Kann Porno auch Kunst sein?

  • Ersteller Ersteller Gast
  • Erstellt am Erstellt am
Auch noch gefunden: Sex und Kunst: Diese Pornos dürfen auch Spießer anschauen - WELT

Zitat daraus:

"Warum aber zieht nun die Pornografie, ob schwul oder hetero, ins Museum ein? Gegenfrage Matt: "Warum sollte sie nicht in einer Kunsthalle auftauchen, die sich als Spiegel der Gesellschaft versteht? Voyeurismus und Begehren war immer Thema der Kunst." Zumal die Grenze zwischen Kunst und Porno - auch wenn sie von den Kuratoren beharrlich als brüchig behauptet wird - durch die Ausstellung fester zementiert steht als je zuvor."
 
Kunst muss man nicht können. Kunst muss man wollen.
Wenns etwas ist, was ich für mich mache - Ja.
Wenn ich damit Leute erreichen will - Jein. Da wärs schon gut wenn ich weiß was möglich ist und das nutzen kann.

Können dann nur Amateurpornos Kunst sein? Bei Produktionen steht ja der Verkauf und nicht das künstlerische Interesse im Vordergrund.
 
Wenns etwas ist, was ich für mich mache - Ja.
Wenn ich damit Leute erreichen will - Jein. Da wärs schon gut wenn ich weiß was möglich ist und das nutzen kann.

Natürlich muss man auch wissen, wie/ob man eine erwünschte Wirkweise erzielt…

Um beim selben Medium zu bleiben: kein Film von Fassbinder ist handwerklich so gut gemacht wie Titanic.
Künstlerisch wertvoller ist aber sicherlich "Liebe ist kälter als der Tod".

Im Übrigen begeistert mich auch "technisch" gut produzierte Kunst wie die von Matthew Barney, um nur ein Beispiel zu nennen…
 
Nein. Sonst wäre es auch kein Porno, sondern eben pornografische Kunst.
Etwas, das nicht als Kunst gedacht war, wird es auch nie sein…....


Zu der Unterscheidung von "Porno" und "pornographische Kunst": falls du von Anfang an definierst, dass Porno halt etwas ist, das ausschließlich zum Aufgeilen dient, dann hast du natürlich recht. In diesem Fall diskutieren wir aber nicht über Inhalte, sondern über Definitionen, was ich für sinnlos halte.

Ich verstehe natürlich, dass man mit diesen Formulierungen verschiedene Situationen umreissen kann, wenn man will. Na dann... Vielleicht hat ja z.B. Bertolucci wirklich Kunst machen wollen, als er den letzten Tango gedreht hat - und herausgekommen ist dann eben nur künstlerische Pornographie. Auch so könnte man durchaus unterscheiden. Auch bei "L'Amant" von J.J. Annaud kann man das durchaus so sehen. Das ist eigentlich ein hochästhetischer Softporno. Als der Film damals rauskam, haben mir einige meiner Altersgenossen nur so vorgeschwärmt, was das für ein tolles Werk nicht ist. :D Auch heute würde man das ohne mit der Wimper zu zucken bei Arte ausstrahlen.

Wollte Russ Meyer wirklich Kunst machen? :lol: Seine Hauptdarstellerinnen? Echt jetzt? Machte Russ Meyer eher pornographische Kunstfilme oder doch künstlerische Pornos? Oder nur reine Pornos? Ist Russ Meyer ein Künstler, weil er ja eigentlich Kunst machen "wollte"? Aber - wollten seine Hauptdarstellerinnen das auch wirklich, oder wollten sie nur ihre Rechnungen bezahlen? Und wenn nein, sind sie dann keine Künstlerinnen, sondern nur der Regisseur?

Als Kunst "gedacht", Kunst muß "gewollt" sein.... das ist ein typisch europäisch, avantgardistischer Ansatz. Je näher du an Hollywood kommst, desto weniger wirst du diese Sichtweise treffen. Sehr oft kommt am Ende dieser Diskussion die Anforderung: Kunst muß immer politisch sein. Und letztlich (meistens aber unausgesprochen): natürlich muß sie auch links und feministisch sein. :lol: :rofl:

Wie gesagt, ich verstehe was damit gemeint ist. In der meisten Zeit der Geschichte der Menschheit hat man das aber sicher wesentlich unbeschwerter gesehen. Aber ich will ja gar nicht in die Morgenstunden der Menschheit zurück gehen, zu den Höhlen von Lascaux oder zu Imhotep. Der war übrigens der erste uns bekannte Künstler, der sein Werk signiert hat. Ob er sich selbst eher als Künstler oder als Ingenieur gesehen hat, weiß keiner. Vielleicht wollte er ja nur einen großen schönen Grabstein bauen, und es kamen die Pyramiden dabei raus.

