Euer erstes mal im Chinarestaurant?

Mitglied #750965

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Vielleicht für die jüngeren Schreiber im Forum ein merkwürdiges Thema.

Aber kann sich noch jemand erinnern als er zum ersten mal die "Exotik" der chinesischen Küche erlebte?

Meine Eltern waren seinerzeit beide nicht sehr angetan von neuer Kulinarik. Aber ein Bekannter meines Vaters der sich als Weltmensch und Trendsetter betrachtete überredete sie irgendwann doch noch zum Chinesen zu gehen als tatsächlich einer bei uns eröffnete. Als Kind schliffen sie mich da natürlich mit.

Die Ängste meiner Eltern waren ziemlich groß. Meine Mutter befürchtete das sie keine Kühlung kennen, mein Vater hatte diverse Theorien welche Art Fleisch dort Verwendung findet. Katzen, Hunde oder gar Ratten! Das mag heutzutage schon fast schockierend klingen, aber damals waren diese Gerüchte wirklich weit verbreitet.

Das Chinarestaurant war am Stadtrand, mehr hatte die Stadtpolitik damals nicht zugelassen. Wäre es in der Innenstadt gewesen hätte es einen Aufstand der Wirte gegeben.

Nach dem familiären Vorgespräch war ich als Kind jedenfalls ziemlich verunsichert und nervös. Essen war damals Schnitzel, Knödel, Gulasch, Brathuhn, Erbsenreis, gefüllte Paprika, Fischstäbchen, diverse Braten, Kartoffeln, Kartoffeln und nochmals Kartoffeln.

Man betrat also mutig das Chinarestaurant, zwei goldene Löwen beim Eingang. Im inneren spielte chinesische Musik, die Deko war so chinesisch wie es sie wahrscheinlich nicht einmal in China gab. Zumindest nicht in den letzten 100 Jahren.

Erstes Problem. Bis auf den Chef und Familienoberhaupt sprach keiner Deutsch. Und das Deutsch vom Chef beschränkte sich auch nur auf wenige Worte. Deutsch Lesen oder Schreiben konnte er auch nicht. Es blieb also bei einem dezenten Lächeln, gesenkten Häuptern und viel "Willkomme, Willkomme".

Und dann kam die Speisekarte. Die hatte hunderte Rechtschreibfehler, aber mit etwas Mühe konnte man erahnen was die Gerichte beinhalten. Damit man bestellen konnte musste man den Code aus Buchstaben und Zahlen ansagen der immer an der Seite vermerkt war.

Zur Auswahl gab es einiges, aber man kannte die Namen der Gerichte nicht. Orientierte sich also z.B. nur nach "Hun, Ku und Swein".

Die Getränke Bestellung funktionierte ganz gut, Alkohol war kein Thema in meiner Familie. Mit Wein und Bier wäre es wahrscheinlich problematisch geworden.

Aber das erste Missverständnis gab es bei der Vorspeise. Meine Eltern wollten zuerst Suppe. Wodurch der Chef glaubte wir wollen nichts anderes als Suppe essen. Denn er war es natürlich gewohnt die Suppe nach dem Essen zu nehmen. Also wollte er schon die Speisekarte wieder absammeln.
Irgendwann hatte er dann nach etlichen Erklärungen verstanden das wir komischen Leute zuerst Suppe essen.
Ich bestellte die Haifischsuppe. War damals ja noch kein Problem. Für die Suppe benutzten wir die Keramiklöffel die für die Reisschale gedacht waren. Stäbchen für den Inhalt und aus der Suppenschüssel schlürfen war undenkbar, ist aber glaube ich auch in China keine absolute Regel?!

Beim Hauptgang kann ich mich noch an meine Wahl erinnern. R-2! Und dann kam etwas das man heutzutage eher als Slapstick verstehen würde. R-2! L-2? Nein, R-2! Aha, rL-2!
Das R war ein absolutes Problem für den Chef und alle Angestellten. Warum er ausgerechnet eine ganze Seite an Speisen mit R und Zahl in der Karte hatte weiß nur der Jadekaiser!

Das Essen war wunderbar, ein bis dahin völlig unbekannter Geschmack. Vor allem der Reis war interessant. Ich kannte bis dahin keinen hochwertigen Langkornreis der zusammen haftet und bis heute gibt es hier in der Gastro fast nur diesen "Barboiled Reis" der so verkocht wird das er durch die Gabel fällt.

Aber ich hatte plötzlich die Stäbchen im Visier.
Der Rest am Tisch benutzte natürlich Messer und Gabel!
Allerdings hatte ich keine Ahnung wie man diese Stäbchen benutzt. Das hat der Chef bemerkt und winkte mich freudig zu sich.
Er stellte sich jetzt als "Herr Li" vor. Und in einem Crashkurs zeigte er mir wie man diese Stäbchen benutzt.

Als Nachspeise gab es noch Frühlingsrollen zum teilen, Hummerchips und natürlich heißen Pflaumenwein. Zu den Hummerchips konnte ich zum ersten mal Sojasoße probieren.

Heutzutage wirkt das alles fast lächerlich.
Hätte er damals rohen Fisch bzw. Sushi serviert wären die Leute schreiend aus dem Lokal gestürmt. Buffet bzw. All you can eat hätte man ohne bedient zu werden als minderwertig betrachtet und eine offene Showküche hätte man nicht verstanden.
Was ich aber etwas vermisse ist die chinesische Hintergrundmusik. Ich fand die eigentlich immer recht beruhigend beim Essen. Wobei wahrscheinlich alle Chinarestaurants die gleiche Kassette hatten.
 
Vielleicht für die jüngeren Schreiber im Forum ein merkwürdiges Thema.

