Sexsucht

Mitglied #438398

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Kürzlich las ich folgendes in einer Zeitschrift, wiedergegeben als Zitat.
Was ist Eure Meinung dazu? Wo fängt für Euch Sexsucht an?

Alles dreht sich nur noch um Sex. Das Verlangen nimmt derart überhand, dass jede Gelegenheit genutzt wird: Ausschweifende sexuelle Fantasien halten von der Arbeit ab, die Rechnung für Telefonsex steigt, ständig wechseln die Sexualpartner. Die Befriedigung aber bleibt aus. Stattdessen fühlen sich die Betroffenen schlecht, innerlich leer, sie leiden. Und suchen weiter nach dem ganz besonderen Kick.


Wem es so geht, der ist womöglich sexsüchtig. "Eine offizielle Diagnose Sexsucht gibt es bislang noch nicht, aber Kriterien für suchtartiges sexuelles Verhalten", sagt Christoph Joseph Ahlers, klinischer Sexualpsychologe in Berlin. Krankhaft ist ein sexuelles Verhalten, sobald es zum Zwang wird und den Betroffenen stark belastet. Dieser sogenannte Leidensdruck kann sich neben innerer Leere auch in Scham und Selbstverachtung äußern.

"Es drohen Vereinsamung und Verwahrlosung"

"Die Abhängigkeit zeigt sich darin, dass jemand längerfristig die Kontrolle über sein sexuelles Verhalten verliert und trotz negativer Konsequenzen nicht davon lassen kann", sagt Frauke Petras, Sexualberaterin bei Pro Familia in Berlin. Die Betroffenen vernachlässigen Beruf, Partnerschaft, Familie und Freunde. Mitunter riskieren sie sogar den Verlust ihres Arbeitsplatzes, wenn sie wegen ihres exzessiven sexuellen Verhaltens ihre Pflichten im Job vernachlässigen.

"Es drohen Vereinsamung und Verwahrlosung", erklärt Psychologe Jannis Engel, der im Arbeitsbereich für Klinische Psychologie und Sexualmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover tätig ist. Wie viele Menschen in Deutschland unter Sexsucht leiden, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von Hunderttausenden aus. Vermutet wird, dass darunter mehr Männer als Frauen sind.


Für die Betroffenen nimmt sexuelle Betätigung die gleiche Funktion ein wie für Alkoholiker das Trinken. Das kurzzeitige positive Gefühl soll negative Gefühle wie innere Leere, Halt- und Perspektivlosigkeit oder auch Langeweile verdrängen. Der Sex löse im Körper Stoffwechselveränderungen aus, die kurzzeitig eine Stimmungsaufhellung bewirken und die schlechten Gefühle überlagern, sagt Ahlers.

Von Dauer ist das nicht. Hinzu kommt, dass irgendwann das intensive Lustgefühl, das die Betroffenen anfangs beim "Problemlösen mit Sex" erleben, nicht mehr erreicht wird. Die Konsequenz: Die Betroffenen wiederholen die sexuellen Aktivitäten immer wieder und steigern sie teils auch. Das intensive Lustgefühl bleibt dennoch aus, der Frust steigt.

Entzugserscheinung ohne Sex

Auch beim Verzicht auf Sex erleben Betroffene den Experten zufolge typische Entzugserscheinungen wie Nervosität, Depressivität und Aggressivität. Abstinenz allein könne das Problem nicht lösen, da die Ursachen bestehen bleiben, sagt Ahlers, der auch als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft arbeitet: "Es ist wie ein Furunkel, den man überschminkt, statt die Entzündung zu bekämpfen."


Hinweise dazu, wo Betroffene Unterstützung finden, bieten Experten in Beratungsstellen wie Pro Familia. "Eine Standard-Therapie gibt es nicht", sagt Engel. Auch Ahlers sagt, dass die Behandlung immer vom Einzelfall abhängt. "Bei einer Therapie muss ausgelotet werden, welches konkretes Problem mit dem exzessiven sexuellen Verhalten überlagert werden soll", erklärt der Sexualpsychologe. Vielleicht fühlt sich der Betroffene benachteiligt oder nicht wertgeschätzt, vielleicht ist er arbeitslos und depressiv. Eine Psychotherapie kann dann helfen, eine neue Lebensperspektive aufzuzeigen.

Ein weiteres Ziel der Therapie ist, die Kontrolle über das sexuelles Verhalten zurückzugewinnen. In diesem Punkt unterscheidet sich die Sexsucht von der Alkohol- oder Drogensucht: Der Betroffene muss nicht ein Leben lang abstinent bleiben.
 