Gehen wir einmal zu Leuten wie John Lennon oder Elvis Presley, dem Lastwagenfahrer. Wenn ich kapiere, das John Lennon vermutlich wirklich Kunst machen wollte, ist mir das bei Elvis Presley schon deutlich weniger klar. Und: natürlich kann ich jetzt definieren - genau deshalb ist die Musik von Elvis eben keine Kunst, jene von John Lennon hingegen doch.

Hoch lebe die Deutungshoheit. :D :lol: :rofl:

Die politische Sicht der Kunst heute, die könnte in 100 Jahren schon wieder irrelevant sein. Letztlich ist es auch eine normative Sicht - so SOLL Kunst sein. Ich denke hingegen, viele, die heute Kunst machen wollen, machen oft nix als politische Agitation, auch wenn sie sich noch so sehr dagegen streuben. Wie man das dann aber definiert: da siegt dann oft der Lauteste.

Über viele Dinge werden die Jahrhunderte drüberwandern, und manches, was sich heute als Kunst sieht, wird dann nicht einmal im Mistkübel schlummern, sondern in der Vergessenheit. Ich denke, dass manche Menschen Kunst erzeugen, egal ob sie es eigentlich wollen. Andere erzeugen es nicht, so sehr sie sich bemühen, und so sehr sie sich in der linken Kulturszene auch vernetzen. :D
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Um beim selben Medium zu bleiben: kein Film von Fassbinder ist handwerklich so gut gemacht wie Titanic.
Künstlerisch wertvoller ist aber sicherlich "Liebe ist kälter als der Tod".…

Schon mit der Auswahl dieser zwei scheinbaren Pole beeinflußt du die Sichtweise (nicht ungeschickt) :lol:


Klugerweise hast du nicht irgend einen Film von Stephen Spielberg, John Ford o.ä. als Zweiten genommen. Aber selbst dann ist das ein ganz kleines bissl irreführend. Du suchst zwei Pole aus, und erzeugst damit eine eindimensionale Ordnung - und hoffst, dass die Leute nicht lange drüber nachdenken. Aber die Welt ist nicht so einfach gestrickt, wie du es hier darstellst.
 
Klugerweise hast du nicht irgend einen Film von Stephen Spielberg, John Ford o.ä. als Zweiten genommen. Aber selbst dann ist das ein ganz kleines bissl irreführend. Du suchst zwei Pole aus, und erzeugst damit eine eindimensionale Ordnung - und hoffst, dass die Leute nicht lange drüber nachdenken. Aber die Welt ist nicht so einfach gestrickt, wie du es hier darstellst.

Und weiter? Mit meiner Anmerkung, dass ich gerade bei Musik etwas vorsichtig bin, wollte ich sagen, dass eine Verortung eben nicht immer ganz einfach ist.
Das selbe gilt natürlich auch für den Film.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zu der Unterscheidung von "Porno" und "pornographische Kunst": falls du von Anfang an definierst, dass Porno halt etwas ist, das ausschließlich zum Aufgeilen dient, dann hast du natürlich recht. In diesem Fall diskutieren wir aber nicht über Inhalte, sondern über Definitionen, was ich für sinnlos halte.

Ich verstehe natürlich, dass man mit diesen Formulierungen verschiedene Situationen umreissen kann, wenn man will. Na dann... Vielleicht hat ja z.B. Bertolucci wirklich Kunst machen wollen, als er den letzten Tango gedreht hat - und herausgekommen ist dann eben nur künstlerische Pornographie. Auch so könnte man durchaus unterscheiden. Auch bei "L'Amant" von J.J. Annaud kann man das durchaus so sehen. Das ist eigentlich ein hochästhetischer Softporno. Als der Film damals rauskam, haben mir einige meiner Altersgenossen nur so vorgeschwärmt, was das für ein tolles Werk nicht ist. :D Auch heute würde man das ohne mit der Wimper zu zucken bei Arte ausstrahlen.