Aber kann sich noch jemand erinnern als er zum ersten mal die "Exotik" der chinesischen Küche erlebte?

Meine Eltern waren seinerzeit beide nicht sehr angetan von neuer Kulinarik. Aber ein Bekannter meines Vaters der sich als Weltmensch und Trendsetter betrachtete überredete sie irgendwann doch noch zum Chinesen zu gehen als tatsächlich einer bei uns eröffnete. Als Kind schliffen sie mich da natürlich mit.

Die Ängste meiner Eltern waren ziemlich groß. Meine Mutter befürchtete das sie keine Kühlung kennen, mein Vater hatte diverse Theorien welche Art Fleisch dort Verwendung findet. Katzen, Hunde oder gar Ratten! Das mag heutzutage schon fast schockierend klingen, aber damals waren diese Gerüchte wirklich weit verbreitet.

Das Chinarestaurant war am Stadtrand, mehr hatte die Stadtpolitik damals nicht zugelassen. Wäre es in der Innenstadt gewesen hätte es einen Aufstand der Wirte gegeben.

Nach dem familiären Vorgespräch war ich als Kind jedenfalls ziemlich verunsichert und nervös. Essen war damals Schnitzel, Knödel, Gulasch, Brathuhn, Erbsenreis, gefüllte Paprika, Fischstäbchen, diverse Braten, Kartoffeln, Kartoffeln und nochmals Kartoffeln.

Man betrat also mutig das Chinarestaurant, zwei goldene Löwen beim Eingang. Im inneren spielte chinesische Musik, die Deko war so chinesisch wie es sie wahrscheinlich nicht einmal in China gab. Zumindest nicht in den letzten 100 Jahren.

Erstes Problem. Bis auf den Chef und Familienoberhaupt sprach keiner Deutsch. Und das Deutsch vom Chef beschränkte sich auch nur auf wenige Worte. Deutsch Lesen oder Schreiben konnte er auch nicht. Es blieb also bei einem dezenten Lächeln, gesenkten Häuptern und viel "Willkomme, Willkomme".

Und dann kam die Speisekarte. Die hatte hunderte Rechtschreibfehler, aber mit etwas Mühe konnte man erahnen was die Gerichte beinhalten. Damit man bestellen konnte musste man den Code aus Buchstaben und Zahlen ansagen der immer an der Seite vermerkt war.

Zur Auswahl gab es einiges, aber man kannte die Namen der Gerichte nicht. Orientierte sich also z.B. nur nach "Hun, Ku und Swein".

Die Getränke Bestellung funktionierte ganz gut, Alkohol war kein Thema in meiner Familie. Mit Wein und Bier wäre es wahrscheinlich problematisch geworden.

Aber das erste Missverständnis gab es bei der Vorspeise. Meine Eltern wollten zuerst Suppe. Wodurch der Chef glaubte wir wollen nichts anderes als Suppe essen. Denn er war es natürlich gewohnt die Suppe nach dem Essen zu nehmen. Also wollte er schon die Speisekarte wieder absammeln.
Irgendwann hatte er dann nach etlichen Erklärungen verstanden das wir komischen Leute zuerst Suppe essen.
Ich bestellte die Haifischsuppe. War damals ja noch kein Problem. Für die Suppe benutzten wir die Keramiklöffel die für die Reisschale gedacht waren. Stäbchen für den Inhalt und aus der Suppenschüssel schlürfen war undenkbar, ist aber glaube ich auch in China keine absolute Regel?!

Beim Hauptgang kann ich mich noch an meine Wahl erinnern. R-2! Und dann kam etwas das man heutzutage eher als Slapstick verstehen würde. R-2! L-2? Nein, R-2! Aha, rL-2!
Das R war ein absolutes Problem für den Chef und alle Angestellten. Warum er ausgerechnet eine ganze Seite an Speisen mit R und Zahl in der Karte hatte weiß nur der Jadekaiser!

Das Essen war wunderbar, ein bis dahin völlig unbekannter Geschmack. Vor allem der Reis war interessant. Ich kannte bis dahin keinen hochwertigen Langkornreis der zusammen haftet und bis heute gibt es hier in der Gastro fast nur diesen "Barboiled Reis" der so verkocht wird das er durch die Gabel fällt.

Aber ich hatte plötzlich die Stäbchen im Visier.
Der Rest am Tisch benutzte natürlich Messer und Gabel!
Allerdings hatte ich keine Ahnung wie man diese Stäbchen benutzt. Das hat der Chef bemerkt und winkte mich freudig zu sich.
Er stellte sich jetzt als "Herr Li" vor. Und in einem Crashkurs zeigte er mir wie man diese Stäbchen benutzt.

Als Nachspeise gab es noch Frühlingsrollen zum teilen, Hummerchips und natürlich heißen Pflaumenwein. Zu den Hummerchips konnte ich zum ersten mal Sojasoße probieren.

Heutzutage wirkt das alles fast lächerlich.
Hätte er damals rohen Fisch bzw. Sushi serviert wären die Leute schreiend aus dem Lokal gestürmt. Buffet bzw. All you can eat hätte man ohne bedient zu werden als minderwertig betrachtet und eine offene Showküche hätte man nicht verstanden.
Was ich aber etwas vermisse ist die chinesische Hintergrundmusik. Ich fand die eigentlich immer recht beruhigend beim Essen. Wobei wahrscheinlich alle Chinarestaurants die gleiche Kassette hatten.

WTF? :wideyed:
Das muss doch in den 80ern gewesen sein. Warum kannst du dich noch so genau erinnern und warum überhaupt?
 
I war glaub i ungefähr 16 ois i des erste moi mit der Clique beim Chinesen war...
Damals gab's auch glaub ich nur 1 China-Restaurant in der Stadt..
 
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