Viel Interessanter ist doch die Frage was diese Sucht ausgelöst hat.
Und solange Betroffener dies nicht für sich rausgefunden hat....dies aufarbeiten kann, mit professioneller Hilfe.... wird es schwer dem Teufelskreis zu entkommen.
Denn anders als wie bei Drogen...Medikamenten oder Alkohol ist Sex, nicht zwingend mit Cash verbunden.
Kann somit sehr leicht konsumiert werden, wenn Betreffende (r) das Glück hat optisch ansprechend auszusehen ...von angenehmen Grundwesen. ...dann ist es gewiss ein leichtes.
 
@Mitglied #438398 , sehr interessantes Thema , das du da anschneidest und zur Diskussion bringst :verneigung::up:

und wahrscheinlich auch relevanter als man denkt .
Sucht kann heute überall sein . Eigentlich ist ja wie erwähnt die innere Leere das Grundproblem und das Problem über nicht erwickelbare Nähe und Verbundenheit
 
Sexsucht ist es für mich, sobald der Sex alles andere neben sich klein erscheinen lässt.

Zur Entstehung mal meine Theorie: hat dir das Leben deiner Ansicht nach sonst nichts zu bieten, suchst du dir eine Ersatzbefriedigung. Wie schon im Ausgangsthread erwähnt, überlagert das momentane Glücksgefühl die negativen Gefühle. Was passiert? Du willst mehr. Weil du dich dabei gut gefühlt hast. Im Prinzip ist das ja sogar normal.
Und wie @Mitglied #433917 bereits schrieb, kostet Sex, solange eine gute physische Grundlage vorhanden ist, im Normalfall nichts. Es ist irrsinnig leicht, in diese Sucht abzudriften.
Nur besteht eben das Problem, das bei jeder anderen Art von Sucht auch vorhanden ist. Der Bedarf muss stets erhöht werden, um Befriedigung zu erlangen. Irgendwann reicht das, was auf kostenlosem Wege verfügbar ist, einfach nicht mehr aus.
Im Endeffekt würde die betreffende Person sein letztes Hemd geben, um die Sucht irgendwie zu stillen. Ich kenne Raucher, die am Monatsende zwar nichts mehr zu Essen haben, aber immer noch was zu rauchen.

Und zur Behandlung: Meiner Ansicht nach soll nicht die Sexsucht an sich behandelt werden und auch nicht im Vordergrund stehen, sondern das, was durch die Sucht in den Hintergrund gerückt ist. Wird aber im Normalfall auch genau so gehandhabt.
 
Sexsucht ist es für mich, sobald der Sex alles andere neben sich klein erscheinen lässt.

Zur Entstehung mal meine Theorie: hat dir das Leben deiner Ansicht nach sonst nichts zu bieten, suchst du dir eine Ersatzbefriedigung. Wie schon im Ausgangsthread erwähnt, überlagert das momentane Glücksgefühl die negativen Gefühle. Was passiert? Du willst mehr. Weil du dich dabei gut gefühlt hast. Im Prinzip ist das ja sogar normal.
Und wie @Mitglied #433917 bereits schrieb, kostet Sex, solange eine gute physische Grundlage vorhanden ist, im Normalfall nichts. Es ist irrsinnig leicht, in diese Sucht abzudriften.
Nur besteht eben das Problem, das bei jeder anderen Art von Sucht auch vorhanden ist. Der Bedarf muss stets erhöht werden, um Befriedigung zu erlangen. Irgendwann reicht das, was auf kostenlosem Wege verfügbar ist, einfach nicht mehr aus.
Im Endeffekt würde die betreffende Person sein letztes Hemd geben, um die Sucht irgendwie zu stillen. Ich kenne Raucher, die am Monatsende zwar nichts mehr zu Essen haben, aber immer noch was zu rauchen.

Und zur Behandlung: Meiner Ansicht nach soll nicht die Sexsucht an sich behandelt werden und auch nicht im Vordergrund stehen, sondern das, was durch die Sucht in den Hintergrund gerückt ist. Wird aber im Normalfall auch genau so gehandhabt.

Hast du sehr schön beschrieben!
Es ist eben sehr einfach geworden , übers Internet hat man Zugang zu Pornos ohne Ende.
Ist wie eine billige und immer verfügbare Droge!
 
Es ist eben sehr einfach geworden , übers Internet hat man Zugang zu Pornos ohne Ende.
Ist wie eine billige und immer verfügbare Droge!
Im Großen und Ganzen geb ich Dir da recht, aber zwischen Pornosucht und Sexsucht besteht da für mich noch ein kleiner Unterschied...
Pornos kannst alleine konsumieren, währenddessen für Sex...

