, aber ich bin eine Betroffene, ich bin eine, über die hier viele sprechen. Und das finde ich befremdlich. Denn es ist oft ein urteilen, maßregeln und Empfehlungen und Ratschläge geben, die in eine falsche Richtung geht.

Zu deiner Erfahrung bez. Wohnheim, das wird von vielen Behindertenorganisationen stark kritisiert. Denn in solchen Institutionen sind strukturelle und sexuelle Gewalt an der Tagesordnung. Letztes Jahr wurden in Deutschland zwei Menschen mit Behinderung durch ihre Pflegepersonal ermordet worden. Somit sind derlei Institutionen stark zu verurteilen. Gewalttätige Übergriffe auf Bewohner ist keine Seltenheit.

Aber das ist ein ganz anderes Thema ...

Achja, Wenn Euch das Thema interessiert, googlet mal Elisabeth Löffler. Sie ist eine echte Expertin auf dem Gebiet und ich kenne sie persönlich.
Ein Betroffener ist immer mehr ein Experte, als ein Unbetroffener und schon gar ein völlig Unbeteiligter.
Wobei ich sagen muss, viele Aussagen hier tun mir auch weh, ich kann dich echt verstehen.
Natürlich gibt es noch immer Missstände in allen Pflegebereichen, jedoch hat sich auch schon viel getan in den letzten Jahren, um diese auszumerzen.
Aber viel muss noch getan werden.
Dazu ist es notwendig, jeden Patienten individuell zu betreuen und auf alle seine Bedürfnisse einzugehen, va seinen Willen zu beachten.
Ganz wichtig wäre, den Grund für so manche Aggression zu erkennen. Vieles wäre ja vermeidbar....
Als Beispiel....Wenn ein Patient gerne lange schläft, der wird frühmorgens klarerweise aggressiv, wenn man aber um 11 erst zu ihm geht, klapps wunderbar mit waschen und anziehen. Und der Tag verläuft viel friedlicher für denjenigen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Ein Betroffener ist immer mehr ein Experte, als ein Unbetroffener und schon gar ein völlig Unbeteiligter.
Wobei ich sagen muss, viele Aussagen hier tun mir auch weh, ich kann dich echt verstehen.
Natürlich gibt es noch immer Missstände in allen Pflegebereichen, jedoch hat sich auch schon viel getan in den letzten Jahren, um diese auszumerzen.
Aber viel muss noch getan werden.
Dazu ist es notwendig, jeden Patienten individuell zu betreuen und auf alle seine Bedürfnisse einzugehen, va seinen Willen zu beachten.
Ganz wichtig wäre, den Grund für so manche Aggression zu erkennen. Vieles wäre ja vermeidbar....
Als Beispiel....Wenn ein Patient gerne lange schläft, der wird frühmorgens klarerweise aggressiv, wenn man aber um 11 erst zu ihm geht, klapps wunderbar mit waschen und anziehen. Und der Tag verläuft viel friedlicher für denjenigen.
Leider stimmt das nicht so ganz. Ja, es hat sich einiges getan und bei Lippenbekenntnissen sind alle Farben super. In der Realität ist es eine Kostenfrage. Überall wird gespart. Auch bei der Betreuung - egal in welchen Bereich.

Beispiel, mein letzter Arbeitsplatz: 14 Klienten in der WG + 4 in angeschlossenen Einzelwohnungen. Zu Anfang waren wir 2 Betreuer für WG, 1 für die Wohnungen und ein Zivi. Zumindest Abends und an Wochenenden, denn unter der Woche waren die Bewohner in der Tagesstätte.
Ein guter Schlüssel. Da konnte man auch noch Ausflüge ins Kaffee oder den Tierpark machen. Denn einer muss in der WG bleiben, weil nicht immer alle mitgehen wollen und mindestens zwei Betreuer braucht man draußen.
Dann wurde wieder einmal umstrukturiert und wir waren nur mehr zu zweit, ohne Zivi. Teilweise sogar alleine. Da kann man wirklich nur mehr darauf schauen, dass die Bewohner sauber, satt und halbwegs sicher sind. Förderung oder auch nur individuelle Betreuung ist nicht mehr möglich.

- Aber es ist natürlich billiger. Und darum geht es den Organisationen, da sie von den jeweiligen Geldgebern unter Druck gesetzt werden.
 
Natürlich gibt es noch immer Missstände in allen Pflegebereichen, jedoch hat sich auch schon viel getan in den letzten Jahren, um diese auszumerzen.
Aber viel muss noch getan werden.

In Pflegeinstitutionen individuelle Wünsche und Bedürfnisse zu berücksichtigen, ist nur in Privateinrichtungen möglich. Aber nicht in öffentlichen Institutionen. Es fehlen gut ausgebildete Pflegekräfte und die Situation wird nicht besser, sondern schlimmer. Leute, die in sozialökonomische Betriebe arbeiten, bekommen nicht mal ein anständiges Gehalt (obwohl sie Vollzeit arbeiten), sondern Taschengeld, das selten 300 € im Monat übersteigt. Nicht mal MindestsicherungsbezieherInnen, Langzeitarbeitslose oder Obdachlose haben so wenig Geld Moderne Sklaverei und in Strukturen lebend, die sexuelle Übergriffe und Gewalt fördern. Das ist die Lebensrealität vieler Menschen mit Behinderung in solchen Institutionen. Insbesondere, wenn Menschen mit Behinderung wie Patienten behandelt werden, denen jegliches Recht auf soziale Teilhabe verwehrt wird.
 
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