Wollte Russ Meyer wirklich Kunst machen? :lol: Seine Hauptdarstellerinnen? Echt jetzt? Machte Russ Meyer eher pornographische Kunstfilme oder doch künstlerische Pornos? Oder nur reine Pornos? Ist Russ Meyer ein Künstler, weil er ja eigentlich Kunst machen "wollte"? Aber - wollten seine Hauptdarstellerinnen das auch wirklich, oder wollten sie nur ihre Rechnungen bezahlen? Und wenn nein, sind sie dann keine Künstlerinnen, sondern nur der Regisseur?

Als Kunst "gedacht", Kunst muß "gewollt" sein.... das ist ein typisch europäisch, avantgardistischer Ansatz. Je näher du an Hollywood kommst, desto weniger wirst du diese Sichtweise treffen. Sehr oft kommt am Ende dieser Diskussion die Anforderung: Kunst muß immer politisch sein. Und letztlich (meistens aber unausgesprochen): natürlich muß sie auch links und feministisch sein. :lol: :rofl:

Wie gesagt, ich verstehe was damit gemeint ist. In der meisten Zeit der Geschichte der Menschheit hat man das aber sicher wesentlich unbeschwerter gesehen. Aber ich will ja gar nicht in die Morgenstunden der Menschheit zurück gehen, zu den Höhlen von Lascaux oder zu Imhotep. Der war übrigens der erste uns bekannte Künstler, der sein Werk signiert hat. Ob er sich selbst eher als Künstler oder als Ingenieur gesehen hat, weiß keiner. Vielleicht wollte er ja nur einen großen schönen Grabstein bauen, und es kamen die Pyramiden dabei raus.

Gehen wir einmal zu Leuten wie John Lennon oder Elvis Presley, dem Lastwagenfahrer. Wenn ich kapiere, das John Lennon vermutlich wirklich Kunst machen wollte, ist mir das bei Elvis Presley schon deutlich weniger klar. Und: natürlich kann ich jetzt definieren - genau deshalb ist die Musik von Elvis eben keine Kunst, jene von John Lennon hingegen doch.

Hoch lebe die Deutungshoheit. :D :lol: :rofl:

Die politische Sicht der Kunst heute, die könnte in 100 Jahren schon wieder irrelevant sein. Letztlich ist es auch eine normative Sicht - so SOLL Kunst sein. Ich denke hingegen, viele, die heute Kunst machen wollen, machen oft nix als politische Agitation, auch wenn sie sich noch so sehr dagegen streuben. Wie man das dann aber definiert: da siegt dann oft der Lauteste.

Über viele Dinge werden die Jahrhunderte drüberwandern, und manches, was sich heute als Kunst sieht, wird dann nicht einmal im Mistkübel schlummern, sondern in der Vergessenheit. Ich denke, dass manche Menschen Kunst erzeugen, egal ob sie es eigentlich wollen. Andere erzeugen es nicht, so sehr sie sich bemühen, und so sehr sie sich in der linken Kulturszene auch vernetzen. :D
kann ich nur unterzeichnen. Ganz zu schweigen von Kunstförderungsfonds... ^^
 
Hi,

weder wäre punkrock, noch aktphotofraphie kunst, wenn es nach denen ginge.

eben nicht. Es gibt auch keine Eliten, die die Deutungshoheit über den Kunstbegriff haben. Kunst ist alles, das aus künstlerischem/kreativen Aspekt geschaffen wurde.


So bleibt z.B. so manchem Fotografen die Erhebung in den Kunststand versagt, weil ihm die notwendige Reputation fehlt, wogegen andere, die z.B. durch Galeristen gefördert werden, ohne weiteres als Künstler Anerkennung finden und ihre Werke auch teuer verkaufen können.

Auch das stimmt nicht. Der kommerzielle Erfolg eines Künstlers (wobei der idR, eigentlich immer unkommerziell sein soll) hat nichts damit zu tun, ob oder dass seine Werke als Kunst anerkannt sind.

LG Tom
 
Auch das stimmt nicht. Der kommerzielle Erfolg eines Künstlers (wobei der idR, eigentlich immer unkommerziell sein soll) hat nichts damit zu tun, ob oder dass seine Werke als Kunst anerkannt sind.

absolut ... Banksy würde mir da sofort einfallen. künstlerstatus weeeit vor dem kommerziellen erfolg bereits erzielt (der kommerzielle erfolg hält sich auch, für einen künstler seines kalibers, ziemlich in grenzen ... zumindest rein auf seine kunst bezogen).
 
Zurück
Oben