Auch finde ich, dass die Grenzen zwischen "einfach sehr hoher Libido" und Sucht sehr verschwommen sind...

Dass die meisten von uns sehr gerne Sex praktizieren, lässt sich - glaube ich - nicht abstreiten.
Und dass, wenn man schon länger abstinent lebt, man etwas vermisst (nenne es innere Befriedigung, einfach nur das schöne Gefühl währenddessen oder danach, das Gefühl der intimen Zwei[Drei, Vier,..]-samkeit), kennen sehr viele von uns... und die zahlreichen Suderthreads mit derBitte um einen Freifahrtsschein belgen das ja auch.

Die Grenze eindeutig überschritten ist, wenn das Thema alles Andere überschattet und es nichts Anderes mehr gibt im Leben. Die Arbeit leidet darunter, das soziale Leben, die Fähigkeit sich an so vielen anderen schönen Dingen im Leben zu ergötzen,..... usw., usf.,...

Meine persönliche Meinung ist, dass Menschen mit einem ausgewogenen und zufriedenen Sexleben weniger Suchtgefährdet sind als Jene, die zu Sex gar nicht oder nur sehr schwer rankommen...

Wenn die Libido unterschiedlich hoch ausgeprägt ist, dann ist es für den Partner meist eine Qual und dieser leidet manchmal mehr darunter als der/die Betroffene selbst.
Da macht es dann keinen Unterschied, ob es einfach nur die hohe Libido ist oder wirklich eine Sucht... (siehe meinen Thread: Zu viel Sex in der Beziehung in Liebe/Beziehung/Partnerschaft...)

Auf alle Fälle ein hochinteressantes Thema! :up:

Mr. Salt
 
Im Großen und Ganzen geb ich Dir da recht, aber zwischen Pornosucht und Sexsucht besteht da für mich noch ein kleiner Unterschied...
Pornos kannst alleine konsumieren, währenddessen für Sex...

Auch finde ich, dass die Grenzen zwischen "einfach sehr hoher Libido" und Sucht sehr verschwommen sind...

Dass die meisten von uns sehr gerne Sex praktizieren, lässt sich - glaube ich - nicht abstreiten.
Und dass, wenn man schon länger abstinent lebt, man etwas vermisst (nenne es innere Befriedigung, einfach nur das schöne Gefühl währenddessen oder danach, das Gefühl der intimen Zwei[Drei, Vier,..]-samkeit), kennen sehr viele von uns... und die zahlreichen Suderthreads mit derBitte um einen Freifahrtsschein belgen das ja auch.

Die Grenze eindeutig überschritten ist, wenn das Thema alles Andere überschattet und es nichts Anderes mehr gibt im Leben. Die Arbeit leidet darunter, das soziale Leben, die Fähigkeit sich an so vielen anderen schönen Dingen im Leben zu ergötzen,..... usw., usf.,...

Meine persönliche Meinung ist, dass Menschen mit einem ausgewogenen und zufriedenen Sexleben weniger Suchtgefährdet sind als Jene, die zu Sex gar nicht oder nur sehr schwer rankommen...

Wenn die Libido unterschiedlich hoch ausgeprägt ist, dann ist es für den Partner meist eine Qual und dieser leidet manchmal mehr darunter als der/die Betroffene selbst.
Da macht es dann keinen Unterschied, ob es einfach nur die hohe Libido ist oder wirklich eine Sucht... (siehe meinen Thread: Zu viel Sex in der Beziehung in Liebe/Beziehung/Partnerschaft...)

Auf alle Fälle ein hochinteressantes Thema! :up:

Mr. Salt
Ok von mir aus Pornosucht, bin aber doch der Meinung das die Grenze fließend verläuft.
Wenn die Pornosucht, in zwanghaften onanieren endet, ich denke dabei 15 -20 mal am Tag, könnte man sicher von einer kombinierten Porno -Sex Sucht sprechen.
Wenn das Ziel meiner Sucht der kurze Moment des Höhepunktes ist, ist es eigentlich ohnehin egal welcher Weg dorthin führt.
Porno, Partner-in, belebte unbelebte Gegenstände, ganz egal.
Es geht immer um den kurzen kick, und als Folgeerscheinung kommt das restliche Leben zu kurz.
Daß , wenn es bei Paaren stark unterschiedlich ausgeprägte Libido gibt naturgemäß unrund läuft, ist klar.
Muss aber nichts mit Sexsucht zu tun haben.
 
