Ist jetzt über 25 Jahre her. Aber das „erste Mal“, dass ich überhaupt mal Kontakt zu einer Sexdienstleisterin hatte kam zustande, weil sie mich anrief… und um ein Treffen bat.
Ich war damals in der Partei in Deutschland aktiv, die sich für die Legalisierung der Prostitution einsetzte. Und das auch in der damaligen Koalition durchsetzte. Dabei ging es gerade auch darum, Sexdienstleister:innen (es gibt übrigens auch jede Menge Männer darunter) von der bigott-spießigen Stigmatisierung zu befreien und ihnen ihre Würde zurückzugeben. Ganz pragmatisch auch dadurch, dass sie einen Rechtsanspruch auf ein Entgelt für ihre Dienstleistung geltend machen konnten. Die bis zur Legalisierung „sittenwidrig“ war und aus der folglich keine Forderungen geltend gemacht werden konnten.
Ich war auf einer Wahlkampfveranstaltung von einem dieser bigotten Spießer einer Partei mit „C“ für die Gesetzesinitiative extrem angegangen worden und hatte ganz nüchtern diese juristischen Hintergründe dargelegt, die Prostituierte damals in die Abhängigkeit von Zuhältern zwang. Und warum genau deshalb die Legalisierung das einzige Mittel war (und ist), um Zwangsprostitution wirksam zu bekämpfen.
Ich bin bis heute stolz darauf, dass die Sexdienstleisterin, die meinen Auftritt mitbekommen hatte, das zum Anlass nahm, mich zu kontaktieren.
Traurig macht mich, dass es heute immer noch notwendig scheint darauf hinzuweisen, dass man nur Sex als Akt kauft. Nicht aber den Menschen. Wer tatsächlich mehr will, echte Gefühle, Sympathie, Leidenschaft… sollte als aller erstes gegenüber der Frau Respekt zeigen. Und damit beweisen, mehr als nur den platten Sex zu verdienen, für den er zahlt!
Es sollte auch jedem klar sein, dass er, nur weil er einen oder mehrere blaue Scheine auf den Tisch legt, trotzdem eine Straftat begeht, wenn er eine Frau zu Sex zwingt, den sie nicht oder in der Art nicht will!