Die hier gemeinte "Sexsucht" gehört zu den in der Psychologie definierten Zwangstörungen, die behandelt werden müssen.

Häufiger Sex oder Ponokonsum sind keine Symptome für ein Suchtverhalten. Da wird nur wieder mal der Sexualität eine moralische Schranke auferlegt.
 
Die hier gemeinte "Sexsucht" gehört zu den in der Psychologie definierten Zwangstörungen, die behandelt werden müssen.

Häufiger Sex oder Ponokonsum sind keine Symptome für ein Suchtverhalten. Da wird nur wieder mal der Sexualität eine moralische Schranke auferlegt.


Du hast schon Recht, aber es geht ja vor allem hier zum diskutieren wie Du es so schön sagst, Zwangsstörungen sexueller Art.
 
Sexsucht ist wohl eine Krankheit. Und eine psychische Krankheit fängt immer dort an, wo Leid beginnt. Sei es nun, dass der Patient selber darunter leidet oder auch sein Umfeld. Zumindest wurde das mal so von einem Erfolgreichen Psychotherapeut, der auf Suchterkrankungen spezialisiert ist, definiert. Klingt für mich auch sehr logisch.
 
Ist alles eigentlich schon gesagt. Ich denke oft ist es auch nur eine Phase wo sich jemand extrem viel mit Erotik auseinander setzt. Meist wohl wenn plötzlich viel Freizeit und Freiraum vorhanden sind. Ändern sich die Lebensumstände, rücken wieder andere Dinge aus dem Alltag in den Fokus.
 
Du hast schon Recht, aber es geht ja vor allem hier zum diskutieren wie Du es so schön sagst, Zwangsstörungen sexueller Art.

Naja, eine Meinung zum allgemeinen Problem der Sucht ( dein Zitat in der TE ) ist nun mal was anderes als eine persönliche Empfindung dazu.

Unter deiner Fragestellung lässt sich natürlich "Sexsucht" auch ganz individuell bewerten:

Kürzlich las ich folgendes in einer Zeitschrift, wiedergegeben als Zitat.
Was ist Eure Meinung dazu? Wo fängt für Euch Sexsucht an?

Z.B. sind außergewöhnliche Präferenzen ( Exhibitionismus, Voyeurismus, bdsm, Fetische usw......) Anzeichen einer ( latenten ) Sexsucht?

Für mich ja, allerdings nicht zwangsläufig pathologisch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es geht hier ja nicht darum als Sexapostel aufzutreten und zu verbieten. Ich selbst mag Sex ja auch.

Vielmehr geht es hier um echte Sexsucht. Es gibt Menschen, vor allem Männer wo zig ..Tausende Franken jährlich an Sexhotlines vertelefonieren.....und die Familie von denen unter Geldnot leiden muss....
 
Es geht hier ja nicht darum als Sexapostel aufzutreten und zu verbieten. Ich selbst mag Sex ja auch.

Vielmehr geht es hier um echte Sexsucht. Es gibt Menschen, vor allem Männer wo zig ..Tausende Franken jährlich an Sexhotlines vertelefonieren.....und die Familie von denen unter Geldnot leiden muss....

Das sind dann aber eindeutig pathologische Fälle, für die es eigentlich nur den Weg in die Therapie geben kann. Es hat wenig Sinn, solch kranke Menschen moralisch zu verurteilen.
 
Hast du sehr schön beschrieben!
Es ist eben sehr einfach geworden , übers Internet hat man Zugang zu Pornos ohne Ende.
Ist wie eine billige und immer verfügbare Droge!


Billige Droge......kommt drauf an, wen jemand Kostenpflichtige Seiten oder Telefonhotlines anwählt geht es auch ins Geld?
 
Billige Droge......kommt drauf an, wen jemand Kostenpflichtige Seiten oder Telefonhotlines anwählt geht es auch ins Geld?
Klar kommt immer darauf an was konsumiert wird.
Wenn's eine Pornosucht ist , hast ja im Internet Anschauungsmaterial ohne Ende.
Natürlich wenn du bei Hotline anrufst, oder sw besuchst geht es natürlich schon ins Geld und kann dann natürlich schon existenzbedrohend werden.
 
Klar kommt immer darauf an was konsumiert wird.
Wenn's eine Pornosucht ist , hast ja im Internet Anschauungsmaterial ohne Ende.
Natürlich wenn du bei Hotline anrufst, oder sw besuchst geht es natürlich schon ins Geld und kann dann natürlich schon existenzbedrohend werden.
Da hab ich auch einen gekannt, der hat sein ganzes Geld an Sextelefon ausgegeben.
Traurig.
Interessantes Thema!
 
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